Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Hamburg 1100 Kilometer, 60 Tage, ein Ziel
Nachrichten Hamburg 1100 Kilometer, 60 Tage, ein Ziel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 04.04.2013
Von Paul Wagner
Die Brüder Thomas und Dietmar Ruhfus (v.l.) sammeln mit einer Radtour quer durch Deutschland für die Kinderaugenkrebsstiftung. Foto hfr Quelle: hfr
Kiel

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich stehe in der Blüte meines Lebens“, sagt Thomas Ruhfus. Doch er weiß es besser. Vor etwa einem Jahr diagnostizierten Ärzte bei dem 45-Jährigen ein Multiples Myelom – eine bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks. Es ist nicht das erste Mal, dass Thomas Ruhfus den Kampf gegen den Krebs aufnehmen muss. Wegen einer Genveränderung trägt er ein Leben lang ein erhöhtes Risiko, wiederholt unter dieser schweren Krankheit zu leiden. Bereits im Säuglingsalter lag „die Wurzel allen Übels“, sagt der Kieler. Damals stellen Ärzte einen beidseitigen bösen Augentumor fest, ein sogenanntes Retinoblastom. „Hätte man das damals rechtzeitig erkannt, hätte mein rechtes Auge gerettet werden können.“

 Diese Erkrankung, die auch als Augenkrebs bezeichnet wird, kann zu 95 Prozent geheilt werden. Da sie nur etwa bis zum fünften Lebensjahr auftritt, ist jedoch eine frühzeitige Diagnose wichtig. Für eine flächendeckende Aufnahme der entsprechenden Untersuchung in die verbindliche Kleinkinder-Vorsorge wirbt die Kinderaugenkrebsstiftung (KAKS) bei Ärzten und Krankenkassen. „Im Moment kommt es leider sehr auf die Motivation des jeweiligen Kinderarztes an“, sagt Ruhfus. Eine umfassende und tiefgründige Untersuchung der Augen sei bisher nicht Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen.

 Bundesweit versucht die Stiftung daher, die Mediziner mit Aufklärungskampagnen zu sensibilisieren. Mit Postern und Infomaterial unter dem Slogan „Weiß sehen“ klärt die Stiftung über erste Anzeichen auf, an denen Eltern eine mögliche Erkrankung bei ihren Kindern erkennen können (siehe Infokasten).

 Den Zielen der Stiftung haben sich Thomas Ruhfus und sein zwei Jahre älterer Bruder Dietmar verschrieben. In der Zeit vom 15. Juni bis 13. August will Dietmar Ruhfus mit seinem Fahrrad einmal quer durch Deutschland von Flensburg nach Füssen in Bayern fahren. Dafür nimmt sich der Mitarbeiter der Förde Sparkasse im Sommer mehrere Wochen frei. Nach einem groß angelegten Start mit etwa 140 Radlern, darunter Bürgermeister und Sparkassen-Vorstände, in Eckernförde will er von Flensburg aus allein weiter. Bei seinen 31 Zwischenstopps will Dietmar Ruhfus in den Städten und Dörfern entlang der Tour für die Stiftung werben und Geld sammeln. Am Ende wird er mehr als 1150 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt haben.

 Gern hätte Thomas Ruhfus die Deutschland-Tour zugunsten der Stiftung zusammen mit seinem Bruder bewältigt. Doch der 45-Jährige kann diesmal nicht dabei sein. Im Sommer muss er sich einer mehrmonatigen Chemotherapie in der Universitätsklinik Kiel unterziehen. „Ende 2011 wurde ein neuer Tumor diagnostiziert“, sagt Thomas Ruhfus. „Hierbei handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks.“

 Sollten sich seine Blutwerte rapide verschlechtern, könne der Klinikaufenthalt sogar schon früher nötig werden. Er bedauert, dass er entgegen der ursprünglichen Pläne im Sommer nicht mit seinem Bruder gemeinsam für die „Augenlicht Spendentour 2013“ aufs Fahrrad steigen kann, sagt Ruhfus. „Als die Diagnose kam, war uns schnell klar, dass er es allein durchziehen muss. Das ist jetzt auch okay so.“

 Das Engagement seines Bruders für die Kinderaugenkrebsstiftung gibt Thomas Ruhfus Kraft. „Der Krebs wird es nicht schaffen, dass ich meine grundsätzliche Lebensfreude verliere. Diesen Gefallen werde ich der Krankheit nicht machen. Ich werde auch weiterhin jeden noch so kleinen schönen Moment genießen und mich am Leben erfreuen.“