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Meinungen Heike Stüben zu den Pflegekosten
Mehr Meinungen Heike Stüben zu den Pflegekosten
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06:00 07.09.2019
Von Heike Stüben
Schleswig-Holstein-Redakteurin Heike Stüben. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Dass ein Platz im Pflegeheim kontinuierlich teurer wird, sind Heimbewohner und ihre Angehörigen gewohnt. Doch seit gut einem Jahr erleben immer mehr Menschen, dass die Entgelte in schwindelerregende Höhen klettern. Schleswig-Holsteiner müssen für einen Heimplatz im Schnitt 1679 Euro zahlen. Je nach Heim werden auch mal 2600 Euro oder sogar noch mehr fällig. Mit gravierenden Folgen.

Das finanzielle Dilemma, in dem sich immer mehr Pflegebedürftige befinden, hat die große Koalition in Berlin 2017 bewusst in Kauf genommen. Der Druck war zu stark, die Schwächen der Pflegeversicherung waren offensichtlich geworden: zu wenige Leistungen für Demenzkranke, zu wenig Betreuung im Pflegefall, zu geringe Bezahlung für die Altenpflege.

Bund ging bei Pflege den leichtesten Weg

Doch anstatt den Patienten Pflegeversicherung gründlich zu untersuchen, ging man den leichtesten Weg: Man erweiterte die Pflegeleistungen, bezahlte die Pflegekräfte etwas besser – und bürdete die Kosten dafür den Pflegebedürftigen auf. Das, was die Pflegeversicherung zahlt, wurde eingefroren. Seither müssen die Bewohner jede Leistungsverbesserung, jede Tariferhöhung beim Personal allein tragen. Doch das können immer mehr Menschen nicht stemmen.

Die Folgen sind oft dramatisch: Denn noch werden die Angehörigen zur Kasse gebeten – ein Graus für viele Pflegebedürftige. Heime berichten von Fällen, in denen Heimplätze wieder abgesagt werden, Menschen sogar wieder ausziehen und irgendwo in einer Wohnung vor sich hin vegetieren, damit die Kinder finanziell nicht belastet werden. Und ja, es gibt Fälle, in denen Menschen bis zum Letzten gehen und sich deshalb das Leben nehmen. Man kann sie nur bitten durchzuhalten, denn ab 2020 müssen die Angehörigen nur noch bezahlen, wenn ihr Einkommen mindestens 100.000 Euro im Jahr beträgt.

Die Hilfe zur Pflege wird massiv steigen

Doch damit enden die Probleme nicht. Denn wenn die Kinder nicht zahlen, muss das Sozialamt einspringen. Allein in Kiel sind schon 1700 Pflegebedürftige auf diese Hilfe zur Pflege angewiesen. Diese Zahl wird massiv steigen – das räumt zumindest der schleswig-holsteinische Sozialminister offen ein.

Und auch seine Schlussfolgerung ist richtig: Die Pflege muss anders finanziert werden, die Pflege muss wieder für die Bedürftigen bezahlbar und kalkulierbar werden. Da ist auch der Bund gefragt und muss sicherstellen, dass das Geld auch in der Pflege landet und nicht der Profitmaximierung dient.

40 Prozent der Pflegekräfte gehen in Rente

Die Zeit drängt. Denn einerseits führen steigende Lebenserwartung und die Rentnergeneration der geburtenstarken Jahrgänge dazu, dass immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen sind. Andererseits gehen in den nächsten 15 Jahren auch 40 Prozent der Pflegekräfte in Rente. Dabei fehlen schon jetzt Kräfte: 37 Prozent der Heime mussten 2018 Betten leer lassen, weil nicht genug Personal da war.

Natürlich ist das P-Schild am Großflecken nur ein Symbol, denn zwölf Parkplätze mehr oder weniger fallen in der Innenstadt nicht wirklich ins Gewicht. Aber es ist ein richtiges Signal.

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