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Hamburg Bürger wollen Wolf leben lassen
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17:37 24.02.2015
Von Heike Stüben
Der Wolf kehrt nach Deutschland zurück: Dieses Tier im Raum Mölln erhitzt derzeit die Gemüter. Quelle: Wolfinformationszentrum/Wildpark Eekholt
Kiel/Mölln

Am 21. Februar war wie berichtet ein Wolf in eine Schafherde östlich von Mölln eingedrungen und hatte sich zunächst nicht von Menschen vertreiben lassen. Normalerweise reagieren die streng geschützten Wildtiere sehr scheu auf Menschen. Der Wolf hatte sich ihnen gegenüber zwar nicht aggressiv gezeigt -  es dauerte aber rund 50 Minuten, um ihn aus der Schafherde zu vertreiben. An dieser Vergrämungsaktion waren zeitweise sieben Personen beteiligt. Der Wolf hatte zuvor vier Schafe verletzt, zwei davon verendeten.

Weil Experten den Wolf als verhaltensauffällig einstuften, erteilte das Umweltministerium dem zuständigen Wolfsbetreuer die Ausnahmegenehmigung, den Wolf mit Gummigeschossen zu vertreiben, im Notfall aber auch zu töten. Ein Beschluss, der eine Welle der Empörung auslöste. Mehrere Bürger, darunter auch ein früherer Rechtsanwalt, drohten, bei einem Abschuss gerichtlich gegen die Aufsichtsbehörde vorzugehen.

Im Umweltministerium wurde die Ausnahmegenehmigung am Dienstag verteidigt. „Bereits am 19. Februar 2015 wurde der Wolf in Mecklenburg-Vorpommern in der Gemeinde Vellahn beobachtet. Einen Tag später hielt er sich morgens zwei Stunden im Ort Rodenwalde auf. Hier lief er im Dorf umher und zeigte keine Scheu vor Menschen. Unter anderem versuchte er, auf einen Hof zu gelangen, auf dem sich eine läufige Haushündin aufhielt. Am gleichen Tage wurde das Tier erneut gesichtet, diesmal in der Ortschaft Granzin, wo es sich aus geringer Entfernung fotografieren ließ“, sagte Ministeriumssprecherin Nicola Kabel. Das sei ein artuntypisches Verhalten.

Warum der Wolf wenig Scheu zeigt, ist unklar. Möglich ist, dass er an Menschen gewöhnt ist, weil es zum Beispiel aus einem Gehege ausgebrochen ist oder von Menschen angefüttert worden ist. Möglich ist aber auch eine Erkrankung als Ursache. Wolf von Schenck, Leiter des Wolfinformationszentrums im Wildpark Eekholt, hält es aber für denkbar, dass es sich einfach um einen jungen, unerfahrenen Wolf handelt. „Es ging ihm eindeutig um die Schafe, nicht um die Menschen. Denn denen ist er durchaus ausgewichen. Insgesamt war der Vorfall für den Wolf eine negative Erfahrung: Er hat viel Energie aufgebracht, ist trotz der Menschen immer wieder zu den Schafen zurückgekehrt, hat aber sein Ziel, Nahrung zu bekommen, nicht erreicht.“ Wölfe würden aus solchen Erfahrungen lernen. Es könne daher durchaus sein, dass der Wolf künftig solche Situationen eher meiden wird.  

Von Schenck begrüßte es aber grundsätzlich, dass der Vorfall eine Diskussion und viele Anrufe engagierter Bürgern ausgelöst hat. „Das zeigt, dass es eine hohe Akzeptanz für den Wolf bei uns gibt. Das ist erfreulich. Ebenso richtig ist es aber, das klare Signal zu geben: Wenn Menschenleben in Gefahr sein sollte, dann hat der Wolfsbetreuer durch die Ausnahmegenehmigung auch eine Handlungsoption.“ 

Auch im Umweltministerium fühlt man sich durch die Wolfsbeobachtungen in Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Es sei richtig gewesen, die Genehmigung zum Beschuss mit Gummigeschossen und vorsorglich zum Abschuss des Tieres zu erteilen. „Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine generelle Genehmigung zum Abschuss. Wölfe sind strengstens geschützt. Es ist eine Einzelfallgenehmigung und sie gilt nur für den zuständigen Wolfsbetreuer“, betonte Kabel. Und er dürfe sie nur nutzen, um Gefahren für Menschen abzuwehren.

„Das Hauptziel bleibt, das Tier im Rahmen erneuter Vorfälle wirksam vertreiben zu können“, erklärte Kabel. Und: Auf keinen Fall dürften andere Personen den Wolf schießen. Es hatten sich bereits zwei Jäger gemeldet und erklärt, „den Wolfsbetreuer bei der Jagd unterstützen zu können“. Der setzt hingegen erst einmal weiter auf die  Beobachtung des Tieres und die Beratung von Tierhaltern.

Wer das Tier sieht, sollte dies online beim Wolfsinformationszentrum melden: www.wolfsbetreuer.de

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