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Meinungen Christian Longardt zur SPD
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08:02 23.04.2018
Von Christian Longardt
KN-Chefredakteur Christian Longardt Quelle: Ulf Dahl
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Da ist das Stimmergebnis zunächst einmal zweitrangig: Die Wahl von Andrea Nahles ist für die Partei von August Bebel, Kurt Schumacher und Willy Brandt allemal eine historische Wegmarke.

 Die erste Vorsitzende übernimmt die SPD in einer Phase tiefer Verunsicherung. Im Osten vielfach schon von der AfD überflügelt, im Westen nur noch knapp vor den Grünen: Das zweitschönste Amt nach dem Papst hat viel von seinem einstigen Glanz verloren. Es sagt einiges aus über den gegenwärtigen Zustand der Partei, wenn eine unbekannte Kommunalpolitikerin vom nördlichsten Zipfel Deutschlands aus dem Stand heraus mehr als jeden vierten Delegierten für sich gewinnen kann. Nur 66 Prozent für Nahles, das ist die Quittung der Basis für eklatantes Führungsversagen in den vergangenen Monaten.

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 Die Kandidatur von Simone Lange kam aus heiterem Himmel, und es gab nicht wenige Genossen, die diese Bewerbung für anmaßend hielten. Tatsächlich wäre der Bundesvorsitz eine Nummer zu groß gewesen für die forsche Flensburgerin, deren Erfahrungsschatz naturgemäß begrenzt ist. Gleichwohl imponierte der Mut der Außenseiterin, der man ein feines Gespür für die Stimmung ihrer Partei bescheinigen muss. Sie hat erkannt, wie viel Unmut die erste Reihe mit einer haarsträubenden Fehlerkette vor und nach der Bundestagswahl erzeugt hat – und wie groß die Sehnsucht nach neuen, frischen Gesichtern ist, die glaubwürdig für einen Neuanfang stehen.

 Andrea Nahles steht nun vor der Herkules-Aufgabe, einerseits die zerrissene Partei zusammenzuführen und andererseits verlorenes Vertrauen bei den Wählern zurückzugewinnen. Die haben noch im Ohr, wie Nahles die Union mal mit kindischen („Bätschi“), mal mit peinlich-derben Tönen („in die Fresse“) bedachte. Das ist für die Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands definitiv der falsche Stil. Auch innerparteilich wird sich die Lautsprecherin der SPD zügeln müssen, will sie die Gräben in der Partei schließen. Zwei Drittel Zustimmung, das entspricht dem Ergebnis beim GroKo-Mitgliederentscheid – das kritische Drittel in den Erneuerungsprozess einzubinden, wird für Nahles zur großen Herausforderung.

 SPD und CDU, Grüne und Linke – bei allen etablierten Parteien stehen nun Frauen an der Spitze. Fehlen nur noch die Liberalen, auf deren Chefsessel seit 1948 ausschließlich Männer Platz genommen haben. So smart Christian Lindner auch ist: Auf dieses Alleinstellungsmerkmal würden die meisten Frauen in der FDP sicher gern verzichten.

Frank Behling 21.04.2018
Christian Hiersemenzel 20.04.2018
Ulrich Metschies 20.04.2018