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Leserbriefe: Streit um Osterruhe-Regelung

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17:58 25.03.2021
Von Susanne Färber
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die umstrittene Osterruhe-Regelung überraschend gekippt und sich bei den Bürgern entschuldigt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die umstrittene Osterruhe-Regelung überraschend gekippt und sich bei den Bürgern entschuldigt. Quelle: Michael Kappeler
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Nur das disziplinierte Verhalten jedes Einzelnen kann die Lösung sein

Süffisante und pseudokenntnisreiche Bemerkungen zur Entschuldigung der Bundeskanzlerin tragen weder zum besseren Verständnis noch zur Bewältigung der Krise bei. Zeitdruck durch sich schnell ändernde Verhältnisse machen laufende Anpassungen erforderlich. Verzeihbare Fehler können dabei passieren, wenn man bereit ist, sie zu korrigieren und daraus zu lernen. Wie wäre es, wenn statt ständigem Mosern mal die positiven Momente im Bekämpfen der Pandemie dargestellt und damit ein wenig Zuversicht hervorgerufen würden. Stetes Polarisieren ist meines Erachtens angesichts der Ernsthaftigkeit der Gesamtsituation wenig zielführend. Fest steht doch, dass nur das disziplinierte Verhalten jedes einzelnen Bürgers die Lösung neben Corona-Tests und Impfungen sein kann. Sind die bisherigen Appelle an die Vernunft nicht erfolgversprechend, muss ein gesetzlich geregelter harter Lockdown sein. Das Virus trifft auch diejenigen, die immer noch nicht begreifen wollen, wie ernsthaft die Lage ist.

Lesen Sie auch: Günther: Osterruhe nicht nur Merkel-Fehler

Der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz bezüglich des Einschränkens von Grundrechten ist unter normalen Umständen oberstes Prinzip jeglicher Entscheidung und des Handelns. Krisenzeiten wie jetzt erfordern stringentere Maßnahmen. Deshalb wäre es wünschenswert, das Hauptaugenmerk bei der Bekämpfung der Pandemie auf die Verhinderung von Infektionen zu richten, das heißt Verhinderung von Kontakten, Anordnung von Quarantäne, Testen und Impfen. Ein unabhängiges Gremium, bestehend aus beratenden Wissenschaftlern und kompetenten politischen Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen, sollte zeitlich befristet überparteiliche Vorschlagskompetenz für künftige politische Entscheidungen erhalten. Das würde zu mehr Transparenz und Verständnis verhelfen. Und eine Kanzlerin müsste sich nicht mit Vorwürfen auseinandersetzen müssen, deren Ursache bei vielen mitwirkenden Köchen zu suchen ist.

Karla Franke, Heikendorf

Wir müssen unser behäbiges Handeln überwinden

Wir brauchen mehr politische „Hemdsärmlichkeit“ Auch wenn die Rücknahme der „Osterruhe“ großen Respekt zollt, kann der uneitle, sympathische Pragmatismus Merkels nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bundeskanzlerin in unserem föderalistischen System bei der Pandemiebekämpfung nur die Rolle einer "Frühstücksdirektorin" einnimmt. Gesundheitsschutz ist Ländersache und jede Landesregierung schlägt je nach Infektionslage den Weg des geringsten Widerstands ein. Der Bund zahlt (zu langsam und zu bürokratisch), die EU besorgt den Impfstoff (viel zu langsam und chaotisch) und die Bundesländer legen die tatsächlichen Einschränkungen für das Alltagsleben mit immer größeren regionalen, oftmals absurden Abweichungen fest. Zugleich sieht man, wie in anderen, demokratischen Ländern durch eine unorthodoxe „Hemdsärmlichkeit" die gigantischen Probleme im Kampf mit der Pandemie zu bewältigen sind: Effektive Ausgangs- und Reisesperren (USA, Großbritannien, Italien) zur Unterdrückung der Ausbreitung, schnelle Impfstoffherstellung und -beschaffung (USA, Großbritannien, Chile, Israel), individuelle Kontaktverfolgung unter Einschränkung des Datenschutzes (Israel, Großbritannien, Südkorea), unbürokratische Auszahlung von finanziellen Hilfen an alle (USA), Selbst- und Schnelltests für alle (Österreich, Tübingen!). Wir müssen sehr schnell unsere behäbige, bürokratische Herangehensweise an diese Krise aufgeben, wenn wir in körperlicher und wirtschaftlicher Hinsicht gesund in unser altes Leben zurückkehren wollen. Nur wenn wir unseren Hochmut und unsere Selbstgewissheit des vergangenen Jahres hinter uns lassen, wird dieser Alptraum so schnell wie möglich enden. Von den anderen lernen sowie flexibel und energisch umsetzen ist jetzt die Devise!

Robert Theel, Kiel

Sie wissen nichts vom echten Leben

Die Zurücknahme der Ruhetage über Ostern zeigt eindeutig, dass diese Menschen in Berlin aber auch gar nichts vom echten Leben wissen. Man blickt gespannt auf die Bundestagswahl, ob das Wahlvolk diese realitätsfremden, politischen Eliten aus der Regierungsverantwortung jagt. Ich befürchte leider nicht.

Guido Zander, Brügge/Holstein

Das ist Größe!

Respekt! Ein Mensch, der Fehler eingesteht und sich aufrichtig dafür entschuldigt, beweist Reflexionsvermögen und Verantwortungsbewusstsein für sein Handeln. Das ist Größe! Diese menschliche Errungenschaft habe ich bisher in der Politik noch nie erlebt. Kein Amt lässt einen Menschen unfehlbar werden. In einer Welt der „perfekten Schauspielerei“ gehört dazu Mut und zeugt vom eigenen Anspruch an sich selbst.

Mathias Grewin, Kiel

Kleines Ostergedicht

Man hoffte, dass zum Weihnachtsfest

die Pandemie sich stoppen lässt.

Doch nicht genug: Zu Ostern jetzt

hat man sich wiederum verschätzt.

Nun freue ich mich auf Pfingsten

nicht im geringsten.

(Frei nach Heinz Erhardt)

Norbert Holst, Kiel

Leserbriefe zum Thema Vereinbarung von Impfterminen

Kann man so mit alten Menschen umgehen?

Das Corona-Impfanmeldechaos geht weiter: Ich (73 Jahre, Gruppe 2) habe am 23. März einen telefonischen Impftermin um 16 Uhr vereinbaren wollen. Kam nach einiger Wartezeit auch durch. Mir wurde dann gesagt, die Gruppe 2 wäre noch nicht dran und ich solle um 17 Uhr wieder anrufen. Das habe ich getan, aber um 17 Uhr gab es keinen Termin mehr. Kann man so mit alten Menschen umgehen? Ich werde mich in Zukunft an diesen Windhundrennen nicht mehr beteiligen.

Rüdiger Gelfert, Flintbek

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Menschenunwürdig und extrem frustrierend

Als abgewiesener Impfwilliger frage ich mich hier ebenfalls, wie es sein konnte, dass bereits schon nach 50 Minuten alle Impftermine vergeben waren, hatte ich mich doch rechtzeitig um kurz vor 16 Uhr im „Countdown“ auf der Webseite angemeldet. Nach dem Durchlaufen der Warteschlange begann dann - wie bisher - das bekannte „Impf-Roulette“, bei dem dann jeder angeklickte Termin als „soeben vergeben“ gemeldet wurde. Ich halte dieses Vergabeverfahren für eine Zumutung; eine solche „Wildwest-Manier“ ist einfach menschenunwürdig und extrem frustrierend. Vor allem, wenn dann noch hinzukommt, dass wer den schnelleren Computer, das schnellere Internet oder die meisten Computer hat, gewinnt! Ich wünsche mir sehnlichst für die zukünftigen Impftermine diesen Unsinn zu beenden und die Vergabe durch Benachrichtigung in Zusammenarbeit mit den Hausärzten zu organisieren, damit derartig offensichtliche Ungerechtigkeiten unterbleiben. Den Organisatoren und Programmierern daher für ihre Gesamt-Leistung: „Runde“ null Punkte

Thomas Nagel, Schwentinental

Neues Spiel, neues Glück

Pünktlich um 16 Uhr reihten wir - meine Frau, 68 mit Vorerkrankung, ich, gerade 70 geworden - uns am Dienstag in die Warteschlange der Impfwilligen ein. Um 17.01 Uhr kam die Meldung „151062“(!!) Nutzer vor Ihnen. Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, gaben wir nicht auf, verließen die Warteschlange nicht und schauten ab und zu gebannt auf die sich stetig verringernden Zahlen der Schlangestehenden. Um 17.48 Uhr – die Warteschlange hatte sich immerhin auf 8518 Nutzer reduziert - dann die Nachricht „Leider sind alle verfügbaren Impftermine vergeben…“.  Na super! Wir fühlten uns schon ein wenig wie früher auf dem Jahrmarkt nach dem Öffnen der kleinen Papierlose „Trullala Niete!“  Aber hier geht es ja nicht um den Gewinn von Stoffbärchen oder Papierblumen, sondern um unsere Gesundheit, möglicherweise um Leben und Tod. Wir versuchen es trotz allem beim nächsten Mal wieder, neues Spiel, neues Glück.

Christian J. Körner, Neumünster

Leserbrief zum Thema Bauamt für den Nord-Ostsee-Kanal-Ausbau

Es fehlen mutige Entscheidungen

Ein unbeschreibliches Glücksgefühl hat mich ergriffen, als ich las, dass endlich ein neues Bauamt für den NOK geschaffen wurde. Diesem eklatanten Mangel an Ämtern und Behörden in Deutschland tritt man damit entschlossen entgegen. Wie schön! Egal mit wie vielen Behördenmitarbeitern man den Kanalausbau „begleitet“, wenn die Schleusen nicht funktionieren, ist alles für die Katz.

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Die beiden alten Schleusen, unsere schnellsten Schleusen, ruhen schon seit vielen Jahren und sollen es noch eine weitere Dekade tun. Zweifellos ein Sicherheitsgewinn, denn dort kann nichts passieren. Die beiden letzten verbliebenen „Neuen Schleusen“ (1914) sollten doch schon ganz gerne einsatzklar sein. Dafür braucht es Schleusentore und auf jeden Fall auch zumindest ein Ersatztor. Ein Tor wurde am 16. März 2018 beschädigt, also vor mehr als drei Jahren, und schon „20 Monate später“ in die Werft gebracht, wo es offensichtlich vergoldet wird, denn es ist noch nicht fertig. Das zweite Tor ruht beschädigt seit dem 31. August 2020 am alten Kohlenplatz und wartet auf den Beginn seiner europaweiten Ausschreibung. Der Schaden, den die Schiffsführung der „Else“ völlig irrational und unaufgeklärt dem Tor zugefügt hat, liegt jetzt im ausgeschwommenen Zustand im Überwasserbereich. Er könnte von einem Arbeitsponton aus dort vor Ort ohne Werft und Dock von einem größeren Stahlbaubetrieb nach meiner Einschätzung in drei bis vier Wochen behoben werden.

Es fehlt also nicht an Ämtern, sondern an Entscheidungen und an Leuten, die wegen der Dringlichkeit und der Sicherheit des Verkehrs auf einer internationalen Wasserstraße, sich trauen, diese zu fällen.

Knut Schröder, Heikendorf

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Die hier veröffentlichten Zuschriften sind Ausdruck der persönlichen Meinung der Einsendenden und nicht der Redaktion. Auswahl und Kürzung behält sich die Redaktion vor.

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Stefanie Gollasch 23.03.2021
Anne Holbach 22.03.2021
Susanne Färber 22.03.2021