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Meinungen Christian Longardt zum Eklat um Gaschke
Mehr Meinungen Christian Longardt zum Eklat um Gaschke
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09:25 28.09.2013
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Erst die hoch emotionale und in Teilen befremdliche Verteidigungsrede im August vor dem Rat, als sie sich zu der Behauptung verstieg, die Opposition spiele ein Spiel, das Menschen zerstöre; dann der Vorwurf an die Medien, die den millionenschweren Steuer-Deal zum Thema machten, sie betrieben eine Kampagne gegen Gaschke persönlich und würden „aus Rache“ immer weiter berichten; und nun der vorläufige Gipfel der Affäre: die Anklage an die eigenen Parteifreunde in der Landesregierung, sie würden alte Rechnungen begleichen und Intrigen spinnen. Bei allem Respekt, Frau Oberbürgermeisterin, das geht zu weit!

Nach allem, was man weiß, hat Torsten Albig, übrigens studierter Jurist mit Schwerpunkt Steuerrecht, seiner Nachfolgerin vor zehn Tagen einen guten Rat mitsamt Argumentationshilfe für die anstehende Ratsversammlung gegeben. Diese Empfehlungen jetzt als Eingreifen in das Prüfverfahren des Landes umzudeuten, ist menschlich eine Unverschämtheit und politisch eine große Dummheit.

Denn der verbale Amoklauf wird nicht ohne Folgen bleiben. Im Wahlkampf waren die Reihen der Sozialdemokraten nach außen hin noch fest geschlossen; mit ihrem offenen Angriff auf den Ministerpräsidenten aber bringt Gaschke jetzt auch viele Genossen gegen sich auf – und diskreditiert sich selbst. Glaubt sie denn im Ernst, dass in der Kommunalaufsicht, die SPD-Innenminister Andreas Breitner untersteht, Erfüllungsgehilfen rachsüchtiger Politiker sitzen? Glaubt sie wirklich, dass man dort einer Susanne Gaschke persönlich schaden will? Nein, im Innenministerium sind Experten am Werk, die nüchtern Fakten überprüfen. Deren fachliches Urteil: Die millionenschwere Eilentscheidung war nicht in Ordnung. Punkt.

Aus diesem Ergebnis leitet sich nicht die Frage ab, ob die Kommunalaufsicht schiefliegt, sondern ob Gaschke in ihrem anspruchsvollen Amt überfordert ist. Ob die unerfahrene Verwaltungschefin mit ihrem ausgeprägten Selbstbewusstsein die richtigen Berater an ihrer Seite hat. Und wie diese Oberbürgermeisterin, so sie es denn bleibt, künftig denn noch vernünftig mit der Landesregierung zum Wohle der Stadt zusammenarbeiten will.

Susanne Gaschke steht nur zehn Monate nach ihrem Amtsantritt vor einem Scherbenhaufen. Die Schuld daran sollte sie nicht bei anderen suchen. Und die richtigen Konsequenzen kann nur sie allein ziehen.