Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Lifestyle Schnaps ist nicht gleich Schnaps
Mehr Lifestyle Schnaps ist nicht gleich Schnaps
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 30.10.2015
Von Sophie Hilgenstock
Kabumm: Sido geht unter die Wodkaproduzenten
Kabumm: Sido geht unter die Wodkaproduzenten. Quelle: Kabumm
Anzeige

Man könnte sagen, Sido mag Sachen mit ordentlich Wumms. Seine Songs haben häufig "dicke Beats", seine Texte sind deutlich, sein Stoff selbstverständlich hart. Sido konsumiert kein Wasser, er trinkt Wodka. "Wodka ist Bombe!", sagt der 34-Jährige. Und so, wie eine Bombe klingt, wenn sie explodiert, so sollte er auch heißen, sein Wodka. "Kabumm". Ein Name mit Wumms, passend zum Getränk.

Seit Kurzem ist Sido Wodka-Produzent. Er wollte "etwas Gutes" machen, sagt er. Etwas Selbstkomponiertes. Er trifft damit einen Nerv: Gin aus dem Schwarzwald, Whiskey aus Oberbayern – Hochprozentiges ist in aller Munde, sofern es handgemacht ist, in kleinen Manufakturen, mit erlesenen Zutaten, ohne chemische Zusätze, regional produziert. Craft Spirits nennt man solch ausgesuchte Tropfen. Ihre Anhängerschaft wächst.

Kleine Mengen und viel Liebe

Nach Lebensmitteln, Wein und Bier entdeckt der Konsument jetzt also den Schnaps. Dabei ist Schnaps nicht gleich Schnaps. Bewusst zechen, das geht für viele nur noch mit originellen, hochwertigen Destillaten aus sogenannten Mikrobrennereien, auch deftige Preise werden dafür akzeptiert. Der Trend kommt, wie schon bei den Craft-Beer-Brauereien, aus den USA. Hunderte kleiner Destillerien soll es dort inzwischen geben. Hierzulande zieht man jetzt nach.

Seit vier Jahren kommt Europas Craft-Spirit-Szene beim Festival "Destille" in Berlin zusammen. Anfangs waren es nur wenige Quereinsteiger und Hobby-Brenner, die mit ihren Wacholderschnäpsen, Weinbränden und Wodka-Kreationen anreisten. Inzwischen sind es mehrere Dutzend, sie kommen aus Luzern und Liechtenstein, aus Stockholm, Rostock oder London. Sie nennen sich "Elephants Gin", "Monkey 47", "Adler Berlin", "Albfink Wodka". Sie brennen nach alter Tradition, in Minimargen, mit echten Kräutern und viel Liebe.

Mundgeblasene Handgranaten

Um anzukommen, darf aber auch ein Alleinstellungsmerkmal nicht fehlen. Jeder gute Schnaps, Brand oder Likör braucht eine gute Geschichte. Der eine Mikrobrenner schwört auf die Verwendung von 47 Zutaten, der andere vermarktet sich als südlichster Whiskey-Produzent Europas. Sido setzt aufs Design: Sein "extrem feiner Wodka aus seltenem Nackthafer, bekömmlichem Winterweizen und frischem Quellwasser" wird aus gläsernen Handgranaten gereicht. Die seltenen Kugelflaschen werden eigens mundgeblasen. In Polen.

Der Inhalt wiederum kommt aus Österreich. Sido steht freilich nicht selbst an der Destille. Das übernimmt der Fachmann Josef Farthofer. In seiner Brennerei werde "Kabumm" bis zu 30-mal destilliert und dürfe besonders lange gären. 80 Euro kostet die Wodka-Bombe. Sido verkauft sie unter anderem in seinem Nachtclub. Eine zündende Idee.

Lifestyle Röcke auf dem Rückzug - Bloß nicht verkleiden!
30.10.2015
Lifestyle Uhrenvergleich: Smart gegen analog - Kampf ums Handgelenk
Daniel Behrendt 23.10.2015
Stephan Fuhrer 23.10.2015