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Hamburg Lokale Politiker reagieren betroffen
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15:58 10.02.2015
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Rainer Bork, Bürgermeister von Escheburg, will sich nicht beirren lassen. Quelle: dpa/Daniel Reinhardt
Escheburg

„Dieser Anschlag bewegt uns“, sagte die Vorsteherin des Amtes Hohe Elbgeest, Martina Falkenberg, am Dienstag. Am Vortag hatten Unbekannte einen Brandsatz in eine Doppelhaushälfte geworfen. Dort sollten am Dienstag sechs Asylbewerber aus dem Irak einziehen.

Der Bürgermeister von Escheburg, Rainer Bork, und die Verwaltungschefin des Amtes, Brigitte Mirow, berichteten von erheblichen Protesten aus der Nachbarschaft vor dem Einzug. Zunächst sei geplant gewesen, Familien — insgesamt bis zu zwölf Menschen — in dem kürzlich angekauften Doppelhaus in einer Einfamilienhaussiedlung unterzubringen. Vor einer Woche sei dann klargeworden, dass sechs Männer in eine Hälfte des Hauses einziehen sollten.

Bereits vor einigen Tagen hätten sich Nachbarn beschwert, als sie über die Asylbewerber informiert wurden, sagte Bürgermeister Bork und sprach von Ängsten und Aversionen. Am Montag seien dann 15 Anwohner in ihr Büro gestürmt, berichtete Verwaltungschefin Mirow. „Sie waren aufgebracht, ängstlich und verunsichert.“

Falkenberg betonte: „Wir halten daran fest, Menschen dort unterzubringen, egal ob es Männer, Frauen oder Familien sind.“ Voraussichtlich am 23. Februar solle es eine Einwohnerversammlung in Escheburg geben, kündigte Bork an. In dem Ort mit rund 3500 Einwohnern wohnen derzeit in dezentralen Unterkünften drei Asylbewerber, im Gebiet des Amtes 112.

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KN-online (Kieler Nachrichten) 12.02.2015