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Meinungen Thorsten Beck zum neuen Winnetou
Mehr Meinungen Thorsten Beck zum neuen Winnetou
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16:01 01.02.2013
Von Thorsten Beck
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So hatte zuletzt Erol Sander bei seiner Premiere 2007 leidvoll erfahren müssen, dass längere Zweikämpfe vor Live-Publikum doch etwas mehr Kondition erfordern als kurz geschnittene Schmachtszenen in betulichen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. 2012, im Jahr seines mehr oder weniger unfreiwilligen Abschieds, obsiegte aber auch Sander über die Bösewichter, ohne anschließend zu schnaufen wie drei Dampflokomotiven.

Mit der Verpflichtung des früheren Daily-Soap-Stars Sosniok, dessen Gesicht im deutschen Fernsehen inzwischen einen recht ordentlichen Bekanntheitsgrad erlangt hat, konnte die Kalkberg GmbH vor allem eines vermeiden: den zentralen Part jeder Inszenierung einem kompletten No-Name anzudienen. Und aus dieser Kategorie soll zuletzt auch der eine oder andere in der Verlosung gewesen sein.

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Die berühmte Winnetou-Melodie, die jeden ersten Einritt des roten Helden am Kalkberg begleitet und beim Publikum den bekannt wohligen Gänsehaut-Effekt verursacht, verträgt sich nun einmal nicht mit einem leeren Kostüm.

Außerdem: Einem wirklich breiten Publikum quer durch sämtliche Regionen und alle Altersgruppen bekannt war beim Amtsantritt in Bad Segeberg - dank der legendären Spielfilme - ohnehin nur einer: Pierre Brice. Der durfte den Indianer dafür auch jahrelang ungestraft mit französischem Akzent näseln.

Der 44-jährige Familienvater Jan Sosniok muss jetzt zeigen, dass er von Ende Juni bis Anfang September 72 Mal gut zwei Stunden lang volles Tempo gehen kann – und das bei Wind und Wetter. Denn die Karl-May-Schauspieler sind nicht zuletzt das, was im Ruhrpott gern als „Malocher“ bezeichnet wird: knochenharte Arbeiter.

Dann fiele es auch gar nicht ins Gewicht, dass Winnetou jetzt blaue Augen hat.