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Meinungen Kristian Blasel zum Luftreinhalteplan
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22:19 17.12.2018
Von Kristian Blasel
Foto: Kristian Blasel
Kristian Blasel ist Chef der Lokalredaktion Kiel der Kieler Nachrichten Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Denn die damit einhergehende Umleitung über die Alte Lübecker Chaussee würde das Problem nur verlagern und den Anwohnern dort den Dreck vor die Fenster pusten, ohne die Lage rund um die Messstation nachhaltig zu verbessern. Die ökonomischen Schmerzen, die ein Diesel-Durchfahrtverbot der Landeshauptstadt bereiten würden, wären zudem enorm. Schon jetzt hat die Dauerdebatte über Kiels Südumfahrung die Wirtschaft tief verunsichert.

Mildere Variante zum Fahrverbot

Die Verwaltung der Landeshauptstadt hat daher eine mildere Variante präsentiert, die jedoch nur mit viel gutem Willen sympathischer wirkt. Der Plan garantiert zwar weiterhin freie Fahrt für alle Fahrzeuge. Er bedeutet aber zwangsläufig eine massive Zusatzbelastung für die innerstädtischen Umleitungsstrecken. Wenn bald sämtliche Lastwagen, die aus Skandinavien kommen, über Gablenzbrücke und Ziegelteich zur Autobahn 7 geleitet werden, droht in den Stoßzeiten ein Verkehrschaos – mit all den Auswirkungen auf die Luftverschmutzungen und das Unfallrisiko, die sich dadurch zwangsläufig ergeben. Zudem ist noch lange nicht ausgemacht, dass die vorgeschlagene Spurverlagerung für Dieselfahrzeuge in Richtung Eckernförde reibungslos funktioniert. Schon heute scheppert es am Theodor-Heuss-Ring regelmäßig. Wenn ab dem Ostring das muntere Linkseinfädeln beginnt, wird die Zahl der Unfälle vermutlich weiter steigen.

Richtig ist der Ansatz, die vielen Zu- und Ausfahrten im Problembereich der Stadtautobahn zu reduzieren und so im Zusammenspiel mit einem verschärften Tempolimit das Unfallrisiko zu senken. Man fragt sich nur: Warum hat die Stadt sich nicht schon viel früher dafür stark gemacht? Die Schritte sind auch losgelöst von der Schadstoffproblematik sinnvoll und werden hoffentlich ebenfalls umgesetzt, wenn das Ministerium völlig neue Ideen einbringt.

Fehler schon in der Vergangenheit

Im Zusammenhang mit dem Theodor-Heuss-Ring sind die Fehler in der Vergangenheit gemacht worden. Land und Stadt haben lange ignoriert, wie sich die Stickoxid-Situation dort zuspitzt und gutgläubig gehofft, mit technischen Fortschritten in der Automobilindustrie das Problem aussitzen zu können. Die Kieler Infrastruktur ist dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen außerdem schon lange nicht mehr gewachsen.

Vor diesem Hintergrund geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Die Vorschläge der Stadt sind plausibel. Sie bleiben aber das Ergebnis einer Abwägung zwischen Möglichkeiten, die alle keine Jubelstürme auslösen dürften. Am Ende zählt allein, ob die Messwerte wieder in den erlaubten Bereich sinken können. Davon müssen Ministerium und Gericht überzeugt sein. Nur dann bleibt Kiel ein Fahrverbot erspart. Garantiert ist das noch lange nicht.

Florian Hanauer 17.12.2018
Christian Longardt 15.12.2018
Niklas Wieczorek 15.12.2018