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Meinungen Martina Drexler zum Kieler Bauboom
Mehr Meinungen Martina Drexler zum Kieler Bauboom
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22:47 07.07.2016
Von Martina Drexler

Alte Feuerwache, Schlossquartier, im Herbst der Baubeginn für den Kleinen Kiel-Kanal, neue Hotels am Bootshafen, Büro-Gebäude: Im Wochentakt kommen inzwischen die Einladungen zur Grundsteinlegung, zum Spatenstich, zu Richtfesten in der Innenstadt. Niedrige Zinsen, die Hoffnung auf das sogenannte Betongold und die Prognosen auf eine wachsende Einwohnerzahl haben gerade in Kiel einen wahren Bauboom ausgelöst. Die Investoren, die man früher lange suchen musste, haben Kiel als attraktiven Standort entdeckt.

Über die Jahre war man schon misstrauisch geworden, wenn mühsam gefundene Investoren Pläne für die Entwicklung eines attraktiven Areals präsentierten. Das galt auch für die Hörn. So mag man kaum glauben, dass es nach vielen Jahren Stillstand, Irrungen und Wirrungen jetzt tatsächlich den notwendigen Schub für ein neues Quartier an der Förde geben könnte. Längst hat sich die ehemalige Industriebrache zu einer Top-Adresse entwickelt, die aber dringend neue Impulse und Belebung braucht. Frühere hochfliegende Pläne für Wohnungen und Arbeitsplätze in der Kai-City lösten sich in Luft auf. Auch die Idee einer Bietergemeinschaft, ein Quartier aus einem Guss zu entwickeln, scheiterte. Seitdem hat sich zwar vieles verbessert, loben Anwohner das Umfeld, aber es fehlen attraktive – und bezahlbare – Wohnungen, Gastronomie und Gewerbe. Und genau das könnte ab 2018 Wirklichkeit werden.

Kompliment an die Projektgemeinschaft, in der sich auch Konkurrenten zusammenschlossen: Sie hat die Gunst der Stunde erkannt, sehr schnell gehandelt und sich mit der Stadt gut abgestimmt. Nicht nur wegen des günstigen Zinsniveaus, sondern auch weil die regionalen Unternehmen sich vor Ort auskennen und um das riesige Entwicklungspotenzial rund um die Förde wissen, gingen sie die ungewöhnliche Partnerschaft ein. Jeder für sich allein hätte das Projekt nicht schultern können. So aber bieten gerade die Vielfalt der Gruppe – von Genossenschaften bis zum Privatinvestor – und die Verpflichtung gegenüber der Stadt vielfältige Chancen. Mündet das gemeinsam entwickelte Konzept wie erwartet in einen Kaufvertrag, könnten an der Hörn tatsächlich Wohnungen für alle Bevölkerungsgruppen und ein lebendiges Quartier mit Strahlkraft bis nach Gaarden hinein entstehen. Dazu muss es den Akteuren allerdings gelingen, die gesamte Fläche zu entwickeln. Und nicht nur das. Der Bund der zehn Investoren könnte sich im Erfolgsfall zum Vorbild für weitere Projekte in Kiel und Region mausern. Nur eins darf in der Baueuphorie jetzt nicht vergessen werden: An die Hörn gehört eine ansprechende Architektur. Von einfallslosen Betonklötzen hat Kiel nämlich wahrlich mehr als genug.

So sehr sich Ralf Stegner auch bemüht, cool zu wirken: In Sachen Gottesformel steht der SPD-Chef unter Druck. Der neue, übrigens kluge Kompromissvorschlag zur Verfassungsänderung stammt von ihm.

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