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Meinungen Pro und Kontra zum Tempolimit auf der A7
Mehr Meinungen Pro und Kontra zum Tempolimit auf der A7
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22:12 15.05.2019
Soll es ein Tempolimit auf der A7 in Schleswig-Holstein geben? Quelle: Carsten Rehder
Kiel

Pro Templimit von Christian Hiersemenzel: Ein Tempolimit kann Leben retten

Auf Deutschlands Straßen herrscht Krieg. Jedenfalls das Recht des Stärkeren. Wer regelmäßig im Kleinwagen zwischen Kiel und Hamburg unterwegs ist und sich ab und an zum Überholen auf die ganz linke Spur traut, muss sehr auf der Hut sein, dass er nicht binnen weniger Sekunden von irgendeinem PS-Protz zur Seite geschoben wird, frei nach dem Motto: Ich habe für meine Karre sehr viel mehr Geld bezahlt.

Um nicht missverstanden zu werden: Gegen schöne Autos ist genauso wenig einzuwenden wie gegen zügiges Fahren. Im dichten Straßenverkehr jedoch, und der scheint auf der A7 leider immer zu herrschen, hat Geschwindigkeit ihre Grenzen. Es ist nicht angemessen, dass einige testosterongesteuerte Alpha-Männchen ungehindert ihrem Ego-Trip frönen dürfen. Hier muss der Staat eingreifen.

Tempo 130 ist auf deutschen Autobahnen die Richtgeschwindigkeit. Wer jetzt behauptet, dass die Beschränkung darauf der Untergang des Abendlandes wäre, hat nicht den Ernst der Lage erkannt. Oder einen Dauerplatz in einer Limousine gepachtet, die ihn gegen seine Umwelt abpuffert.

Je schneller die Geschwindigkeit, desto höher der Spritverbrauch und in Folge der CO2-Ausstoß: Mathematisch ist es so einfach. Noch wichtiger erscheint der Sicherheitsaspekt. Es geht um Menschenleben, und jeder Unfalltote ist einer zu viel.

Zur Wahrheit gehört leider dazu, dass zum Tempolimit, das in den meisten europäischen Ländern längst gilt, auch eine Sanktionierung gehört. Die Polizei sollte nicht nur blitzen, sondern endlich auch Drängler in die Schranken verweisen. Das diszipliniert – und schafft Frieden.

Kontra von Tanja Köhler: Besser wäre ein flexibles Leitsystem

Tempo 130 dauerhaft auf der A7 vom Bordesholmer Dreieck bis Hamburg? Bitte nicht. Ein Limit verringert keine Staubildung. Die eintönige Fahrweise führt nur dazu, dass Fahrer ihr Großhirn abschalten und die Zahl der Unfälle zunimmt.

Gegen das im Landtag kontrovers diskutierte Tempolimit sprechen aber noch weitere Gründe: Zum einen ist die A7 so konzipiert worden, dass sie ohne Beschränkungen befahrbar ist und der Lärm sich in Grenzen hält. Zum anderen sinken durch ein Tempolimit die CO2-Emissionen nur marginal. Schätzungen zufolge um maximal 0,3 Prozentpunkte – bei 130km/h. Autos, die generell weniger verbrauchen oder auf alternative Antriebe setzen, würden mehr helfen, Klimaziele zu erreichen.

Effektiver wäre auch, die Zahl der Staus zu reduzieren. Etwa durch ein flexibles Verkehrsleitsystem an der A7. Wenn die Situation es erfordert, könnte die Geschwindigkeit temporär auf 60 oder 80 km/h angepasst werden. So bleibt der Verkehr im Fluss. Auch bei Unfällen, Bauarbeiten oder wenn ein Gegenstand von der Straße geholt werden muss, würde sich dieses System auszahlen.

Dass höhere Geschwindigkeiten auf der Autobahn nicht verkehrt sind, zeigt ein Blick nach Dänemark. Als unsere Nachbarn das Limit von 110 auf 130 km/h erhöht haben, sank die Zahl der Verkehrstoten auf den niedrigsten Stand seit 1950 – und das, obwohl fast alle Experten einhellig eine Zunahme prognostiziert hatten.

Diesen Mut, sich gegen Tempo 130 auszusprechen, wünsche ich auch den Entscheidern im Bund. Denn das Land kann bei Autobahnen nichts beschließen.

Mehr dazu:

Kieler LandtagGrüne wollen Tempolimit auf der A7

Von KN-online

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