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Lifestyle Silber für die Goldjäger
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20:01 17.06.2016
Schlicht, funktional und vielleicht sogar ein bißchen bieder: So sieht die Kollektion für die deutsche Olympiamannschaft aus. Quelle: Adidas / iStock
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Partymusik, blitzende Lichter, Athleten in silberfarbenen Jacken, die tanzen, springen, sich abklatschen. In einer großen Fashion-Show stellte Adidas kürzlich die Uniformen der Olympia-Athleten vor; die deutschen Spitzensportler fahren in viel Schwarz und Silber nach Rio. Die Sohlen der Ausgehschuhe von Sioux sind rot-gold. Sie sehen ein wenig nach Gesundheitsschuhen aus.

Für Frauen gibt es noch extralange Shirts – ebenfalls in unauffälligem Schwarz, das Richtung Unterkante immerhin in schmales Rot-Gold ausläuft. Bei vielen Teilen sind die deutschen Nationalfarben aufgehellt zu Rosa und Pastellgelb. Weiße Sweatjacken, weinrote Shirts – und alles eher großzügig geschnitten. Der deutsche Sportler versteckt, was er sich antrainiert hat.

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Am 5. August beginnen die 31. Olympischen und Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro, Brasilien. Eingekleidet werden von Adidas rund 450 Sportler und 300 Helfer. Sie treffen sich zu großen Messen, bekommen einen Laufzettel in die Hand und holen ihre Sachen an verschiedenen Ständen ab. Man spricht auch von "Uniformen", doch bei 75 verschiedenen Teilen, die jeder Athlet bekommt, bleibt viel Gestaltungsfreiheit.

Viel Schwarz, viel Silber und bloß nicht zu auffällig: Die Präsentation der Bekleidung der Deutschen Olympiamannschaft und Deutschen Paralympischen Mannschaft von adidas und Sioux. Quelle: DOSB

Rio, nur zur Erinnerung, ist die Welthauptstadt des Karnevals. Entsprechend temporeich, freizügig und bunt dürften die Spiele in Rio werden. "Mit Rio assoziiert man laute und farbenfrohe Outfits", sagt Anna Sinn, Chefdesignerin bei Adidas Women Training. Also alles, was die deutschen Uniformen eher nicht sind. "Wir wollten es bewusst anders machen und haben uns für das Gegenteil entschieden. Durch die Schlichtheit und Reduzierung der Farben werden wir aus der Masse herausstechen", glaubt Sinn.

Was gar nicht so leicht sein dürfte. Denn andere Olympiateams werden zur Eröffnungsfeier nicht nur farbenfroher, sondern auch weitaus extravaganter, und stylischer in das legendäre Maracanã-Stadion einziehen. Die Briten treten in Nationalfarben an – in Weiß, Blau, und Rot –, in engen Shirts und dem neuen Symbol ihrer Mannschaft: einem Löwen, der das olympische Feuer hält. Auch diese Modelle kommen von Adidas, doch für die Gestaltung zeichnet Stardesignerin Stella McCartney verantwortlich.

Hoch die Fahnen: Für den frischen Look der britischen Equipe zeichnet Stardesignerin Stella McCartney verantwortlich. Quelle: Adidas

Ihr US-Kollege Ralph Lauren wiederum steckt die US-Mannschaft in lässige, helle Shorts und Hemden – sollte der Medaillenregen ausbleiben, fallen die Athleten wenigstens nicht im Country Club negativ auf. Bei den Schweden durfte H&M ran und schaffte einen modernen Mix aus Nationalfarben (fröhlich blau-gelb also) und klaren, modernen Schnitten, der den Ausgehuniformen den kecken Charme von Streetwear verleiht.

Sportschützin Manuela Schmermund war gemeinsam mit anderen Athleten an der Auswahl der Entwürfe beteiligt; einige Athleten durften vorab angucken, anfassen, ausprobieren. "Die Sachen sind bequem und praktisch, die Qualität ist gut", lautet ihr Urteil. Auch die Vielfalt der Kollektion überzeugt Schmermund: "Jeder bekommt alles. Für Jüngere pfiffig und leger, mir kommt entgegen, dass es auch zurückhaltende Teile gibt." Adidas ließ sich auch auf die vielen Vorschläge der Sportler ein, wie Zweiwegereißverschlüsse für Rollstuhlfahrer und resistentere Säume.

Schnittig und weit wagemutiger: H&M stattet die schwedische Olympiamannschaft aus. Quelle: H&M

Designerin Anna Sinn wollte den Sportlern vor allem die Möglichkeit geben, sich individuell anzuziehen. Ein Olympia-Kit mit klarer gestalterischer Handschrift, aber kein Einheitslook. Dennoch: Die deutschen Outfits sehen eher nach einem herbstlichen Workout im Stadtpark aus als nach brasilianischen Sommerspielen. Funktionalität scheint über allem zu stehen: Die Silberschicht hält trocken, Schlammspritzer sind auf der schwarzen Hose kein Problem.

Schade eigentlich. In Bezug auf Muster, Cutouts und Schnitte ist Adidas in seiner regulären Kollektion deutlich innovationsfreudiger, als es das funktionale Olympia-Kit vermuten lässt.
Einen willkommen Farbakzent setzen die knallroten Turnschuhe der Olympioniken: der "Pureboost X" für Frauen und der "Ultra Boost Uncaged" für Männer. Die Athleten tragen sie bei Basketball, Handball, Leichtathletik, Marathon, Tennis und Volleyball. Wirklich neu sind knallrote Sneaker freilich nicht, im Streatwear-Bereich waren sie bereits im vergangenen Sommer ein starkes Thema.

Rock über Leggins muss nicht sein

"A Little Fashion"-Bloggerin Filiz Odenthal lobt die Kollektion: "Silber ist viel vertreten, was im Bereich Sport in Kombination mit Schwarz sehr leistungsstark wirkt". Mehr Farbe vermisst Odenthal nicht: "Für mich ist die dezente, ruhige Aufmachung eine Wohltat für die Augen. Die Farben sind auf die der Nationalflagge reduziert und fast nur in den Details untergebracht. Sie fallen auf, ohne nach Zirkus auszusehen." Ein bisschen Unverständnis bleibt dennoch. "Ein dunkelgrauer Jersey-Bleistiftrock über den Leggings hätte nicht unbedingt sein müssen", meint die Bloggerin.

Die Olympia-Kits kosten den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gut 9 Millionen Euro – im Schnitt also 12 000 Euro pro Athleten. Für Adidas sind die sportlichen Großveranstaltungen 2016, neben Olympia die Fußball-Europameisterschaft, enorm wichtig: Schon vor Monaten stieg der Börsenkurs des Unternehmens, Adidas hofft auf 15 Prozent Umsatzsteigerung und 18 Prozent mehr Gewinn.

Von Isabell Prophet

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