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Meinungen In der Kieler CDU knirscht es gewaltig
Mehr Meinungen In der Kieler CDU knirscht es gewaltig
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08:00 08.06.2019
Von Michael Kluth
Michael Kluth über die Kieler CDU. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Der 15. Juni 2019 ist ein wichtiger Tag in der Kieler Kommunalpolitik. Dann entscheiden drei Parteien über ihre Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 27. Oktober. Ein CDU-Parteitag soll den vom Parteivorstand vorgeschlagenen Mettenhofer Ortsverbandsvorsitzenden Andreas Ellendt (55) nominieren. Kreismitgliederversammlungen der Grünen und der Linken wollen am selben Tag erst darüber befinden, ob sie überhaupt eigene Kandidaten gegen Amtsinhaber Ulf Kämpfer (SPD) aufstellen.

Wenden wir uns also einstweilen der CDU zu – und dem innerparteilichen Hintergrund der Personalie Ellendt.

Veritabler Machtkampf

Relativ einheitlich wird in der Kreispartei die Information bestätigt, dass der Vornominierung von Ellendt ein veritabler Machtkampf zwischen dem CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Stritzl und dem Kieler Landtagsabgeordneten Tobias Loose vorausgegangen ist.

Dem 34-Jährigen werden Ambitionen auf den CDU-Kreisvorsitz nachgesagt. Er bestreitet sie nicht, äußert sie aber auch nicht öffentlich. Stritzl seinerseits möchte Kreisvorsitzender bleiben. Das sagt er auch öffentlich. Eine der Begründungen dafür nennt nicht Stritzl, sie wird aber in der CDU kolportiert: Der heute 61-Jährige wolle sich aus dieser Position heraus 2021 wieder um das Bundestagsmandat im Wahlkreis Kiel/Altenholz bewerben. 2013 bis 2017 gehörte der Rechtsanwalt schon einmal dem Deutschen Bundestag an.

Plötzlich gab es zwei Kandidaten

In dieser Ausgangslage ließ Loose sich nach längerem Widerstand breitschlagen, als Oberbürgermeisterkandidat bereitzustehen. Etwa zur selben Zeit war indes in Andreas Ellendt die Überlegung gereift, seinen Hut in den Ring zu werfen. Ob Stritzl den Lehrer dazu ermuntert hat – mit dem Ziel, Loose zu verhindern –, darüber gibt es in der CDU unterschiedliche Vermutungen. Stritzl selbst bestreitet das mit dem Argument, er hätte Loose ja gern genommen.

Jedenfalls war der Kreisvorsitzende offenbar der Einzige, der vor der Vorstandssitzung am 9. Mai von beiden Möglichkeiten wusste. In der Sitzung spitzte sich die Sache zu. Zur Überraschung aller, auch der beiden, gab es plötzlich zwei mögliche Kandidaten – für kurze Zeit.

Teilnehmer berichten, sehr schnell habe Loose seine Bereitschaft zugunsten von Ellendt zurückgezogen – nach Ansicht seiner Kritiker viel zu schnell. Etwas weniger erleichtert dürfe ein Christdemokrat schon sein, nicht als Oberbürgermeister kandidieren zu müssen. Zumal eine Kandidatur des aufstrebenden Jungpolitikers selbst mit dem Risiko einer Niederlage bei der OB-Wahl vielen strategisch plausibel erschien: Der junge Mann, der seit seiner Hochzeit am vergangenen Donnerstag Tobias von der Heide heißt, hätte sich in Kiel einen Namen machen und in sechs Jahren noch einmal antreten können, heißt es. Stritzl wiederum wird intern vorgeworfen, dass er dessen Rückzug ohne Not öffentlich gemacht habe.

Die Vorstandswahl ist verschoben

Die Frage nach dem Kreisvorsitz ist übrigens nun noch keineswegs beantwortet. Die Kieler CDU hat die Vorstandswahl auf November verschoben – nach der OB-Wahl, zu der die Partei noch Geschlossenheit zeigen will. Erwartet wird, dass Stritzl und von der Heide dann gegeneinander antreten. Nach dem Wahlkampf ist vor dem Machtkampf.

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