Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Lifestyle Kräuterbeet im Cocktailglas
Mehr Lifestyle Kräuterbeet im Cocktailglas
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:01 10.06.2016
Von Dany Schrader
Die Zeit der süßen Langeweile im Glas ist vorbei: Anspruchsvolle Bars servieren ihren Gästen heute raffinierte Kreationen mit Rosmarin, Basilikum oder Salbei. Quelle: Fotolia
Anzeige

Die Bar Beckett's Kopf im Berliner Prenzlauer Berg ist ein Ort für anspruchsvolle Gäste. Einlass erhält nur, wer zuvor an der Eingangstür den Klingelknopf drückt. Manchen lässt das vielleicht an die Prohibition zurückdenken. In Zeiten aber, in denen eingesessene Berliner über die Rollkoffergeräusche schwarmartig auftretender Airbnb-Touristen klagen, kann die Klingel auch einfach als Versprechen darauf gewertet werden, dass es lärmende Reisegruppen, die zuckrige Strawberry Margaritas aus großen Gefäßen trinken, dort nicht gibt.

Ganz im Gegenteil: Wer zum ersten Mal in einem der schweren Ledersessel sitzt, kann vielmehr den Eindruck gewinnen, in eine verschworene Gemeinschaft von Alchemisten geraten zu sein. Und ein kleines bisschen ist es vielleicht auch so. Das Team von Beckett's Kopf tüftelt und experimentiert unentwegt an neuen Kreationen.

Anzeige

Einmal in der Woche kommen Oliver Ebert und sein Team zu einem sogenannten Lab-Day zusammen. An diesem Tag werden Ideen ausprobiert, verworfen, belächelt und verfeinert. "Irgendwann", sagt Ebert, "landet davon ein Drink glücklich auf der saisonal wechselnden Karte." Alles ist erlaubt, und so kann es durchaus sein, dass ein Cocktail das Aroma von Salbei, Rosmarin, Thymian und Minze in sich trägt, ein Kräuterbeet im Glas sozusagen.

Würzig statt klebrig-süß

Der Einsatz von diversen Kräutern gehört, vom Minze-Klassiker Mojito einmal abgesehen, an anspruchsvollen Bars längst zum Alltag. Die Hochphase der klebrig-süßen Drinks ist vorbei. Viele Bars haben Klassiker wie die Piña Colada und den dazugehörigen Kokoslikör schon von der Karte verbannt. Zu süß, zu langweilig, zu gestrig. Auch Sommerdrinks wie Hugo (Prosecco, Holunderblüten-Sirup, Mineralwasser) können anspruchsvolle Barkeeper und vor allem ihre Gäste nicht mehr sehen.

Stattdessen landet Grünes, Würziges und Herbes im Glas. Selbst Getränke, die auf fruchtiger Basis beruhen, werden mit frischen Kräutern verfeinert oder zumindest damit dekoriert. Wo ganz früher einmal die kreischend rote Cocktailkirsche saß, ruht heute der Rosmarinzweig.

Im Münchner Patolli etwa serviert man den Gästen im Sommer 2016 einen Cocktail aus mit Quitten angesetztem Gin, Limettensaft, Rosmarinsirup und Bitterorangenmarmelade. Kräuter im Glas sind aufregend, sie bilden in so manchem Getränk einen gewichtigen Gegenpart.

Erste Adresse für Freunde des gehobenen Getränks: Die Bar Beckett's Kopf in Berlin. Quelle: Beckett's Kopf

Möglich gemacht haben die neue Richtung auch die Rückkehr des Wermuts und der Boom des Gins. Die Gäste wissen waldig-erdige bis krautig-ätherische Geschmacksnoten wieder zu schätzen. Der neue Geschmackspfad hat natürlich einen Namen: Cuisine Style. Davon spricht man, wenn an der Bar Zutaten zum Einsatz kommen, die eigentlich in der Küche verwendet werden.

Der "Basil Smash" ist so ein Beispiel dafür. Die Kombination aus Gin, Zitronensaft und Basilikum ist nicht einmal neu: Dem Magazin "fizzz" zufolge soll der Hamburger Jörg Meyer, Besitzer der Bar Le Lion, diese Mischung bereits vor sechs Jahren zum ersten Mal seinen Gästen serviert und das Rezept auf Facebook veröffentlicht haben. Schon bald darauf ging die Mixtur um die Welt. Angesichts des anhaltenden Gin-Booms fachsimpeln mittlerweile selbst Laien darüber, ob das Basilikum besser mit einer kräftigen oder einer milden Wacholdernote harmoniert.

Überhaupt: Basilikum! Darf es der schnöde Topf aus dem Supermarkt sein, wenn man es zusammen mit einem hochklassigen Gin verwendet? Oder sollte man sich um der Würze und der ungewöhnlichen Rotfärbung willen um das African Blue bemühen, das freilich unter der Massenware kaum zu finden ist? Das ist reine Geschmackssache. Denn tatsächlich räumen die meisten Barkeeper am Ende ein, bei der Herkunft der Kräuter selbst nicht allzu pingelig zu sein.

"Kräuter passen zu allen Getränken"

Vielmehr achten sie auf die richtige Komposition. Basilikum beispielsweise wird wegen seines grasigen Aromas gern mit Säure, etwa von Limone und Zitrone, kombiniert. Salbei hingegen benötigt immer einen lieblicheren Gegenspieler, es sei denn, man liebt es bitter. Rosmarinaroma kitzeln manche Bartender gar mit einer Prise Salz aus dem Kraut.

Selbstverständlich ist die Kombination von Kräutern mit Alkohol längst keine neue Erfindung. Schon vor Jahrhunderten wurde frisches Grün mazeriert und destilliert, damit sich das Aromenspektrum in Erzeugnissen wie Likören und -schnäpsen entfalten konnte. Diese traditionelle Handwerkskunst kommt heute kaum noch zum Einsatz. "Wenn Kräuter mazeriert und destilliert werden, offenbaren sie ihre Seele, wie schon der Destillateur Christoph Keller sagte", erklärt Barbesitzer Ebert.

Für manche Cocktails aber werden die Zutaten lediglich "gemuddelt": Kräuter und andere Beigaben werden zerdrückt, geschüttelt oder zerstoßen. Dabei tritt das Hauptaroma in den Vordergrund, nicht aber der eigentlich mögliche Facettenreichtum. "Kräuter passen zu allen Getränken", sagt Ebert. "Nur eben nicht jedes Kraut zu jedem Drink. Sonst wäre es ja auch zu einfach."

Rezepte zum Nachmixen

Lack Rosmarino

2 cl Himbeerpüree
1 Zweig Rosmarin
2 cl Blackberrylikör
4 cl Wodka
3 cl Cranberrysaft
1 cl Orangenlikör
1 cl Limettensaft

Alle Zutaten in einem Shaker schütteln und anschließend durch ein Sieb geben. Möglicherweise ein zweites Mal abseihen. Glas mit Eiswürfeln füllen, eingießen und mit Himbeeren dekorieren.

Gin Basil Smash

6 cl guten Gin
2 cl Zitronensaft
6 bis 8 Basilikumblätter
20 ml oder 2 cl Rohrzuckersirup

Die Basilikumblätter in einem Mörser zerdrücken, bis sich das Aroma entfaltet. Dann nach und nach Zitronensaft, Gin und den Rohrzuckersirup dazugeben. Eiswürfel in den Shaker geben und kräftig schütteln. Anschließend durch ein Sieb in einen Tumbler geben, servieren.

Matinee Martini

6 cl Hendricks Gin
1 Orangenzeste
1 Bar- oder Teelöffel Ingwersirup
3 Blättchen Salbei

Mit diesem Cocktail gewann Stephan Berg bereits vor vielen Jahren den zweiten Platz beim Hendricks-Martini-Wettbewerb. Das Getränk ist allerdings Geschmackssache – wem das Orangenaroma zu intensiv ist, wird auch keine Freude am verwendeten Salbei haben. Zubereitung: Zutaten kräftig schütteln und durch ein Sieb in ein Cocktailglas gießen.

Kräuter-Fizz

2 Zweige Rosmarin
1 Zweig Thymian
2 Zweige Minze
10 Salbeiblätter
10 Basilikumblätter
Saft von vier Zitronen
Ahornsirup oder Zucker
1 Liter kaltes Mineralwasser

Saft der ausgepressten Zitronen mit Ahornsirup oder Zucker kurz aufkochen, Kräuter hinzugeben und diese im Sud mindestens 30 Minuten ziehen lassen. Danach mit eiskaltem Mineralwasser nach Belieben aufgießen, Eiswürfel hinzugeben und mit Zucker abschmecken.

Raspberry Thyme Smash

6 cl Gin
6 oder mehr frische Himbeeren
3 cl Zuckersirup
3 cl Limettensaft
ein Zweig Thymian

Himbeeren und Thymian im Mörser oder Shaker ordentlich stößeln. Zusammen mit Gin, Zuckersirup, Limettensaft und Eis in einen Shaker geben und kräftig schütteln. Anschließend durch ein Sieb ins Glas geben. Die Menge der Himbeeren kann nach Bedarf variiert werden.

Lillet mit Minze

1 Teil Lillet Blanc
2 Teile Tonic
4 bis 5 Eiswürfel
1 Scheibe Salatgurke
1 geviertelte Erdbeere
5 Blatt Minze

Alle Zutaten im Shaker mit Eiswürfeln vorsichtig verrühren, dann in ein hohes Glas füllen und gegebenenfalls noch dekorieren.

Dany Schrader 10.06.2016
Lifestyle Am Herd mit Jacqueline Amirfallah - Gazpacho mit Jakobsmuscheln
10.06.2016
Lifestyle Sommeroutfits ohne Fettnäpfchen - In der Modefalle
03.06.2016