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Meinungen Longardt: AKK hinterlässt schweres Erbe
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21:33 10.02.2020
Von Christian Longardt
Chefredakteur Christian Longardt kommentiert den Rückzug von CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Quelle: Ulf Dahl/Bernd von Jutrczenka/dpa
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Kiel

Nicht selten braucht es den Moments eines Rücktritts, um Wahrheiten auszusprechen. Annegret Kramp-Karrenbauer hat die mangelnde Abgrenzung von Teilen ihrer Partei zu Linkspartei und AfD als einen Grund für die Entscheidung angeführt, auf CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur zu verzichten - tags zuvor noch hatten ihr loyal verbundene Parteifreunde wie Paul Ziemiak und Peter Altmaier standhaft abgestritten, dass es in manchem Landesverband mit Blick auf die Rechtspopulisten an dieser Klarheit mangelt.

Mit Kramp-Karrenbauers Rücktritt ist der Triumph für die AfD nun komplett: Ein Täuschungsmanöver im Landtag von Thüringen hat gereicht, um ein Höchstmaß an bundespolitischem Schaden anzurichten. Sämtliche der so verhassten „Altparteien“ in hellem Aufruhr, FDP und CDU in der Krise, der Chef der Liberalen schwer angeschlagen, die Vorsitzende der CDU gar K.o., und in Talkshows geht sich die Elite des Landes gegenseitig an den Kragen. Man muss leider konstatieren: Eines ihrer wesentlichen Ziele, das etablierte Parteiensystem zu destabilisieren und vorzuführen, hat die AfD in diesen Tagen vortrefflich erreicht.

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AKK wäre auch ohne den Tabubruch von Thüringen wohl kaum Kanzlerkandidatin geworden, dafür fehlte es ihr letztlich an Format und Rhetorik, Geschick und Instinkt, Rückhalt und - in Erfurt wurde es überdeutlich - an der nötigen Führungsstärke. Dass sie nun von sich aus geht, beweist immerhin, dass es ihr an Selbsterkenntnis nicht mangelt. Den Respekt, der ihr allenthalben gezollt wird, hat sie sich verdient.

Angela Merkel trägt in mehrfacher Hinsicht Mitschuld an der Entwicklung. Zunächst: AKK war ihre Wunschkandidatin, die Kanzlerin hat die Fähigkeiten der Saarländern aber offenkundig überschätzt. Zudem hat Merkel den Rucksack der Nachfolgerin unnötig schwer gemacht, indem sie an ihrer Kanzlerschaft festhielt und so die Autorität der Nur-Vorsitzenden schwächte. Und letztlich hat Merkel durch die Verschiebung ihrer Partei nach links den Raum erst freigemacht für jene rechtspopulistischen Kräfte, die jetzt AKKs Sturz feiern.

Klare Kante gegenüber Rechtsextremisten, Fremdenhass und Rassismus, das muss Konsens aller Demokraten bleiben, natürlich auch innerhalb der CDU. Will die Union aber als Volkspartei an alte Erfolge anknüpfen, muss sie sich thematisch und programmatisch auch wieder verbreitern, um jene verlorenen Wähler anzusprechen, die sich auf Merkels Weg nach links nicht mitgenommen fühlen. Dazu passt keine Zusammenarbeit mit den Linken, so sehr sie sich in Thüringen anbietet, denn auch die Abgrenzung nach ganz links gehört zum Markenkern der Union. Zugleich muss die Partei koalitionsfähig mit SPD und Grünen bleiben, will sie sich alle Machtoptionen offenhalten.

So verstanden, verlangt die Führung der CDU am Anfang des 21. Jahrhunderts fast Übermenschliches. Wer auch immer AKK nachfolgt, er oder sie übernimmt ein schweres Erbe.

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