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Hamburg Mindestlohn bedroht das Taxigewerbe
Nachrichten Hamburg Mindestlohn bedroht das Taxigewerbe
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20:00 23.05.2014
Von Martina Drexler
Der Landesverband der Taxifahrer in Schleswig-Holstein glaubt, dass der Mindestlohn das Taxigewerbe bedroht. Quelle: dpa
Kiel

Dass im heiß umkämpften Taxigewerbe ein rauer Wind bläst, ist allgemein bekannt. Doch wie stark die Unternehmen angesichts steigender Kosten unter Druck geraten sind, geht aus der Stellungnahme des Taxiverbandes an den Kieler Wirtschaftsausschuss hervor. Je nach Schicht erhalten die Fahrer in Kiel zwischen fünf und 6,50 Euro pro Stunde, deutlich unter dem Mindestlohn von 8,50 Euro. Die Entlohnung ist nicht angemessen, beklagt Thomas Krotz, Vorsitzender des Landesverbandes für das Taxi- und Mietwagengewerbe und Geschäftsführer der Kieler Taxi-Zentrale. Aber: „Dies ist ausschließlich der wirtschaftlichen Not der Unternehmen geschuldet, die häufig selbst nicht besser als ihre Fahrer gestellt sind.“ So mancher verzichte bereits auf eine Altersvorsorge oder gar auf die Krankenversicherung. In Kiel gibt es derzeit 280 Taxikonzessionen (128 Unternehmen), vor drei Jahren lag die Anzahl noch bei 324.

 Als Hauptgrund für die Misere in schleswig-holsteinischen Städten sehen Verband und die Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK) die bundesweit vergleichsweise niedrigen Tarife, die die jeweiligen Kommunen festsetzen. Für fünf Kilometer zahlt der Fahrgast in Kiel 9,95 Euro, in Flensburg und Lübeck 10,60 Euro, in Hamburg aber 13,60 Euro. Schuld an dem Rückstand ist nach Ansicht von Taxi-Verband und IHK der durch Minicars verursachte Preisdruck in den Jahren 1982 bis 2001. Die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns zum 1. Januar 2015, fürchten sie, werde es einer großen Zahl von Mehrwagen-Unternehmen erschweren, wirtschaftlich zu überleben.

 „Mindestlohn ja, aber bezahlbar“, fordert Krotz daher. Denn ohne politische Gegensteuerung oder ohne Preiserhöhung drohen seiner Ansicht nach gravierende Folgen für die Branche und ihre Kunden: Vor allem kleinere Unternehmen müssten Fahrer entlassen, ihren Wagenbestand reduzieren und etwa die Rufbereitschaft rund um die Uhr durch eine Vermittlungszentrale einstellen. Fahrgäste hätten demnach künftig große Probleme, zu nachfrageschwachen Zeiten überhaupt ein Taxi zu bekommen oder sich Krankenfahrten abrechnen zu lassen. Die Kieler Kommunalpolitik hat inzwischen reagiert und einem Antrag der Linken-Ratsfraktion zugestimmt: Alle Akteure werden eingeladen, an einem Runden Tisch mögliche Lösungswege auszuloten.