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Auszubildende mit Fluchthintergrund gut begleiten

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05:11 30.11.2020
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Ahmed Roble wurde in Somalia geboren und kam als Flüchtling nach Deutschland, wo er eine Ausbildung zum Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker absolviert hat.
Ahmed Roble wurde in Somalia geboren und kam als Flüchtling nach Deutschland, wo er eine Ausbildung zum Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker absolviert hat. Quelle: Tobias Hase/dpa-tmn
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München

Asylberechtigung, Konventionsflüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte, Bleibeperspektive: All das sind Vokabeln, mit denen sich Betriebe in Deutschland zunehmend auseinandersetzen müssen, wenn es um den Fachkräftenachwuchs geht.

"Alleine im Münchner Handwerk hatten 2019 rund 15 Prozent aller neuen Lehrlinge einen Fluchthintergrund", sagt Harald Gerster. Er ist bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern für die Berufsbildung und Ausbildungsberatung zuständig.

Meinhard Berger hat gute Erfahrungen damit gemacht, Menschen mit Fluchterfahrung in seinem Betrieb auszubilden. Er ist Inhaber der SUW Berger GmbH, einem Betrieb für Sonnenschutz in Hallbergmoos (Bayern). Ahmed Roble, in Somalia geboren, ist einer derjenigen, die Berger zum Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker ausgebildet hat.

Der ehemalige Azubi arbeitet mittlerweile als Geselle im Unternehmen. Er hatte sich auf eine Facebook-Anzeige gemeldet, ein Praktikum absolviert und bekam nach der Probewoche einen Ausbildungsvertrag.

Extra-Engagement vom Betrieb gefragt

Obwohl Ahmed Roble alle Voraussetzungen mitbrachte - starker Einsatzwille, gute Sprachkenntnisse, Selbstbewusstsein -, war seitens des Unternehmens eine Extraportion Engagement gefragt. "Der wichtigste Unterschied ist, dass man bei der Ausbildung von jungen Menschen, die hier ohne Eltern leben, nicht nur Arbeitgeber, sondern ein wenig auch Elternersatz ist", lautet Bergers Erfahrung.

Zu Beginn seiner Ausbildung lebte Roble in einem Flüchtlingswohnheim. Dort war es oft laut, und er fand kaum Ruhe, um seine Aufgaben für die Berufsschule zu erledigen. Mit Hilfe des Betriebs wurden Lösungen gesucht: Zuerst zog Roble in eine Obdachlosenunterkunft, bis Berger mit Hilfe der Gemeinde ein private Unterkunft für ihn gefunden hatte.

Ahmed Roble ist seinem Chef dankbar für die Unterstützung, nicht nur in der Wohnungsfrage. "Für mich war es klasse, dass man mir etwas zugetraut hat, dass ich eine Chance bekommen habe zu zeigen, was ich drauf habe", sagt er. "Wichtig war auch, dass ich mich sofort unter den Kollegen wohlgefühlt habe."

Akzeptanz und Toleranz im Team

Die Integration ins Team ist ein entscheidender Faktor. In der Firma Berger wird akzeptiert, dass der gebürtige Somalier tiefgläubig ist, häufig betet und auch fastet. Nach Ahmed Roble hat das Unternehmen einen weiteren Azubi mit Fluchterfahrung eingestellt, einen jungen Mann aus Afghanistan. Wie alle seine Kolleginnen und Kollegen hat Nazir Nazari Interesse am Beruf, Sorgfalt und Leistungswillen mitgebracht.

Während bei Ahmed Roble der Aufenthaltsstatus geklärt war, sah es bei dem jungen Mann aus Afghanistan anders aus. Meinhard Berger musste mit der Ausländerbehörde in Kontakt treten, um ihn zu unterstützen. "Es gab Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung, die wir aber in gemeinsamen Gesprächen regeln konnten", schildert er.

Berger hält es für äußerst wichtig, Azubis bei Gesprächen mit Behörden zu begleiten: "Nach unseren Erfahrungen wird in den verschiedenen Ämtern nicht genug auf die Probleme der Flüchtlinge eingegangen, sondern nach Aktenlage entschieden." Ein Gespräch der Firmenleitung mit dem jeweiligen Sachbearbeiter führe dagegen meist zu einer schnellen Lösung.

Hilfe in Anspruch nehmen

Tipps und Hilfestellung für Azubis sowie Unternehmen gibt es zum Beispiel bei der Handwerkskammer. "Bei uns gibt es neben den Ausbildungsberaterinnen und -beratern zusätzlich hauptamtliche Kräfte, die sich ausschließlich um die Belange von Menschen mit Fluchthintergrund kümmern", erklärt Harald Gerster.

Zu deren Aufgaben zählt neben der Berufsorientierung und der Vermittlung in Ausbildungsstellen auch die Begleitung und Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses. "Unter anderem bieten wir einen Workshop vor Beginn der Ausbildung, bei dem die jungen Menschen über Rechte und Pflichten in der Berufsausbildung aufgeklärt werden", sagt Gerster.

Je nach Region bieten auch weitere Angebote und Netzwerke eine Hilfestellung - für Auszubildende und Betriebe. Viele Tipps zur Ausbildung von Geflüchteten gibt etwa der Leitfaden von foraus.de, dem Ausbilderportal des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

© dpa-infocom, dpa:201127-99-487941/2

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Deutsche Presse-Agentur dpa 30.11.2020
Deutsche Presse-Agentur dpa 26.11.2020
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