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Lifestyle Voll im Trench
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21:08 15.04.2016
Der wandelbarste unter den Modeklassikern: Der Trenchcoat präsentiert sich 2016 im neuen, zarten Look – und macht wie eh und je eine gute Figur. Quelle: afp
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Wie heiratet man einen Multimilliardär? Im Trenchcoat. Jerry Hall zumindest trug ein helles Exemplar, als sie vor einigen Wochen nach der standesamtlichen Zeremonie im Londoner Spencer House mit Rupert Murdoch an ihrer Seite vor die Medien trat.

Auch wenn der Citylook des einstigen Supermodels eher für Ver- als Bewunderung sorgte, hat der Trenchcoat mit Halls Auftritt nun die höchste Stufe der Karriereleiter für Kleidungsstücke erreicht: In nicht weniger als hundert Jahren gelang dem Mantel der Aufstieg aus dem Schützengraben zum Braut-Outfit. Was für ein Werdegang.

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Der Trenchcoat ist das wohl größte Phänomen unter den Modeklassikern. So wandelbar und anpassungsfähig ist kein zweites Kleidungsstück. Seit Jahrzehnten bestimmt er die Garderobe von Männern wie Frauen. In Material und Farbe, Schnitt und Länge variiert er jede Saison, bleibt sich im Grundmuster jedoch treu: Gürtel, Kragen mit Revers, abgesetztes Stück an der Rückenpartie und doppelreihige Knopfleiste. Es ist das Grundprinzip für einen ausgehfeinen Spaziergang zur Übergangszeit, wenn es nicht zu kalt und nicht zu warm ist.

Mantel für große Auftritte

Doch der Trenchcoat kann noch mehr. Zum Beispiel seinen Träger groß rausbringen: Wenn Jerry Hall und Derrick, Audrey Hepburn und Columbo, Humphrey Bogart und Emma Watson etwas verbindet, dann ist es dieser Mantel. Er hat ihnen allesamt denkwürdige Auftritte beschert. Ohne den Trench wäre womöglich manche Model- und Schauspielkarriere von einem wenig figurschmeichelnden Dufflecoat behindert worden.

Manch legendäre Filmszene hätte es vielleicht gar nicht gegeben. Zum Beispiel jene, in der Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" ihren Kater im strömenden Regen sucht. Dass sie einen hellen Trenchcoat trägt, der sie vor dem schützt, was da gerade über sie hereinbricht, und noch dazu ihre schmale Taille betont, erscheint geradezu alternativlos.

Und dann die ganzen Detektive. Hätte Peter Falk bei den Dreharbeiten zur ersten "Columbo"-Folge nicht zu seinem privaten Trenchcoat gegriffen, weil ihm kalt war, worin wären bloß Derrick und Remington Steele später auf Verbrecherjagd gegangen? Schlimmstenfalls im Havelock mit Pelerine wie weiland Sherlock Holmes.

Elegant trotz Regen: Stilikone Audrey Hepburn in einer Szene aus "Frühstück bei Tiffany" im Trenchcoat. Quelle: Imago

Der Trench tarnt und sorgt gleichsam für Aufsehen. Er verleiht seinen Trägern Profil und lässt sie dennoch vornehme Zurückhaltung ausstrahlen. So auch Nachtclubbesitzer Rick Blaine im Kinoklassiker "Casablanca". Humphrey Bogart in dieser Rolle war es, der den Mantel salonfähig machte. Verwegen und unnahbar, nobel und geerdet ließ der Trenchcoat Bogart erscheinen. Das Männlichkeitsidol war von Natur aus schmalschultrig und mit nur etwa knapp 1,70 Metern eher klein. Der Mantel machte ihn zu einem stattlichen Kerl.

Für solche war er auch ursprünglich gedacht. Trench ist das englische Wort für Graben. Das britische Militär orderte zu Beginn des Ersten Weltkriegs von dem Textilkaufmann Thomas Burberry Mäntel aus wasserdichtem Baumwollgewebe – für die Soldaten in den Schützengräben. Die damaligen Charakteristika wie D-förmige Gürtelschnalle, Camouflagefarben, zackiger Kragen und abgesetztes Stück an der Rückenpartie sind bis heute kennzeichnend für den Trenchcoat.

Burberry hatte das Patent auf den vor rauer Witterung schützenden Mantelstoff: Gabardine. Wegen seines Tragekomforts erfreute sich der robuste Mantel auch nach Kriegsende großer Beliebtheit – und wurde stetig weiterentwickelt. Heute führt fast jede Modemarke ein Trench-Modell im Programm. Neben Gabardine und Popeline sind Hightech-Fasern und Leder die gängigsten Stoffe. In diesem Frühjahr gibt es sogar Modelle aus Spitze, bevorzugt in Creme- und Rosétönen – und damit genau das Richtige für Bräute, die es Jerry Hall gleichtun wollen.

Nonchalance und Understatement

Die begehrtesten Modelle kommen nach wie vor von Burberry. Bis auf die englische Schauspielerin Emma Watson, die vor einigen Jahren das Gesicht einer aufsehenerregenden Modekampagne des Traditionsunternehmens war, wird ein echter Burberry vor allem mit den modebewussten Pariserinnen in Verbindung gebracht.

"Französinnen lieben Basics", sagt die Pariser Bloggerin und Designerin Anne-Catherine Frey. Und das seien nun mal Pullover mit V-Ausschnitt, weiße T-Shirts und Trenchcoats. Das Frauenmagazin "Cosmopolitan" stellte sogar die kühne These auf, dass "eine Pariserin auch nackt aus dem Haus gehen würde, nur mit einem Burberry bekleidet". Vielleicht erklärt das die Trenchcoat-Vorliebe der französischen Frauen. Ein Bouclé-Jäckchen von Chanel ist für derlei Eskapaden schließlich absolut unbrauchbar.

Bei aller Nonchalance zählt der Trenchcoat jedoch eindeutig zum Brit Chic. Und der ist zurzeit wieder besonders angesagt. Understatement wird großgeschrieben, und da ist der Mantel das perfekte Kleidungsstück, um Unscheinbarkeit zu inszenieren. Der Trench kaschiert und bringt Ordnung. Egal, wer was darunter trägt, der Mantel sorgt dafür, dass man weder under- noch overdressed ist.

Braut im Trench: Ex-Supermodel Jerry Hall heiratete am 4. März 2016 den Medienmogul Rupert Murdoch. Quelle: Yui Mok / dpa

Diese lässige Haltung funktioniert jedoch nur, wenn gewisse Regeln eingehalten werden: Wer auf den klassischen Farbton Beige setzt, sollte darauf achten, dass der Mantel mindestens eine Nuance dunkler ist als der eigene Hautton. Großen Menschen steht eher die lange Version, kleineren ein Kurzmantel. Unter dem Mantel sollten schmale Hosen, Kleider oder Röcke getragen werden.

Wer etwas fülliger ist, kann mit dem Trenchcoat dennoch auf Figur setzen: Er macht eine schmale Taille und kaschiert gleichzeitig Problemzonen wie Po und Hüfte. Für den perfekten Sitz dürfen Schulter- und Armpartie nicht zu groß, aber auch nicht zu eng sein, und der Gürtel sollte exakt auf der Taille liegen. Überhaupt ist mit dem Gürtel die wichtigste Stilregel verbunden: Er wird immer geknotet und niemals durch die Schnalle gefriemelt. Für solche Kinkerlitzchen hatte schon Rick Blaine nichts übrig.

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