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Meinungen Christian Longardt zur Wiedervereinigung
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18:14 03.10.2019
Von Christian Longardt
KN-Chefredakteur Christian Longardt Quelle: Ulf Dahl
Kiel

3. Oktober? 9. November? Nein, für unsere Kollegen von der "Leipziger Volkszeitung" ist der 9. Oktober der Tag aller Tage. Jener 9. Oktober vor 30 Jahren, als 70.000 Mutige über den Ring um die Innenstadt zogen, "Wir sind das Volk" skandierend. Als SED-Zeitung hatte eben jene LVZ Tage zuvor noch gegen Unruhestifter und "gewissenlose Elemente" Stimmung gemacht, doch die Staatsmacht ließ die Demonstranten gewähren – es war die entscheidende Niederlage des sozialistischen Regimes und der Anfang vom Ende der DDR.

Mut verbindet: Das Motto des Kieler Einheitsfestes hätten wohl auch die friedlichen Revolutionäre von damals unterschrieben.

Mehr zum Einheitsfest in Kiel

Der Liveblog zum Nachlesen.

Der Fall der Mauer ohne einen Schuss, ohne jedes Blutvergießen war ein großes Glück, mehr noch: Es war ein Wunder, das nur mit der besonderen historischen Situation im Herbst 1989 erklärbar ist. Dass dieses Wunder noch drei Jahrzehnte später und gerade jetzt eine große Feier wert ist, ein Bürgerfest mit Hunderttausenden aus der ganzen Republik, zeigt ein Blick auf die beunruhigende Entwicklung in den beiden großen kommunistischen Diktaturen.

Protest in Hongkong hätte Unterstützung aus Deutschland verdient

China hat sich zu einem wirtschaftlichen Giganten entwickelt und währenddessen die systematische Unterdrückung seines Volkes perfektioniert, auch mithilfe digitaler Technologie; die Freiheitsbewegung in Hongkong wird vor den Augen der Weltöffentlichkeit brutal niedergeknüppelt – und hätte gerade aus Deutschland mehr Unterstützung verdient, als die zögerliche Bundesregierung zu geben bereit ist. In Moskau gehen Tausende junger Leute trotz massiver Repression auf die Straße und demonstrieren für das, was hierzulande selbstverständlich ist: Versammlungsfreiheit, Redefreiheit, Pressefreiheit. Der russische Staat antwortet mit harter Hand und Schlagstock. Glasnost und Perestroika, das ist Geschichte.

Einigkeit und Recht und Freiheit – was die Hymne der Deutschen proklamiert, haben die Mutigen von Leipzig für das ganze Land erstritten. Doch die Einigkeit hat hässliche Risse bekommen, Ost und West haben sich schon mal besser verstanden. Mehr als die Hälfte der Ostdeutschen fühlt sich laut jüngstem Einheitsbericht als Bürger zweiter Klasse, knapp die Hälfte ist eher unzufrieden mit der Demokratie, und nicht mal 40 Prozent halten die Wiedervereinigung für gelungen. Im Westen schaut man derweil mehr oder minder fassungslos auf die Wahlergebnisse der AfD. Einer Partei, die Putin hofiert, Migranten diffamiert und deren Anhänger laut Umfrage der "Märkischen Allgemeinen" zu einem guten Drittel sogar der Meinung sind, in der DDR sei das Leben insgesamt doch besser gewesen. "Wir sind das Volk" – sogar der legendäre Freiheitsruf wird inzwischen von rechtsextremen Freiheitsfeinden missbraucht. Ausgerechnet dort, wo der Aufstand begann.

Einheitsfest in Kiel und die Wirklichkeit

Das Einheitsfest in Kiel war prima, die Ländermeile, das Rahmenprogramm, die Stimmung, sogar das Wetter. Das Land wirklich zu einen, bleibt aber eine große Herausforderung.

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Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Das Jubiläumsfest findet in Kiel statt - und die Stadt feiert groß. Für das Millionenpublikum werden sogar viele Läden geöffnet. Doch daran regt sich auch Kritik. So einen Tag kann man aber auch ohne Konsum begehen.

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