Kommentar - Anne Holbach: Versetzung gefährdet
Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Meinungen Anne Holbach: Versetzung gefährdet
Mehr Meinungen

Kommentar - Anne Holbach: Versetzung gefährdet

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:29 15.01.2021
Von Anne Holbach
Anne Holbach kommentiert die Rücktrittsforderungen um Karin Prien.
Anne Holbach kommentiert die Rücktrittsforderungen um Karin Prien. Quelle: Ulf Dahl / Christian Charisius/dpa
Anzeige
Kiel

Wenn Bildungsministerin Karin Prien wie die Schüler in Kürze ein Halbjahreszeugnis bekommen würde, wäre ihre Versetzung wohl gefährdet. Seit Monaten steht sie immer wieder in der Kritik. Die Eltern verlieren die Geduld, weil das Distanzlernen nicht richtig klappt. Die Schulen sind genervt, weil die Ansagen aus dem Ministerium teilweise so missverständlich sind, dass sie nicht wissen, wie sie sie umsetzen sollen.

Dass die SPD nun Priens Ablösung fordert, ist da ein typischer Beißreflex der Opposition. Nachdem im vergangenen Jahr oft demonstrativ Einheit der Parteien im Kampf gegen die Corona-Bedrohung propagiert wurde, kommt der Wahlkampfmodus jetzt in Fahrt. Trotz Pandemie befinden wir uns in einem Bundestagswahljahr. Im Kern hat Serpil Midyatli mit ihrer Kritik trotzdem recht.

Prien hat zuletzt nicht die beste Figur gemacht. Dass sie, wie sie es selbst gerne ausdrückt, „auf Sicht“ fuhr, kann ihr keiner vorwerfen. Die Infektionszahlen entwickelten sich dynamisch, oft musste nachjustiert werden. Nicht immer lag es aber daran, dass sie sich innerhalb kürzester Zeit korrigieren musste.

Beim Abi lehnte sie sich 2020 zu weit aus dem Fenster, als sie sich erst für eine Absage aussprach und dann doch alles anders kam. Den Abiturienten schrieb sie danach sogar einen Entschuldigungsbrief. Nun waren es wieder die Abschlussklassen, die sie in Aufruhr brachte, weil sie unpräzise Aussagen machte, wie deren Unterricht aussehen soll. Wenn Prien ein besseres Zeugnis möchte, muss sie konsistenter kommunizieren.

Florian Hanauer 15.01.2021
Thorsten Geil 15.01.2021
Alexander Hahn 14.01.2021