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Weckruf für den Artenschutz: Leserbriefe zur Strategie von Albrecht

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18:57 25.02.2021
Von Susanne Färber
Fast die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in Schleswig-Holstein wird bereits in den Roten Listen der gefährdeten Arten aufgeführt. Dazu gehört auch die Wildbiene.
Fast die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in Schleswig-Holstein wird bereits in den Roten Listen der gefährdeten Arten aufgeführt. Dazu gehört auch die Wildbiene. Quelle: Nicolas Armer
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Kiel

Konkrete Maßnahmen? Fehlanzeige!

Die angekündigten Maßnahmen von Umweltminister Albrecht gehen weiter in die richtige Richtung. Es bleibt die Frage, warum die bisherigen Maßnahmen noch so wenig gebracht haben. Nach meiner Beobachtung fehlt es vielerorts an der Umsetzung. 

Beispiele dafür gibt es genug. Unsere Gemeinde liegt direkt am FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Gebiet Eckernförder Bucht, es gibt einen Plan, der bestimmte Ziele zum Erhalt auflistet. Konkrete Maßnahmen? Fehlanzeige! Kein Dünenschutz, kein Schutz für Brutvögel, die bereits auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht geführt werden. Es gibt schlicht gar keine Maßnahmen. 

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Die Pflege des Straßenbegleitgrüns soll neben der Sicherheit so erfolgen, dass sie sich naturnah entwickeln kann. (§ 18 a StrWG). Davon sind wir ebenfalls weit entfernt. Kaum blühen im Sommer die ersten Pflanzen an den Wegesrändern, Wiesenschaumkraut und Taubnesseln wollen blühen und Nektar bereitstellen, dann ist einige Tage später wieder alles platt gemäht. Biotopverbundsysteme entstehen so nicht. Der neue Leitfaden der Landesregierung zur Pflege dieser Flächen sollte für alle Gemeinden verpflichtend sein, und die Bauhofmitarbeiter müssen auf ökologische Pflege geschult werden, damit dieser Pflegewahnsinn aufhört. Keine Schottergärten mehr und Verbot von Plastikpflanzen wie der Kirschlorbeer! Dann haben auch Schmetterlinge, Biene und Co. wieder eine Chance. 

Judith Ortmeier,  Schwedeneck

Eine unendliche Diskussion

Die Ausweisung von Naturschutzgebieten und der Erhalt der Artenvielfalt ist eine unendliche, seit Jahren streitbar geführte Diskussion. Der lautstärkste Lobbyist gegen die Biodiversität ist der Bauernverband. Und das scheinbar mit großem Erfolg. Die Fehlentwicklung hat wohl damit zu tun, dass es die Politik bisher nicht geschafft hat, die Naturschutzleistungen der Landwirtschaft angemessen zu honorieren. Naturschutz ist ein gesellschaftspolitischer Auftrag. Dies hat die Politik bisher nicht begriffen.

Jetzt, da die Diskussion einen neuen Anlauf unternimmt, verklagt die EU-Kommission Deutschland wegen jahrelanger Verstöße gegen geltendes Naturschutzrecht vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Klage, Deutschland habe eine bedeutende Anzahl von Gebieten immer noch nicht als besondere Schutzgebiete ausgewiesen. Schon vor sechs Jahren hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Nun klagt die EU-Kommission, es drohen milliardenschwere Strafen. Deutschland ist inzwischen nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein naturschützerisches Armenhaus.

Bernhard Dierdorf, Dannau

Nicht immer nur die Landwirte zum Sündenbock machen! 

Ich hoffe, dass die Artenschutzstrategie des Herrn Umweltministers auch den Irrsinn der Biogasanlagen einmal näher unter die Lupe nimmt. Der Maisanbau für den Betrieb dieser angeblich grünen Anlagen bindet einen großen Teil der Agrarflächen in Schleswig-Holstein. Bis zu 40 Prozent des Maisanbaus wird dabei für Biogasanlagen geopfert. Eine Fruchtfolge findet nicht mehr statt, brachliegende Wiesenflächen gehören der Vergangenheit an. Für den Maisanbau werden zudem massiv Pestizide eingesetzt, die keinen anderen Pflanzen und Insekten Raum lassen. Mit dem Regen landen die Pestizide auch in Gewässern, und somit werden auch die Pflanzen in Bächen und Flüssen nachhaltig geschädigt – und in der Folge der Fischbestand. Eine Reduzierung der Maisanbauflächen zugunsten von Ökoanbaugebieten mit sinnvoller Fruchtfolge würde sicherlich erheblichen Nutzen für Flora und Fauna bringen und die Wasserqualität verbessern. 

Und noch ein Tipp, Herr Umweltminister. Wenn Sie die Fischbestände wieder erhöhen möchten, dann werfen Sie doch bitte mal einen Blick auf die Kormoran-Populationen. Fast ohne natürliche Feinde geben diese Vögel, die sich in den letzten Jahren bei uns explosionsartig vermehrt haben, den Fischbeständen in den in den Binnengewässern den Rest. Einfach einmal objektiv eigene grüne (Irr-) Positionen überdenken und nicht immer nur die Landwirte zum Sündenbock machen! 

Lutz Carstensen, Molfsee

Leserbriefe zum Erzbistum Köln: Im Schatten der Mitbrüder

Nur die Spitze eines weltweiten Eisberges

Zurzeit steht das Erzbistum Köln im Fokus der Medien. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es weitere Missbrauchsstudien gibt, so auch die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erfolgte Studie mit 1670 mutmaßlichen Tätern. In dieser Studie allerdings konnten nur aktenkundige Fälle ausgewertet werden, die zudem zuvor von den Diözesen und ihren Anwälten ausgewertet und anonymisiert worden sind. Die Forscher der Studie gehen davon aus, dass schon Jahre zuvor Unterlagen vernichtet beziehungsweise manipuliert worden sind. 

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Nicht die kirchliche Gerichtsbarkeit mit ihrer Geheimniskrämerei führt zum Ziel. Vielmehr sollten die Staatsanwaltschaften entsprechend dem Verfolgungszwang sich vermehrt mit den erhobenen Vorwürfen Betroffener befassen. Warum sah sich die katholische Kirche eigentlich nicht verpflichtet, diese zur Anzeige zu bringen? Die Dunkelziffer der Missbrauchsfälle ist hoch, Experten sprechen von mehr als 100 000 Betroffenen. Damit dürften die mutmaßlichen Fälle aus der Missbrauchsstudie nur die Spitze eines von vielen weltweiten Eisbergen darstellen.

Wolfgang Stühmer, Nettelsee

Die Inkarnation der Verlogenheit

Ob nun 87 oder sogar 200 bis 230 Schwerkriminelle am Werk waren, wir werden es vielleicht noch erfahren. Tatsache aber ist, dass Pädophile, getarnt durch ihr katholisches Priestergewand, schwere sexuelle Straftaten an bis zu 230 bis 300 Kindern verübt haben, gedeckt durch Kardinal Woelki, die Inkarnation der Verlogenheit schlechthin. Mit fadenscheinigen Argumenten hält er immer noch ein fertiges Gutachten unter Verschluss. Das alles war auch dem lieben Gott zu viel. Er ist aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Helmut Freudenthal, Kiel

Es hat sich nicht geändert

Ich bin damals bei den ersten Missbrauchsfällen ausgetreten. Es war für mich unerträglich zu sehen, wie sich die „Würdenträger“ aus ihrer Verantwortung herauszuwinden versuchten. Es hat sich nicht geändert! Mein Entschluss war ein guter! Mein Glaube hat nicht darunter gelitten.

Susanne Herzog, per Mail

Leserbrief zum Thema: Fast Fashion ist zum Problem geworden

Mit kleinen Schritten zu Verbesserungen

Es wird deutlich, dass wir durch unsere Art zu leben an Grenzen stoßen. Wirtschaftswachstum ohne ökologische Schäden zu verursachen, ist vermutlich illusionär in unserer Wegwerfgesellschaft, zumal ein genügsamerer Lebensstil nicht in ist. Rund 50 Kleidungsstücke kauft nach Ihrem Artikel jeder Deutsche pro Jahr, angeblich würden davon 98 Prozent wieder verwertet. Nach mir vorliegenden Informationen sollen hingegen 80 Prozent auf dem Müll landen, weil aus „Alt mach Neu“ bei Kleidung wegen der Mischgewebe, Farben und Chemikalien schlecht möglich sei.

Vermutlich müssen wir zur Verbesserung viele kleine Schritte anstreben: Wir halten uns zwar für die weltbesten Sortierer, aber Verbraucher bei uns werfen angeblich die Hälfte ihres Abfalls in die falschen Tonnen. Verpackungsmüll steigt immer weiter an, der Wegwerftrend an einem schönen Tag an der Seepromenade nach einem erfrischenden Eis oder Kaffee im Becher ist ungebrochen.

In unserer Abfallhierarchie müssen wir es ernst nehmen, was uns die Politik vorgibt: Erster Rang das Vermeiden, dann erst folgen Recyceln, Verwerten oder Beseitigen.

Da auch der Wert von Maschinen oder Gerät nicht darin besteht, sie zu besitzen, sondern sie zu nutzen, sollten wir über viele neue Geschäftsmodelle nachdenken, alles mit dem Ziele, die ökologische Situation zu verbessern.

Erwin Prochnow, Bad Segeberg

Leserbriefzum Thema: Zu wenig Toiletten? Stadt Kiel sieht keinen Notstand

Weit und breit keine Toiletten

Sie schreiben, dass die Stadt Kiel keinen Bedarf an Toiletten sieht. Das sehe ich anders! Ich gehe sehr viel spazieren und sehe ein Mangel in Holtenau am MFG-5-Gelände, am Skagerrakufer in Friedrichsort, in Falckenstein und in Schilksee. Dort gibt es weit und breit keine Toiletten! Das finde ich ein Unding!

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Maren Lange, per Mail

Leserbrief zum Thema: Baulärm bei Möbel Höffner in Kiel

Höffners martialischer Baulärm

Wie ertragen die Anwohner von Möbel-Höffner nur die tagelange Krieger-Ramme, deren martialischen Lärm der Westwind bis über den Exer trägt? Der diese Ansiedlung dort genehmigt hat, dem gebührt ein Denkmal!

Klaus Schöppe, Kiel

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Kristian Blasel 24.02.2021
Christian Hiersemenzel 24.02.2021
Frank Behling 23.02.2021