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Meinungen Kristian Blasel zum Theodor-Heuss-Ring
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06:00 13.07.2019
Von Sven Hornung
KN-Lokalchef Kristian Blasel.
KN-Lokalchef Kristian Blasel. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Im Dezember überraschte sie die Öffentlichkeit mit der Idee, eine Fahrspur für Diesel-Fahrzeuge zu sperren. Das war zwar kreativ und rechnerisch durchaus nachvollziehbar. Aber es bescherte Kiel zugleich die Eintrittskarte für die Satire-Sendungen dieser Republik.

Verkehrsströme lassen sich nur begrenzt vorhersagen

Sieben Monate später gibt es nun den ausdrücklichen Wunsch, den Vorschlag zurückzuziehen. Beflügelt wurde der Kurswechsel vor allem durch die massiven Proteste der Gewerbetreibenden jenseits der gesperrten Zufahrten, die glaubhaft um ihre Existenz bangen. Seit Freitag ist klar: Der OB hat verstanden. An einer Idee festzuhalten, die nicht einmal den Rückhalt von grünen Landespolitikern genießt, wäre politischer Irrsinn gewesen.

Das Beispiel Stormarnstraße zeigt aber auch: Verkehrsströme lassen sich nur begrenzt vorhersagen. Am Ende bestimmt der Autofahrer, welche Umleitung er nimmt – nicht immer im Sinne der Umwelt und schon gar nicht im Sinne der Geschäftswelt. Es lässt sich derzeit nur erahnen, wie groß der Protest würde, wenn das Umweltministerium auf der Sperrung des Waldwiesenkreisels beharrt, die offiziell noch nicht vom Tisch ist.

Luftfilteridee hat sich im Testbetrieb bewährt

Der Stadt Kiel fällt es jedoch auch deshalb leicht, sich dem Widerstand zu beugen, weil sie eine Alternative hat, die im Jahr 2018 noch nicht mehr als eine Hoffnung war. Die Luftfilteridee hat sich im Testbetrieb bewährt. Es gibt plötzlich die Möglichkeit, Stickoxidwerte zu senken, ohne Autofahrer und lokalen Handel zusätzlich quälen zu müssen. Das ändert nichts daran, dass mittel- und langfristig der Autoverkehr reduziert werden muss.

Auf wesentlich wackligeren Beinen als der Luftfilter-Plan steht dagegen die Rechnung der Stadt, mit „appellativen Maßnahmen“, Jobticket und Mobilitätswende die Situation auf der Stadtautobahn zu entschärfen. Das Ticket, das Autofahrer zum Umsteigen motiviert, gibt es bislang nur in den Köpfen einiger Entscheider – durchgerechnet ist es noch lange nicht. Weil es für die Nutzer billig sein muss, wird es für die öffentliche Hand teuer. Es stehen noch lange Verhandlungen mit vielen Unternehmensspitzen an, damit es am Ende die Breitenwirkung erzielt, die nötig ist. Und dass Autofahrer angesichts der aktuellen Ängste ums Klima freiwillig auf Touren verzichten, ist zunächst nur ein frommer Wunsch.

Ulf Kämpfer ist zur Konfrontation bereit

Ulf Kämpfer zeigt erneut, dass er für das große Ziel, das Fahrverbot zu verhindern, zur Konfrontation bereit ist. Deutlich droht er dem grünen Minister, notfalls das nötige Einvernehmen für den Luftreinhalteplan zu verweigern. Er weiß: Die Richter in Schleswig werden nur gnädig sein, wenn Stadt und Land gemeinsam einen Plan vorlegen. Am Geld wird das nicht scheitern. Dafür ist der Druck zu groß, der von Wirtschaft und Autofahrern ausgeht.

Christian Hiersemenzel 12.07.2019
Anne Holbach 12.07.2019
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