Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Meinungen Marina Kormbaki zur Balkan-Krise
Mehr Meinungen Marina Kormbaki zur Balkan-Krise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:44 04.08.2015
Von Marina Kormbaki

Sondern ein Aufbruch, ein Exodus: Zu Zehntausenden verlassen Kosovaren, Bosnier, Serben und Mazedonier ihre Heimatländer. Es gehen diejenigen, ohne die kein Staat zu machen ist: die Jungen, die Gebildeten, die Zupackenden. Und es gehen diejenigen, die nichts mehr zu erwarten haben in den von Korruption und Clanwirtschaft gelähmten Staaten des Westbalkans, kein Almosen und schon gar kein Mitleid: die Roma.

Auswanderung funktioniert in schwierigen Zeiten wie ein Ventil: Sie nimmt Druck raus aus dem Krisenkessel, mildert die Folgen von Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen. Jedenfalls solange die Ausgewanderten in der Ferne bleiben, dort Jobs haben und Geld schicken an die Daheimgebliebenen. Einem Gutteil der auf Asyl hoffenden Balkanemigranten ist ein Leben in der Diaspora jedoch verwehrt. Sie werden zurückgeschickt. Man ahnt, welche Folgen dies zum Beispiel im Kosovo haben kann, wo jeder Zweite unter 25 ist, wo es kein Geld zu verdienen gibt, außer man ist mit Politik befasst, mit Heroin- oder Frauenhandel. Was das Pulverfass Balkan zurzeit erlebt, ist eine Explosion in Zeitlupe.

Der Massenexodus aus dem Balkan wirft unangenehme Fragen auf. Wie konnte die Entwicklung der Nachfolgestaaten Jugoslawiens trotz der beispiellos hohen Zuwendungen aus Brüssel und Washington so dermaßen schief laufen? Zweifellos haben die Europäer viele Fehler gemacht, haben allzu leichtfertig den Versprechen lokaler Eliten Glauben geschenkt oder waren, leider kein Einzelfall, selbst in dubiose Geschäfte verwickelt.

Die mafiösen Strukturen sind ein wichtiger Grund für den Niedergang. Sie allein erklären jedoch nicht die massenhafte Auswanderung. Grund sind auch der Fall der Rohstoffpreise, in dessen Folge Minen reihenweise schließen mussten, und die Euro-Krise. Es waren vor allem griechische Banken, die sich im Westbalkan engagierten und nun pleite sind. Jetzt sinken die Staatseinnahmen, die Arbeitslosigkeit steigt. Dem drohenden Staatsbankrott versuchen die Regierungen durch Kürzungen im ohnehin mickrigen Sozialbudget zu entkommen, was vor allem Roma trifft.

Die Lage auf dem Balkan ist eine Gefahr für den Frieden in ganz Europa. Berlin weiß das. Daher hat Deutschland die Führung in der europäischen Westbalkan-Politik übernommen. Doch mit Regierungskonsultationen allein ist es nicht getan. Nötig sind Investitionen in Infrastruktur. Autobahnen, Telekommunikationsleitungen und Pipelines sind die Voraussetzung für die Anbindung des Balkans an europäische Standards. Der Rückstand darf nicht größer werden.

Mehr zum Thema

Der SPD-Fraktionschef und -Landesvorsitzende Ralf Stegner hat sich dafür ausgesprochen, auch im kommenden Winter aus humanitären Gründen Asylbewerber nicht abzuschieben. „Ich denke, dass es erneut ein entsprechendes Moratorium geben wird“, sagte Stegner. Dies habe man in der Koalition vereinbart.

Patrick Tiede 28.07.2015

Flüchtlinge warten in Schleswig-Holstein deutlich länger auf die Entscheidung über ihren Asylantrag. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beträgt die Verfahrensdauer 7,9 Monate. In keinem anderen Bundesland ist die Verfahrensdauer so lang.

Deutsche Presse-Agentur dpa 22.07.2015

In vielen Bundesländern sind die Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge völlig überfüllt. Das stellt auch die Kommunen vor wachsende Probleme. Die Länder verteilten die Flüchtlinge wegen ihrer eigenen Überlastung vorschnell auf die Städte und Gemeinden, sagte die Präsidentin des Deutschen Städtetages, Eva Lohse, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Deutsche Presse-Agentur dpa 16.07.2015

In der „Spiegel“-Affäre tat sich laut Konrad Adenauer ein „Abgrund von Landesverrat“ auf. Es waren ernste Zeiten damals, 1962. Viele erschraken, als der damalige Kanzler das düstere Wort mit „L“ aussprach: Landesverrat.

KN-online (Kieler Nachrichten) 04.08.2015

Die Landespolizei steht vor einer großen neuen Aufgabe. Sie soll alle Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge schützen. Dafür hat der Innenminister zwar zusätzliche Kräfte zugesagt und auch entsprechende Schritte eingeleitet. Bis die allerdings auf den Dienststellen ankommen, wird viel Zeit vergehen.

Bastian Modrow 04.08.2015

Kiel und Lübeck sollen dichter zusammenrücken. Zumindest per Bahn ist mit dem Ausbau der eingleisigen Bahnstrecke eine deutliche Erleichterung für Pendler in greifbarer Nähe. Binnen weniger als einer Stunde von der Landeshaupt- in die Hansestadt zu gelangen, das wäre ein Fortschritt für das Land und eine echte Alternative, aus Zeit- und Stressgründen vom Auto auf die Bahn umzusteigen.

Bastian Modrow 04.08.2015