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Meinungen Sauberer Treibstoff hat seinen Preis
Mehr Meinungen Sauberer Treibstoff hat seinen Preis
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06:18 27.09.2019
Von Frank Behling
Die globale Schifffahrt steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer Geschichte. Ab dem 1. Januar 2020 dürfen Frachter, Tanker und Kreuzfahrer auf den Ozeanen nur noch Treibstoff ungefiltert verbrennen, der einen Schwefelanteil von höchstens 0,5 Prozent hat. Heute sind es in der Regel noch 3,5 Prozent. Quelle: Frank Behling
Kiel

Heute sind es in der Regel noch 3,5 Prozent. Das hatte die Weltschifffahrtsorganisation IMO 2016 nach jahrelangen Verhandlungen mit Mehrheit beschlossen. Die Verwendung des sauberen Kraftstoffes hat weniger die Klimabilanz im Blick, sondern die Gesundheit der Küstenbewohner. Schwefeldioxid reizt die Schleimhäute und kann zu Augenreizungen und Atemwegsproblemen führen.

Umweltverbände begrüßen die Neuregelung

Umweltverbände wie der Nabu sehen die Maßnahme als weiteren Schritt hin zu einer sauberen Schifffahrt. „Es handelt sich hier um eine weltweit geltende Verschärfung der Umweltvorschriften“, sagt Sönke Diesener, Referent Verkehrspolitik beim Nabu. Die Naturschützer verweisen auf die sehr positiven Auswirkungen durch die strenge 0,1-Prozent-Regel beim Schwefel, die seit Jahren auf Nord- und Ostsee sowie in den Gewässern der USA und Kanadas gilt. „Auch hier sind alle zuvor geäußerten Befürchtungen überhaupt nicht eingetreten. In der Ostsee waren die Bedenken damals groß, Verkehr könnte auf die Straße verlagert werden. Das ist aber nicht eingetreten“, sagt Diesener.

Lesen Sie auch: Kommentar: Frank Behling über Schiffsschweröl

Hohe Kosten für Reedereien

Gedämpfter ist die Sicht bei den großen Containerreedereien. So rechnet Jörg Erdmann, Umwelt-Direktor bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, für 2020 mit Mehrkosten von rund einer Milliarde Euro. Die Containerreederei hat 235 Schiffe. „Wir erwarten, dass die Kundschaft den ökologischen Mehrwert erkennt und sich an den Kosten beteiligt“, so Erdmann. Die Masse der weltweit 5200 Containerschiffe fährt zurzeit mit Schweröl (Schwefelgehalt von 3,5 Prozent). Ab nächstem Jahr dürfen nur noch Schiffe mit einer Abgasreinigung (Scrubber) diesen Kraftstoff nutzen. Alle anderen Schiffe dürfen nur noch Schweröl mit niedrigem Schwefelgehalt (0,5 Prozent) verwenden. Die Alternative sind außerdem Marinedieselöl oder Marinegasöl mit weniger als 0,1 Prozent Schwefel.

Weltweit müssen Raffinerien umgestellt, Lager angepasst und Lieferketten neu geordnet werden. Analysten gehen deshalb von Mehrkosten für die Schifffahrt zwischen 40 und 80 Milliarden Euro pro Jahr aus – je nach der Entwicklung des Ölpreises. Weltweit werden derzeit zwischen 200 und 220 Millionen Tonnen Schweröl für die 51000 Handelsschiffe benötigt.

"Positive Aspekte für Volkswirtschaft"

„Das sind große Zahlen. Heruntergerechnet auf den einzelnen Container sind es aber Cent-Beträge, die darin transportierte Waschmaschinen oder T-Shirts teurer würden“, so Nabu-Mann Diesener. Im Gegenzug habe der reduzierte Ausstoß von Schwefeldioxid aber auch positive volkswirtschaftliche Aspekte. „Durch die bessere Luftqualität reduzieren sich auch die Kosten für die Gesundheitssysteme, da deutlich weniger Menschen mit Atemwegserkrankungen behandelt werden müssen.“ Modell-Rechnungen gehen davon aus, dass die Zahl an vorzeitigen Todesfällen weltweit um 40000 sinken könnte.

Insgesamt geben sich die deutschen Reeder aber entspannt. „Hapag-Lloyd lag beim Schwefel schon 2018 freiwillig deutlich unter dem zulässigen Höchstwert. Die Luft auf hoher See und an den Küsten wird im kommenden Jahr damit deutlich sauberer“, sagt Erdmann.

Dem Klima hilft es nicht

Dem Klima ist mit der Reduzierung des Schwefels noch nicht geholfen. Hier sind völlig neue Verfahren zur Abgasnachbehandlung und Treibstoffe wie LNG, Bio-Gas oder synthetische Öle erforderlich. „Eine gute mittelfristige Lösung könnte der Umstieg auf LNG sein. Das testen wir jetzt und rüsten 2020 als erste Linie ein Schiff für 30 Millionen Dollar um“, so Erdmann. Beim Klimaschutz soll die Handelsschifffahrt laut IMO bis 2050 den CO2-Ausstoß halbieren. „Bis Ende des Jahrhunderts soll die Schifffahrt emissionsfrei sein“, so Erdmann.

Ab dem 1. Januar dürfen auf Schiffen nur noch Schweröle mit einem Schwefelanteil von maximal 0,5 Prozent verbrannt werden - das sorgt für Ärger bei den Reedern. Warum das dennoch alles gar nicht so schlimm sein muss, sondern vielmehr auch eine Chance darstellt, erklärt KN-Autor Frank Behling in seinem Kommentar.

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