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Meinungen Ulrich Metschies zum Verkauf der HSH-Nordbank
Mehr Meinungen Ulrich Metschies zum Verkauf der HSH-Nordbank
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21:03 28.02.2018
Von Ulrich Metschies
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Kiel

Fakten statt bleierner Unsicherheit: Sie können schmerzen, doch sie machen es oft auch leichter, den Blick in die Zukunft zu lenken. So gesehen war dieser 28. Februar 2018 im Trauerspiel um die HSH Nordbank zwar kein guter Tag, wohl aber ein Tag, dem man Gutes abgewinnen kann.

Vor allem darf es als Erfolg gewertet werden, dass die Länder rund eine Milliarde Euro erlösen für eine Bank, die mancher vor nicht allzu langer Zeit noch mit einem Euro für überteuert gehalten hatte. Positiv ist auch, dass keine weiteren Schrottkredite auf die Länder übertragen werden – was in Milliardenhöhe möglich gewesen wäre. Vor allem jedoch ist die gestrige Vertragsunterzeichnung die Grundlage dafür, dass die einstige Länderbank weiterbestehen kann. Die Risiken einer Abwicklung wären unabsehbar, der Verlust von Arbeitsplätzen und Kaufkraft gerade für die Region Kiel schwer zu verschmerzen.

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Dennoch ist es kein Wunder, dass das Mienenspiel von Daniel Günther und Olaf Scholz gestern im Landeshaus mehr an Trauerfeier denken ließ als an die Bekanntgabe eines erfolgreichen Milliardendeals. Klar, alles hätte noch schlimmer kommen können. Oder in der Sprache des Hamburger Bürgermeisters: „Das Gespenst ist noch da, aber jetzt ist es eingesperrt.“ Doch diese Sicht darf nicht den Blick dafür trüben, dass die Länder vor einem riesigen Scherbenhaufen stehen. Der Deal mit Cerberus, Flowers und den drei weiteren Finanzinvestoren mag dafür sorgen, dass kein neues Porzellan zerdeppert wird. Aber er präsentiert einer phasenweise so renditesüchtigen wie überforderten Politik auch die Quittung für einen 15 Jahre währenden Ausflug in die große Bankenwelt, in dessen Verlauf Werte in unvorstellbarem Ausmaß vernichtet wurden. Wie soll man sich über eine Milliarde freuen, wenn die Länder nun zusammen knapp sechs Milliarden an die Bank überweisen müssen für den bislang noch nicht ausgezahlten Teil ihrer 2009 übernommenen Garantie? Ja, der Schaden ist so oder so da, doch jetzt treibt er auf einen Schlag die Schulden eines Landes hoch, das ohnehin schon gewaltige Probleme hat, seine Schulen vernünftig auszustatten und seine Verkehrsinfrastruktur vor dem Verfall zu bewahren.

Und dann werden wir unseren Kindern noch erklären müssen, warum eine einst dem Wohl der Region verpflichtete Landesbank künftig einem Investor wie Cerberus gehört, der sich mit der Remington Outdoor Company einen der größten Waffenhersteller Amerikas gesichert hat, und der, wie die Übernahme der Sicherheitsfirma DynCorp zeigt, auch militärische Einsätze in Krisengebieten für ein lohnendes Investment hält.

Auch wenn der gestrige Tag mehr Klarheit gebracht hat: Für die Landtagsabgeordneten, die diesen Deal noch absegnen müssen, bleiben viele Fragen offen.

Christian Hiersemenzel 27.02.2018
Florian Hanauer 27.02.2018
Frank Behling 26.02.2018