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Meinungen Christian Longardt zur Wahlbeteiligung
Mehr Meinungen Christian Longardt zur Wahlbeteiligung
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01:02 07.05.2018
Von Christian Longardt
Foto: Christian Longardt ist Chefredakteur der Kieler Nachrichten.
Christian Longardt ist Chefredakteur der Kieler Nachrichten. Quelle: Ulf Dahl
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Die Beteiligung an der Kommunalwahl, sie war trotz aller Appelle, trotz aller Aufrufe zum Mitmachen ein weiteres Mal enttäuschend. Frust über „die da oben“, Ärger über weit entrücktes Politik-Personal in Berlin oder Brüssel – die gängigen Begründungen fürs Fernbleiben ziehen nicht, wenn sich vertraute Gesichter aus der Nachbarschaft, allesamt Ehrenamtler, zur Wahl stellen.

Nun ist Wähler- oder Nichtwählerbeschimpfung noch nie besonders klug gewesen, das gilt auch nach der Kommunalwahl 2018. Es macht aber schon nachdenklich, wenn die Menschen heute im Internet pausenlos den Daumen nach oben oder unten halten, im bequemen Sessel beständig Dinge „liken“ oder missbilligen, der Gang ins Wahllokal aber für die Mehrheit der Anstrengung zuviel zu sein scheint. Vielleicht wird am Ende nur helfen, tatsächlich auch das Hochamt der Demokratie zu digitalisieren: Sofern in Zukunft ein sicherer Weg gefunden wird, von zu Hause aus sein Kreuz zu machen.

Wie immer galt auch die Wahl in Dorf und Kreis als Stimmungstest für die höhere Ebene, diesmal vor allem für Jamaika im Land. Verluste für die CDU, Gewinne für Grüne und FDP: In Summe können sich die Parteien der neuen Koalition durch das Ergebnis bestätigt fühlen. Mancher Landespolitiker hatte befürchtet, das Dreierbündnis könnte für den Kompromiss in Sachen Windkraft abgestraft werden. Auf der anderen Seite ist es den Windausbau-Gegner namentlich im Kreis Rendsburg-Eckernförde nicht gelungen, mit eben diesem Thema entscheidend zu punkten.

Daniel Günther kann mit dem Ergebnis für seine Union im Großen und Ganzen leben. Festzuhalten aber ist: Auch mit dem populären, fortschrittlich-liberalen Ministerpräsidenten an der Spitze bekommt die CDU in den beiden großen Städten des Landes kein Bein an Deck. Dagegen haben die Grünen allen Grund zur Freude – und dürften trotz ihres Triumphs mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blicken. Ihr großes Zugpferd ist bald weg, Robert Habecks naher Abschied tut mit Blick auf das starke Ergebnis gestern erst recht weh.

Größte Verliererin des Wahlsonntags ist aber die SPD, die nur ihre Bastionen in Kiel und Lübeck verteidigen konnte – ansonsten folgt das Ergebnis dem allgemeinen Abwärtstrend der Genossen. Wenn der Landesvorsitzende Ralf Stegner den Gegenwind aus Berlin beklagt, gegen den die SPD vor Ort habe ankämpfen müssen, dann unterschlägt er, dass es der Bundes-Vize Ralf Stegner war, der die Windmaschine selbst mit angeworfen hat. Die innerparteiliche Debatte um seine Zukunft im Land wird durch das schwache Resultat neue Fahrt aufnehmen. Ganz bitter für die SPD ist auch das Ergebnis in Flensburg, wo die Partei der Oberbürgermeisterin Simone Lange nach deren Ausflug in die Bundespolitik sogar noch hinter die Grünen rutschte.

Kommunalpolitik ist ein zähes Geschäft. Nach Feierabend bis in die Puppen über B-Pläne zu diskutieren, strengt an und kostet Nerven. Umso mehr hätten die Frauen und Männer, die sich in der Freizeit für ihren Ort engagieren, ein deutliches Zeichen der Wertschätzung verdient gehabt. Daher an dieser Stelle ein Dankeschön an alle, die am Sonntag zur Wahl gestanden haben. Meckern werden wir in den nächsten Jahren noch genug.

Christian Hiersemenzel 03.05.2018
Ulrich Metschies 03.05.2018
Martina Drexler 03.05.2018