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Lifestyle Gruß in die Küche
Mehr Lifestyle Gruß in die Küche
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18:15 20.08.2015
Quelle: Fotolia
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Dieser Wunsch, der Urlaub möge nie zu Ende gehen - wer hat den nicht schon mal gehegt. Um das besondere Urlaubsfeeling auch am heimischen Tisch zu erhalten, gibts die ein oder andere kulinarische Köstlichkeit aus der Ferne.

Wein aus Frankreich: Besser als Doping

In der Zeit vor den Kindern, als wir im Urlaub noch Platz für umfangreiche Mitbringsel im Auto hatten, hielten wir auf unserem Weg durch Frankreich bei einem Weingut in den Hügeln über Sancerre. Der schnauzbärtige Winzer ging stracks zum Zapfhahn, füllte sich selbst ein Glas, gab uns ein ganzes Viertele und dozierte dann: "Ülrik! Ülrik!", rief er in höchster Faszination. Und als wir verständnislos guckten, kurbelte er mit seinen Händen ein imaginäres Tretlager. Jan Ullrich war damals noch ein Held, kein Sünder – und jeder "Sancerre" ist besser als jedes Doping. jps

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Salmiak aus Dänemark: Geschmack der Kindheit

Die Packung mit dem rot-weißen Schriftzug weckt Kindheitserinnerungen. "Ga-Jol" steht darauf. Darin sind kleine, harte und vor allem scharfe Salmiakpastillen. Schon beim Urlaub mit den Eltern in Dänemark schmeckten die "halspastiller" viel besser als Gummibären – obwohl sie eigentlich gar nicht für Kinder gedacht sind. Und sie schmecken noch immer. Beim jüngsten Dänemark-Urlaub mehr als drei Jahrzehnte später kam es zu Ga-Jol-Hamsterkäufen im Supermarkt auf der Fähre. Doch die Vorräte zu Hause reichten nicht lange. Wie gut, wenn es eine Schwägerin gibt, die in Kopenhagen wohnt und dankenswerterweise alle paar Monate für Nachschub sorgt. jk

Knabberzeug aus Südafrika: Straußenfleisch in Streifen

Beim Besuch in einem Township hing es an der Wäscheleine: in Streifen geschnittenes Fleisch, das in der Sonne lufttrocknete. Dort, zwischen Kindersocken und Männershorts und von Fliegen umschwirrt, machte es nicht den Eindruck einer lukullischen Spezialität. Doch wie das oft so ist – wer sich traut zu probieren, wird mit Geschmack reich belohnt. Südafrikaner und Namibier kauen ihren Nationalsnack Biltong wie Deutsche Chips. Die Supermärkte verkaufen das mit Salz, Zucker, Gewürzen und Essig eingeriebene Rind- oder Wildfleisch abgepackt. Als Mitbringsel kommen exotische Sorten gut an – Strauß, Zebra, Kudu oder Oryxantilope. Ist nur nichts für Vegetarier. so

Klassiker aus Italien: Sternenkekse vom Himmel

Bei einem an Delikatessen so gesegneten Land wie Italien denkt man jetzt vielleicht nicht unbedingt als Erstes an Schokokekse. Ich schon. "Pan Di Stelle" heißt diese süße Verlockung, die Kakaofetischisten getreu ihrem Namen tatsächlich die Sterne vom Himmel holt. Sterne zieren die runden Kekse auch in Zuckerform. Man kann sie gut mit anderen italienischen Klassikern kombinieren, zum Beispiel in Cappuccino tunken oder zu Wein knabbern. Für die Länderspezifik der Kekse spricht auch, dass es sie unlängst bei den italienischen Wochen eines deutschen Discounters gab – allerdings konnten diese nicht mit dem Original mithalten. Ich entdeckte die Sternenkekse bei einer Jugendfreizeit mit 16 Jahren, seitdem sind meine Koffer nach jedem Italien-Urlaub gefüllt davon. Von jener Freizeit habe ich noch etwas anderes mitgenommen – eine Freundschaft mit einer Hamburgerin, die immer wieder auf verblüffende Weise den gleichen Geschmack hat wie ich. Bei unserem letzten Treffen schwärmte sie dann plötzlich auch von den Sternenkeksen. Wenn das keine Seelenverwandschaft ist! may

Fingersalz aus Schweden: Feine Flocken

Schweden-Urlauber kennen das: Wer dort in einem der riesigen Supermärkte einkaufen geht, plant besser ein bisschen Zeit ein – das gigantische Sortiment will schließlich gründlich durchforstet werden. Auf einem dieser Fischzüge fanden wir Falksalt (Fingersalz): Salzflocken, die mit unterschiedlichen Kräutern oder Gewürzen aromatisiert sind. Die Sorten "Wild Garlic" und "Rosmarin" sind seitdem Dauergäste im heimischen Gewürzregal. Zarte Salzflocken, die in Zypern geerntet werden, werden von der schwedischen Firma Salinity verfeinert und in stylishe Plexiglasdosen mit Retro-Dekor abgefüllt. Der zarte Knusper mit dem Aromakick pimpt Salate ebenso wie Steaks oder Fisch oder Kartoffeln oder alles, was eine Prise Salz verträgt. ego

Rum von Mauritius: Traumhaft trinken

Besser als Mark Twain hätte man dieses Reisegefühl nicht ausdrücken können. "Man könnte auf die Idee kommen, dass zuerst Mauritius geschaffen wurde und dann der Himmel. Und dass der Himmel nur eine Kopie von Mauritius ist." Das Zitat steht prominent auf der Flasche Rum, die wir uns aus dem Urlaub von der traumhaften Insel mitgenommen haben. Und wenn wir uns an einem Sommerabend auf dem Balkon einen Schluck gönnen, kommt die Erinnerung zurück: an die Füße im weichen, weißen Sand, das türkisfarbene Meer, die zusammengewürfelte Reisegruppe, die wir waren und uns doch so gut verstanden, dass wir jeden Abend gemeinsam verbrachten. Green Island heißt der Rum, und der Name erinnert daran, dass die Insel so viel mehr war als ein Traumstrand: In Gedanken fahren wir noch einmal mit dem Fahrrad durch Tee- und Kaffeeplantagen, wandern auf die grünen Berge. Der Rum, den wir abends tranken, ist bald leer. Aber die Flasche wird im Regal stehen bleiben, als Erinnerungsträger an eine schöne Zeit. mbe

Herzhaftes aus Irland: Was für ein Pudding

Wer in Irland gefrühstückt hat, hält locker bis zum Abend durch. Spiegeleier und Speck, Bohnen und Frühstückswürstchen gehören dazu – und: Black and White Pudding. Kein Pudding im süßen Sinn, sondern zwei Wurstsorten. In der hellen Variante enthält sie viel Getreide, dazu Schweinefleisch, Fett und etwas Brot. Die dunklere Variante wird mit viel gekochtem Blut und Innereien zubereitet. Beide Wurstsorten sind kräftig gewürzt. Und beide bekommt man auch in hervorragend sortierten Lebensmittelläden in Deutschland nicht, man muss sie also selbst importieren, will man das Full Irish Breakfast hierzulande nachbauen. Der Vorteil: Bis zum Afternoon Tea braucht man keine Zwischenmahlzeiten. Isst man zu viel davon, passiert möglicherweise das, was einst ein Bed-and-Breakfast-Betreiber in Sligo nach einem Blick auf meinen leer gegessenen Teller mit einem feinen Lächeln im Gesicht prophezeite: "You’ll be doctor’s darling." to

Chilipaste aus Nordafrika: Schön scharf

Nordafrikanisches Essen ohne Harissa? Unvorstellbar! Die rote Paste aus frischen Chilis, Kreuzkümmel, Koriandersamen, Knoblauch, Salz und Olivenöl ist Nationalgewürz im Maghreb. Manche Nordafrikaner essen sie sogar als Brotaufstrich zum Frühstück – und machen sich einen Spaß daraus, unkundigen Touristen ohne Vorwarnung ein Stück Brot mit Paste zu reichen. Ganz schön gemein, bei einem Schärfegrad von knapp 40 000 Scoville (eine Peperoni hat 100 bis 500 Scoville). Mit anderen Worten: Harissa ist richtig, richtig scharf! Aber eben auch verdammt lecker, wenn das Taubheitsgefühl auf der Zunge erst mal nachgelassen hat. Harissa gibt es in gelben Tuben und Dosen im Supermarkt. Tipp: Einen Teelöffel Harissa unter die Tomatensoße rühren – für Pasta all’arrabbiata. hop

Die "Fette" aus Italien: Oh schwere Wurst

"La grassa" – "die Fette", so nennen die Italiener die Stadt Bologna. Sie liegt im sprichwörtlichen Bauch Italiens, der Emilia-Romagna. Wer wegen des Essens über die Alpen fährt, kommt an dieser Region nicht vorbei: Parma steht für Schinken und Käse, Modena für Essig und Bologna nicht nur für das Ragù, das in Deutschland den Namen der Stadt trägt, sondern vor allem für Mortadella. Die mit reichlich Speckwürfeln gespickte und bis zu 100 Kilogramm schwere Spezialität ist für Bologneser die Königin der Wurst und wird dort traditionell ohne Pistazien hergestellt. Bei der Salumeria Simoni (Via Pescherie Vecchie) in der prächtigen Bologneser Altstadt gibt es auch kleinere Portionen – eingeschweißt und perfekt zum Mitnehmen liegen sie dort im Schaufenster. Zu Hause am besten hauchdünn mit der Maschine schneiden. Passender Film dazu: "La Mortadella" mit Sophia Loren. rah

Exzellente Röstung aus England: Englands Bohne

Er galt lange Zeit als Albtraum eines jeden England-Urlaubers: der Kaffee. Die stolze Teetrinkernation – sie hatte einfach nichts übrig für die perfekte Bohne. Die Zeiten haben sich geändert: Seitdem britische Innenstädte von Coffeeshop-Ketten gesät sind wie sonst bestenfalls von Pubs, haben die Briten Interesse an gutem Kaffee entwickelt. Im malerischen Exmoor am Rande Somersets hat sich die kleine Rösterei DJ Miles mit einer Reihe exzellenter Röstungen einen Namen gemacht. Die fast schwarze Continental-Mischung für den Milchkaffee oder ein vollmundiger Cathedral Blend für den Filterkaffee zwischendurch – eine Tüte davon gehört auf die Einkaufsliste einer jeden Englandreise. mp

Deutsche Presse-Agentur dpa 11.08.2015
Deutsche Presse-Agentur dpa 10.08.2015
Deutsche Presse-Agentur dpa 07.08.2015