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KN-Leserbriefe Die Pflicht und die Freiheit in Corona-Zeiten

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11:30 26.11.2021
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Das vor wenigen Wochen abgebaute Corona-Impfzentrum im Stena-Terminal wird jetzt wieder aufgebaut. Frank Jahns, Lutz Riesner, Christian Hapke, Hanjo Böning und Günter Jahns (von links) wollen dafür sorgen, dass ab Montag dort wieder geimpft wird.
Das vor wenigen Wochen abgebaute Corona-Impfzentrum im Stena-Terminal wird jetzt wieder aufgebaut. Frank Jahns, Lutz Riesner, Christian Hapke, Hanjo Böning und Günter Jahns (von links) wollen dafür sorgen, dass ab Montag dort wieder geimpft wird. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Auch unsere Leserinnen und Leser sind uneins: Manch einer sieht in der Impfung das wirksamste Instrument, um größtmögliche Freiheit zu erzielen, andere fühlen sich als Ungeimpfte mit der täglichen Testpflicht schikaniert.

Die vernünftige Mehrheit muss sich unvernünftigem und für andere gefährlichem Verhalten beugen

Auch Geimpfte können den Virus übertragen, stimmt. Und deswegen müssen auch sie getestet werden? Stimmt nur unter der Annahme, dass es viele Ungeimpfte gibt, die sich unter die Menge mischen oder zur Arbeit kommen. Denn Geimpfte zeigen in aller Regel – bis auf hoch Vulnerable – nur milde Symptome und kein Long-Covid. Geimpfte sollten sich also wegen der Ungeimpften, die schwer erkranken können, testen lassen? Wo ist da die Logik? Ungeimpfte (die, die sich nicht impfen lassen wollen) zeichnen sich immer wieder durch bemerkenswerten Egoismus aus. Angesichts der eindeutigen Faktenlage pro Impfung habe ich noch kein vernünftiges Argument gegen die Impfung gehört.

Es ist sicher nicht ok, Impfverweigerer zu beschimpfen, allein schon, um sich nicht auf eine Stufe mit manchen von ihnen zu stellen. Es reicht aber wirklich, dass eine große vernünftige Mehrheit sich unvernünftigem und für andere gefährlichem Verhalten beugen muss. Es war ganz offensichtlich ein Fehler, dass Politik von Anfang an eine Impfpflicht ausgeschlossen und sich damit das wirksamste Instrument, dass einen größtmöglichen Schutz und größtmögliche Freiheit zur Folge hätte, selbst aus der Hand geschlagen hat. Geht damit endlich vernünftig um, und gebt nicht Weihnachtsmärkte für 3G frei, um sie dann zwei Wochen vor Weihnachten zu schließen!

Stefan Rix, Kiel

Welch eine Schikane!

Bis jetzt hat es wunderbar geklappt, dass sich bei mir bei der Arbeit alle, geimpft oder ungeimpft, in letzter Zeit sogar täglich getestet haben.

Jetzt müssen sich die Ungeimpften täglich in einer Teststation testen lassen, was auch bei den Geimpften Empörung auslöst. Warum müssen sich die Geimpften nicht testen lassen, obwohl sie Corona genauso gut übertragen können?

Meine nächste Teststation war heute zufällig geschlossen. Da ich kein Auto besitze und nicht ohne Test mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren darf, ergibt sich das erste Problem.

Des Weiteren kann man morgens gar nicht einschätzen, wie lange man wohl warten muss, bis man getestet werden kann, so dass man eventuell deutlich verspätet zur Arbeit kommt. Am Abend muss man manchmal so lange arbeiten, dass die Teststationen schon geschlossen sind. Also: Überstunden nehmen? Krankschreiben lassen? Nicht testen lassen und nicht zur Arbeit dürfen und die Kündigung riskieren?

Nachher sind noch die Ungeimpften Schuld, dass so viele Kosten durch die Testungen entstehen. Sind wir aber nicht, das ist die Politik. Ich wäre auch bereit, wie sicher viele andere, meine Selbsttests persönlich zu kaufen und bei der Arbeit anzuwenden. Ich gehe gerne zur Arbeit. Aber nicht unter diesen Umständen.

Ulrike Schmeling, per Mail

Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt, soll der Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant, im 18. Jahrhundert gesagt haben. Aufklärung gab es genug. Jetzt braucht es für die Zeit der Bekämpfung der Pandemie, deren Ende maßgeblich durch Impfverweigerer verzögert wird, eine Impfpflicht – zumindest für einzelne Berufsgruppen.

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Doch noch weitaus überzeugender polemisierte der dialektische Materialist Friedrich Engels im „Anti-Dühring“ gegen den reaktionären Freiheitsbegriff, knapp zusammengefasst in dem Leitsatz „Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit“: „Nicht in der geträumten Unabhängigkeit von den Naturgesetzen liegt die Freiheit, sondern in der Erkenntnis dieser Gesetze, und in der damit gegebenen Möglichkeit, sie planmäßig zu bestimmten Zwecken wirken zu lassen. Freiheit des Willens heißt daher nichts andres als die Fähigkeit, mit Sachkenntnis entscheiden zu können.

Steffen Derner, Schwentinental

Versprechen ohne Garantie

Mit der doppelten Impfung sind wir sicher, hieß es im Frühjahr. Im Herbst muss eine Booster-Impfung dazukommen, um sicher geschützt zu sein. Herr Spahn vergleicht Impfstoffe mit Mercedes und Rolls Royce. So weit ich weiß, geben diese Firmen eine Garantie auf die Produkte, wie jeder ordentliche Handwerker.

Bei den Impfstoffherstellern wird Kasse gemacht auf Kosten der Allgemeinheit und Versprechen ohne Garantie gegeben. Eigentlich müssten sie die Booster-Impfung gratis liefern. Wahrscheinlich schließen das die Verträge aus. Schuld sind die inzwischen geächteten Ungeimpften. Ich bin jetzt dreimal geimpft und gespannt, wann die nächste sichere Impfung kommt.

Alfred Mey, Kiel

Finde den Fehler!

Kiel hat gerade die bisherige Spitzenzahl an Corona-Infizierten (555 am 26. und 27. Dezember 2020) eingestellt. Die Inzidenz ist schon seit dem 9. November auf neuen Rekordwerten. Damals war allgemeiner Lockdown. Und heute machen wir bei höheren Werten Weihnachtsmarkt? Ohne Zugangsbeschränkung? Also ohne Abstand. Ohne 2G oder 3G, nur mit Maske? Finde den Fehler!

Michael Hammer-Kruse, Molfsee

Impfplicht? Dann bitte für alle

Mein Entsetzen darüber ist grenzenlos, dass nun wieder diejenigen, die ohnehin schon während der gesamten Pandemie – und vorher natürlich auch – am stärksten „den Rücken gerade machen“ müssen, jetzt auch noch zur Impfpflicht gezwungen werden sollen. Für alle anderen gilt: Weiter wie bisher, und Impfpflicht bis dato mehr oder weniger ausgeschlossen? Klatschen, ungenügende Honorierung, schlechte Dienstzeiten, mangelnde Anerkennung (obwohl gerne anders formuliert), viel zu wenige Kräfte vor Ort, offensichtlich reicht es noch nicht.

Und genau für die, die wir alle jetzt und in Zukunft wohl am meisten brauchen: Auch noch eine Impfpflicht. Hallo, Politik: Welche wieder einmal nicht nachvollziehbare Entscheidung trefft Ihr als nächstes, um auch noch die letzten unverwüstlichen Pflegekräfte zu vergraulen? Impfpflicht – ja oder nein – dann aber doch bitte für alle.

Monika Goldbaum, Kiel

Regeln für das Zusammenleben

Allgemeine Impfpflicht – akzeptieren oder auch nicht. Allgemeine Pflichten wie Impfpflicht, Anschnallpflicht, Meldepflicht oder Schulpflicht sind kein Zwang, sondern Regeln für das Zusammenleben. Man kann diese Pflichten ablehnen. Das geht nach den Regeln unserer Demokratie. Dafür muss man Strafen in Kauf nehmen. Die sind der Preis für die Freiheit, sich von der Mehrheit zu isolieren, um anders leben zu wollen.

Klaus Vaupel, Borby Eckernförde

Weit und breit kein Ordnungsdienst

Meine Frau und ich waren heute auf dem Kieler Weihnachtsmarkt. An einem Punsch-Stand war ein Anmelde-Code angebracht und wir haben eingecheckt. Von den Gästen vor dem Stand wurden wir nur komisch angesehen. Wir haben dann gehört, dass sich keiner von den Gästen eingecheckt hat. Als der Punsch leer war, haben wir uns wieder ausgecheckt. Warum hängt da der Code zum Einchecken, wenn keiner es macht?

Auch war die ganze Zeit kein Ordnungsdienst auf dem Platz zu sehen. Wir glauben, das Personal sollte jetzt lieber die Coronaregeln kontrollieren statt Parksündern Strafzettel an die Scheibe zu klemmen. Unser aller Gesundheit geht vor.

Bernd Bejschowetz, Kiel

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