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Meinungen Christian Hiersemenzel zum Terrorschutz
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07:39 08.03.2019
Von Christian Hiersemenzel
Christian Hiersemenzel kommentiert den Vorstoß von Innenminister Hans-Joachim Grote. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Dem Innenminister ist schon mal Besseres eingefallen. Wenn Hans-Joachim Grote (CDU) Stadtmauern und feste Schutzwälle ins Spiel bringt, um unsere Weihnachtsmärkte und Volksfeste vor Terror zu schützen, muss man ihm zwar eine seriöse Absicht unterstellen. Angesichts mehrerer Vorfälle, bei denen irgendwelche Irren Fahrzeuge in Menschenmengen lenkten, liegt die Idee fester baulicher Hürden nah.

Aber mal ehrlich: Schon die Holstenköste auf dem Großflecken in Neumünster ist mit Mauern kaum zu schützen. Und bei der Kieler Woche, wo wir in der gesamten Stadt feiern, wird der Vorschlag vollends absurd. Unsere norddeutschen Stadtzentren sind nun mal keine Renaissance-Kleinode wie Siena mit seiner großen Piazza del Campo, die kreisförmig von Häusern umgeben und nur über schmale Gassen zugänglich ist. Ein Veranstalter hatte gestern ganz recht, als er ketzerisch fragte, ob die Landesregierung nun auch jedes Straßencafé einmauern wolle. Und was ist eigentlich mit Laternenumzügen?

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Grote versucht, eine Sicherheitslücke zu schließen. Leider müssen wir davon ausgehen, dass sich Terroristen gegebenenfalls andere Schlupflöcher suchen, auf die wir heute noch gar nicht kommen. Bis dahin dürfen die Städte getrost mit ihren mobilen Big Bags weiterarbeiten, wie sie zur Kieler Woche am Rande der Festmeilen aufgestellt werden. Das schöne Lübeck tüftelt gerade an Alternativen, die besser zum Stadtbild passen. Mauern und Stufen, die die Barrierefreiheit gefährden, dürften nicht dazu gehören.

Robert Michalla 06.03.2019
Christian Hiersemenzel 06.03.2019
Michael Kluth 06.03.2019