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Meinungen Christian Longardt zu Holstein Kiel
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07:32 23.05.2018
Von Christian Longardt
Chefredakteur Christian Longardt schreibt über die Kraft des Fußballs. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Holstein hat ein Fußball-Märchen geschrieben, leider eines ohne Happy End. Ein Märchen, das man im modernen, durch und durch kommerzialisierten Profigeschäft kaum noch für möglich gehalten hätte. Ein Verein mit schmalem Etat, langer Tradition und einem in die Jahre gekommenen Stadion, der dem Geld und Größenwahn viel Herz und Hingabe entgegensetzt – das war eine Elf-Freunde-Geschichte für Fußball-Romantiker.

In und um Kiel war dieser Tage zu spüren, welche Kraft der Volkssport Nummer eins zu entfalten vermag. Wie eine Stadt, eine ganze Region zusammenrückt, ja: wie Stolz auf den eigenen, den lokalen Verein wächst und auch jene erfasst, die den Höhenflug der Störche bisher nur aus dem Augenwinkel beobachtet haben.

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#Kielsteigtauf hat weiterhin Berechtigung

#Kielsteigtauf – das Motto unserer Online-Aktion hat seine Berechtigung auch über den Tag der Niederlage hinaus. Denn tatsächlich hat die Landeshauptstadt dank ihrer erfolgreichen Fußballer enorm an Ansehen gewonnen, weit mehr, als es jede teure Image-Kampagne gekonnt hätte. Wer an Kiel denkt, hat jetzt neben Hafen und Kanal, neben Schiffen, Strand und THW mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 im Sinn. Einen Klub, dessen Zweitliga-Team für ehrlichen, frischen, mutigen und gepflegten Angriffsfußball steht. Von wegen Holzbein Kiel – wer beim „Werner“-Comic noch herzhaft lachte, spricht heute von Holstein voller Respekt und Anerkennung. Deutschlandweit wird der Außenseiter von der Ostsee als bodenständig und sympathisch wahrgenommen. Kurzum: Die Spieler sind zu besten Botschaftern unseres Bundeslandes geworden.

Liga eins, das war eine große Chance, die vielleicht so schnell nicht wiederkommt. Deshalb war es richtig, dass alle Beteiligten diese Gelegenheit beim Schopfe packen wollten. Liga eins, das wäre aber für den Verein auch ein Risiko gewesen – und für den Klub mit seiner derzeitigen Struktur und Infrastruktur möglicherweise auch eine Nummer zu groß. Die Stadiondebatte war über weite Strecken unfair, weil da ein kleiner, aufstrebender Verein für seinen Erfolg bestraft werden sollte. Gleichwohl hat das Thema auch offenbart, wo noch Defizite liegen. Eine neue Gästetribüne erst bis Sommer 2018 anzukündigen, dann aber erst ein Jahr später fertig zu bekommen – das konnten die Liga-Oberen nicht gutheißen.

In der neuen Saison kommt es nun darauf an, die sportliche Leistung zu stabilisieren. Das wird schwer genug, wenn der Erfolgstrainer, wertvolle Spieler und vielleicht auch der Manager gehen. Niemand sollte also erwarten, dass sich das Wunder wiederholen wird. Holstein selbst wird bescheiden und demütig bleiben. Und Kiel darf sich auf großartige Derbys freuen. HSV gegen KSV, das ist mehr als ein Trost. Die Kraft des Fußballs

Ulf Billmayer-Christen 23.05.2018
Kristian Blasel 21.05.2018
Bastian Modrow 21.05.2018