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Meinungen Christian Longardt zum Brandanschlag aufs Flüchtlingsheim
Mehr Meinungen Christian Longardt zum Brandanschlag aufs Flüchtlingsheim
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00:26 12.02.2015
Von Christian Longardt
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Die Ermittler werden wissen, warum sie sofort von einem fremdenfeindlichen Anschlag ausgehen – anders als noch vor einem Monat in Grabau, als eine Rauchbombe die Bewohner einer Asylbewerberunterkunft in Angst und Schrecken versetzte, die Polizei aber nicht sicher war, ob tatsächlich Neonazis ihre Finger im Spiel hatten. Das Signal, das die Attentäter von Escheburg mit ihrer feigen Tat aussenden wollen, ist klar: Flüchtlinge, ihr seid bei uns nicht willkommen. Die perfide Botschaft wird bei den Adressaten angekommen sein, und man darf vermuten, dass die geschockten Asylbewerber keine einzige Nacht in dieser Gegend verbringen wollen, selbst wenn dort schnell Ersatzunterkünfte gefunden werden.

Der Anschlag ist niederträchtig, er ist zutiefst unmenschlich – auch wenn, zum Glück, niemand körperlichen Schaden nahm. Erschreckend sind aber auch die Berichte von Bürgermeister und Amtschefin darüber, wie Nachbarn reagiert haben, als sie von der bevorstehenden Ankunft der Asylbewerber hörten. Von Zorn der aufgebrachten Anwohner ist die Rede, von Wut auf die Behörden, von Angst vor kriminellen Übergriffen. Es gilt zur Kenntnis zu nehmen: Auch das ist Realität in Schleswig-Holstein. Sie lässt sich nicht wegdiskutieren, sie lässt sich auch nicht wegdemonstrieren. Und leider muss man annehmen: Ein bisschen Escheburg ist überall.

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