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Meinungen Ulrich Metschies zum HSH-Verkauf
Mehr Meinungen Ulrich Metschies zum HSH-Verkauf
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22:00 28.11.2018
Von Ulrich Metschies
Foto: Ulrich Metschies kommentiert den Verkauf der HSH Nordbank.
Ulrich Metschies kommentiert den Verkauf der HSH Nordbank. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Irgendwann im Jahr 2041 könnte ein emsiger Finanzpolitiker im Haushalt des Landes Schleswig-Holstein einen Posten entdecken, unter dem er sich nichts Rechtes vorstellen kann: einen Millionenbetrag unter der Überschrift "Risikovorsorge für Gewährträgerhaftung HSH Nordbank". Dann könnte der junge Mann online forschen, was das sein könnte. Oder er könnte die ehemalige Finanzministerin Monika Heinold fragen, die trotz ihrer dann 82 Jahre das ganze HSH-Drama fließend aufsagen kann, selbst wenn man sie nachts wecken würde.

Auch wenn Mittwoch, der 28. November 2018, als der Tag in die Geschichte eingehen wird, an dem Hamburg und Schleswig-Holstein ihre Drama-Bank endgültig verkaufen konnten: Für den naiv-größenwahnsinigen Ausflug der Politik in die brutale Geschäftsbankenwelt werden noch Generationen zahlen müssen.

Und so ist es ein schmerzhafter Schlussstrich, der am Mittwoch gezogen werden konnte. Schön, dass die US-Investoren eine Milliarde hinblättern für eine Bank, die vor Kurzem kaum noch einen müden Cent wert schien. Schön auch, dass es die Bank weiter geben wird. Doch all das ist nur ein schwacher Trost für die Steuerzahler und für Hunderte, die wohl im kommenden Jahr ihren Job verlieren oder outgesourct werden. Die öffentliche Hand hat eine moralische Verpflichtung, den Übergang unterstützend zu begleiten. Doch was diese Bank jetzt tut oder nicht tut, entscheiden von nun an die neuen Herren im Haus.

Und wie haben die sich am Mittwoch geäußert? Eiskalt. Zu den Standorten oder Perspektiven für die Menschen in der Bank? Null und gar nichts. Stattdessen: Ein pflichtgemäßes Dankeschön des Vorstandschefs, drei freundliche Sätze des künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden und ansonsten eine Pressemitteilung der Bank, die bestens als Beleg herhalten kann für die Kälte des Finanzkapitalismus. Eigenkapitalrendite: mindestens acht Prozent bis 2021.Harte Kernkapitalquote: 15 Prozent oder mehr. Kostenquote: höchstens 40 Prozent.

Natürlich sind diese Vorgaben auch auf Druck der privaten Banken entstanden, in deren Haftungssystem das Institut wechseln wird. Doch sie zeugen auch von einem Denken, in dem Rendite-Ziele die soziale Verantwortung an die Wand drücken.

Was bleibt von 15 Jahren HSH? Vor allem: ein Schuldenberg, den noch unsere Kinder und Enkel abtragen müssen. Aber ebenso die Erkenntnis, dass auch Politiker immer nur Dinge tun sollten, die sie wirklich verstehen. Und es bleibt die Gewissheit, dass zu den finanziellen Risiken, die uns diese Bank bis gestern eingebrockt hat, nun keine keine neuen mehr dazu kommen können. Immerhin.

Doch ganz vorbei ist das Kapitel HSH für die Länder erst, wenn die letzten Schrottkredite verwertet und die letzten Anleihen getilgt sind, für die Länder und Sparkassen haften. Und das dauert noch 23 Jahre.

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