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07:00 09.05.2017
Von Bodo Stade
Der stellvertretende Chefredakteur der KN, Bodo Stade. Quelle: Ulf Dahl

Die endgültige Zusammensetzung des neuen Landtages stand am Morgen fest. Die Schleswig-Holsteiner hätten also gestern erwarten können, dass die einen so langsam damit beginnen, den Schock über ihre Niederlage zu verdauen, die anderen ihre unbändige Freude über den unverhofften Sieg in den Griff bekommen und alle zusammen den Auftrag annehmen, den ihnen die Wähler gegeben haben. Und der kann ja eigentlich nur so aussehen, dass die Partei, die mit großem Vorsprung stärkste Kraft geworden ist, die Bildung der neuen Regierung in Angriff nimmt, und die andere sich tapfer auf die Opposition vorbereitet. Eigentlich.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf

In der Politik geht das Spiel anders. Und so setzt sich am Tag nach der Wahl fort, was bereits am Abend zuvor über Stunden zelebriert wurde. Obergenosse Ralf Stegner betont zwar, dass die Sozialdemokraten jetzt nicht großspurig werden wollen, was im Übrigen auch etwas merkwürdig wäre. Gleichzeitig erklärt er aber auch, dass die CDU nicht automatisch die Staatskanzlei übernehmen müsse. Die kleinen Königsmacher spielen selbstverständlich mit. Die Grünen mit Robert Habeck an der gefühlten Spitze werden nicht müde, ihre Liebe zu einer Ampel mit der SPD und der FDP zu betonen. Der liberale Chef-Stratege Wolfgang Kubicki schließt das wiederum ziemlich deutlich aus – zumindest mit einem Ministerpräsidenten Torsten Albig. Was bei Grünen und SPD prompt dazu führt, sich über allerlei andere Namen Gedanken zu machen. Getreu nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Am Tag danach ist jedenfalls klar: Es wird nicht so einfach werden an der Kieler Förde. So schnell werden die offiziellen Positionen nicht geräumt.

Der Grund liegt auf der Hand. Es wird in wenigen Tagen noch einmal gewählt. Vor dem wichtigen Urnengang in Nordrhein-Westfalen wollen sich vor allem die Grünen nicht in die Karten schauen lassen und schon gar nicht so einfach die rot-grüne Idee über Bord werfen. Ein Bündnis mit den Christdemokraten wäre der Basis ungleich schwerer zu vermitteln als eines mit der SPD. Wollen die Grünen also eine Zerreißprobe vermeiden, müssen sie den politischen Preis hochtreiben. Dazu gehören nicht nur zwei Plätze am Kabinettstisch für Finanzministerin Monika Heinold und Umweltminister Habeck, sondern auch politische Zugeständnisse von der CDU. Unüberwindbar sind die programmatischen Unterschiede jedenfalls nicht.

Den Machtpoker nicht übertreiben

Weder die geplante Fehmarnbelt-Querung noch die A20 hat die Öko-Partei von einer Koalition mit der SPD abgehalten. Und mit der FDP an der Seite sollte es in einer Jamaika-Runde auch im Bereich der Innenpolitik gelingen, sich beispielsweise in Fragen der Bürgerrechte durchzusetzen. Die Akteure sollten den Machtpoker also nicht übertreiben. Irgendwann muss die Landespolitik Farbe bekennen. Und eine rechnerisch mögliche Ampel würde das Wahlergebnis nun einmal auf den Kopf stellen. Ob es einem gefällt oder nicht: Das starke Ergebnis für die CDU ist ein Votum für Daniel Günther als Ministerpräsident. Wenn die Bürger gewollt hätten, dass er Oppositionsführer bleibt, hätten sie wohl ihr Kreuz bei der SPD von Albig gemacht.

Das haben deutlich weniger getan, als die Genossen gehofft haben, weshalb das politische Schicksal von Torsten Albig nun auch in den Sternen steht. Selten ist ein Spitzenkandidat so schnell in die Rolle des Sündenbocks geraten. Der Sturz des erfolgsverwöhnten Albig, der seine Außenwirkung offenbar komplett falsch eingeschätzt hat, ist hart – auch wenn ein großer Teil der Kritik damit zu tun hat, den Blick von Martin Schulz zu lenken, der als Hoffnungsträger im Herbst die Bundestagswahl gewinnen soll.

Der neue Parteichef und Kanzlerkandidat, dem fast alles möglich schien, hat es aber eben auch nicht geschafft, die Stimmung für die Nord-SPD zu retten. Und so erinnert der umgängliche Herr Schulz immer mehr an den ebenfalls sehr freundlichen Herrn Tur Tur, den wir aus den Geschichten von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer kennen. Der Scheinriese wird darin immer kleiner, je näher man kommt. Ganz ähnlich geht es auch Martin Schulz, dessen Größe offenbar schwindet, je näher die Bundestagswahl rückt.

Einmal ist immer das erste Mal. Noch nie habe er eine Wahl verloren, gab sich Torsten Albig kurz vor dem Wahlsonntag gewohnt selbstbewusst, und er sei sicher, dass es auch diesmal reichen werde. Hat es nicht, überhaupt nicht.

Christian Longardt 07.05.2017

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