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Meinungen Es brennt im Bauernland Schleswig-Holstein
Mehr Meinungen Es brennt im Bauernland Schleswig-Holstein
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19:49 14.11.2019
Von Christian Longardt
Tausende Bauern demonstrieren am Rande der Umweltministerkonferenz in Hamburg gegen Umweltauflagen für die Landwirtschaft. Dabei geht es unter anderem um den Schutz des Grundwassers sowie um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat. Quelle: Christian Charisius
Hamburg

Die meisten der Bauern, die am Donnerstag nach Hamburg getuckert sind, haben ja begriffen, dass es Zeit für eine Wende in der Landwirtschaft ist. Dass die Nitratbelastung des Grundwassers alarmierend hoch, der Insektenschwund beängstigend, der Handlungsbedarf unabweisbar ist.

Wenn sie dennoch frustriert und wütend sind, dann muss viel schief gelaufen sein in der Kommunikation zwischen ihren Interessenverbänden und den Politikern, die Jahrzehnte verlässliche Partner waren. Es brennt im Bauernland Schleswig-Holstein. Und die Landesregierung macht gegenwärtig nicht den Eindruck, das Feuer löschen zu können, sondern facht die Glut sogar noch an.

Schon vor der Landtagssitzung hatten CDU und Grüne verbal die Klingen gekreuzt, im Parlament ging es im Parlament munter weiter, nun auch noch unter Mitwirkung der FDP. Von Einigkeit der bisher weitgehend harmonischen Dreierbeziehung war wenig zu sehen, zum gegenseitigen Beifall rührte sich keine Hand. Der gesellschaftliche Konflikt um die Frage, wie eine ressourcenschonende, klimafreundliche Landwirtschaft der Zukunft aussehen sollte, hat auch die Jamaika-Koalition auseinanderdividiert.

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Die CDU ist traditionell die Bauernpartei; eine Politik, die sich mit den Landwirten anlegt, bringt die Basis in Aufruhr. Das weiß auch ein fortschrittlich tickender Parteichef wie Daniel Günther. Seine Balance-Aufgabe ist anspruchsvoll: einerseits die ländliche Klientel bei Laune zu halten, andererseits Maßnahmen zu initiieren und umzusetzen, die er klimapolitisch für richtig hält.

So einfach ist die Welt auf den Äckern nicht

So berechtigt die Kritik an den Fehlentwicklungen der modernen, industriellen Landwirtschaft, an Überdüngung und Massentierhaltung auch ist, so verständlich ist die Reaktion der Bauern, wenn sie als böse Buben karikiert werden, die EU-Milliarden einstreichen und skrupellos die Natur zerstören – so einfach ist die Welt auf deutschen Äckern nicht.

Viele bäuerliche Betriebe treiben angesichts ruinöser Preise Existenzsorgen um, sie fordern mit Recht, den Wandel so zu gestalten, dass ihnen unter neuen Bedingungen noch ein auskömmliches Wirtschaften möglich ist.

Politik sollte Landwirte ernst nehmen

Die Politik hat die Aufgabe, Lösungen zu finden, die den Frieden in der Gesellschaft wiederherstellen. Wer hätte dazu bessere Chancen als ein so breit angelegter Pakt wie Jamaika in Kiel? Dazu müssten die Hardliner in der CDU akzeptieren, dass die Grünen nicht nur Ideologen sind, sondern gute Argumente und umweltpolitischen Sachverstand mitbringen.

Die Grünen müssten einsehen, dass die Verzweiflung der Schäfer und die Ängste der Bauern Gründe haben und ernst zu nehmen sind. Die FDP sollte vermitteln, nicht weiter spalten. Ökonomie und Ökologie zu versöhnen, ist der Anspruch der Jamaika-Koalition.

Jetzt kann das Bündnis beweisen, dass es wirklich die Kraft hat, Brücken zu bauen und Gegensätze zu überwinden. Neue Wege in der Landwirtschaft, Schleswig-Holstein könnte sie finden.

Die Ergebnisse der Regionalanalyse zum Rechtsextremismus sind erschreckend – aber nicht überraschend. Was wir aus Studien über Erwachsene wissen, bestätigt sich hier für Schüler in siebten und neunten Klassen, sagt SH-Redakteurin Heike Stüben.

Heike Stüben 14.11.2019

Ein bisschen fühlen wir uns doch alle als Welten-Retter, wenn wir Altpapier und Glas zum Container bringen. Das schafft was weg. Das hilft dem Klima. Doch Zweifel kommen auf, wenn wir die Papp-Ummantelung vom Joghurtbecher trennen und den Aludeckel säubern. Die Realität bestätigt die Zweifel.

Ulrich Metschies 13.11.2019

Beeindruckend! Anders kann man das, was Jamaika gestern gemeinsam mit SPD und SSW hingezimmert hat, wohl kaum kommentieren. Schleswig-Holstein bekennt sich mit einem selten großen Wurf ohne Wenn und Aber zu seinem Uniklinikum, findet Christian Hiersemenzel.

Christian Hiersemenzel 12.11.2019