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16:33 26.09.2019
Von Tanja Köhler
Tanja Köhler ist Mitglied der Chefredaktion und Leiterin des Ressorts Digitale Angebote bei den Kieler Nachrichten. Quelle: Ulf Dahl
Lübeck

Wie sollen sich Frauen künftig verhalten, wenn sie Opfer sexueller Gewalt geworden sind? Und welche gesellschaftlichen (Macht-)Strukturen müssen aufgebrochen werden, damit Täter nicht einfach so weiter machen können? Der Prozess gegen den ehemaligen Opferschützer Detlef H. wirft mehr Fragen auf, als er Orientierung gibt

29 Frauen haben sexuelle Belästigungs- und Nötigungsvorwürfe gegen Detlef H. erhoben – doch nur ein Fall wurde zur Verhandlung zugelassen. Und ausgerechnet bei dem Fall konnte nicht mit der vom Gesetz geforderten Sicherheit nachgewiesen werden, dass sich der heute 74-jährige Angeklagte tatsächlich vor einer Klientin entblößt habe, hieß es am Donnerstag in der Urteilsbegründung. Alle Frauen, die sexuellen Übergriffen und Gewalt ausgesetzt sind und den Mut aufbringen, unsittliches Verhalten, sexuell-motivierte Übergriffe und Gewalt aufzudecken und anzuzeigen, werden das als zutiefst ungerecht empfinden. 

Frauen schweigen aus Scham und Angst

Denn trotz der Solidarität aus der #metoo-Debatte, die sich im Oktober 2017 mit Wucht entfaltete, schweigen noch immer viele Frauen aus Scham und Angst, wenn ihnen Sexismus oder Nötigung begegnet. Darüber zu sprechen ist für sie ein Tabu. Oftmals auch, weil sie dann die Identität eines Freundes, Partners, Kollegen oder einer bekannten Person preisgeben müssten. So bleiben viele Fälle im Verborgenen. Das belegen auch Dunkelfeldstudien. Demnach erlebt jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt in der Partnerschaft.

Ein anderes Urteil als Freispruch (die Staatsanwaltschaft forderte drei Monate auf Bewährung) hätte Frauen ermutigen können, sich zu offenbaren. Die Botschaft hätte dann gelautet: Was dir widerfahren ist, ist so nicht okay. Beratungsgespräche und Opferschutz können da nur bedingt ansetzen. Sie können den Schmerz lindern und helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Sie dämmt aber nicht die Belästigung von Frauen ein. Das geschieht nur, wenn die Täter vor Gericht kommen und ihnen der Rechtsstaat aufzeigt, dass ihr Verhalten nicht akzeptabel ist. 

Was wussten die Mitstreiter im Weißen Ring?

Es wäre aber falsch, dies allein dem Gericht anzulasten. Der Indizienprozess aus Lübeck hat aus ganz anderen Gründen einen faden Beigeschmack. Was wussten die Mitstreiter von Detlef H. im Weißen Ring Lübeck? Warum blieben die Vorfälle aus dem Jahr 2016 so lange im Verborgenen?

Laut Staatsanwaltschaft Lübeck hätten die Aussagen weiterer Zeuginnen und Ermittlern den Verdacht bestätigt, dass Detlef H. über Jahre hinweg immer wieder sexuell übergriffig geworden sein soll. Den Beweisantrag, vier weitere mögliche Opfer zu hören sowie eine Frau zu befragen, mit der Detlef H. eine heimliche Beziehung geführt haben soll, lehnte die Amtsrichterin jedoch ab.

Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Die Staatsanwaltschaft wird in Berufung gehen, hieß es am Donnerstag. Eine Entscheidung, die ganz im Sinne aller Betroffenen sein dürfte. 

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