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Meinungen Christian Longardt zu den Todesfällen am UKSH
Mehr Meinungen Christian Longardt zu den Todesfällen am UKSH
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00:21 26.01.2015
Von Christian Longardt
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Die Materie ist kompliziert, und in der Tat gehören Todesfälle wegen multiresistenter Keime in deutschen Kliniken leider zum Alltag. Der jetzt in Kiel aufgetretene Keim war bisher aber noch nie am UKSH nachgewiesen worden, im Gegensatz zum Ausland. Dass die internistische Notaufnahme gesperrt werden musste, unterstreicht die besondere Brisanz. Und hier beginnt eine andere traurige Geschichte: Sie handelt von der Informationspolitik des UKSH, die am Freitag hart an Desinformation grenzte.

Da verschickt die Uniklinik am Mittag eine umfängliche Presseerklärung über das Auftreten des multiresistenten Bakteriums, spricht ausdrücklich von dem aus dem Mittelmeerraum nach Kiel verlegten Patienten – verliert aber kein Wort darüber, dass eben jener bereits gestorben ist. Unglaublich! Betroffene würden strikt isoliert, heißt es weiter – dass einige Betroffene da schon nicht mehr leben, wird ebenfalls verschwiegen. Erst als Journalisten nachfragen, gibt das UKSH die Toten zu, verweigert aber weitere Details. Als dann die ersten Meldungen online laufen, sieht sich der UKSH-Chef zu einer Pressekonferenz gezwungen. Dass dort die zuständige Ministerin Alheit fehlt, macht das Kommunikationsdebakel perfekt. Niemand darf sich wundern, wenn jetzt viele Fragen gestellt werden.

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