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Hamburg Castor-Transport auf See?
Nachrichten Hamburg Castor-Transport auf See?
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00:18 14.04.2013
Von Frank Behling
Schon 2011 haben die deutsche und die dänische Polizei Sicherungsmaßnahmen gegen Angreifer auf Atommüll-Transporte geprobt. Quelle: FB
Brunsbüttel

Es geht konkret um 26 Castor-Behälter mit Atommüll, der aus den Anlagen Sellafield (Großbritannien) und Le Hague (Frankreich) stammt. Diese Behälter sollten eigentlich zu Lagerstätten im  Binnenland gebracht werden. Für lange Landwege wären zur Sicherung von Schienen und Straßen Tausende Polizisten erforderlich. Der Seeweg gilt als leichter zu schützende Alternative. „Die Bundespolizei  ist darauf vorbereitet“, sagt Matthias Menge von der Bundespolizeidirektion in Bad Bramstedt. Die Bundespolizei habe bereits mehrfach Szenarien geübt, bei denen es um den Schutz von Transporten auf See geht. So im September 2011 auf der Ostsee, als mit der dänischen  Polizei das Entern von Schiffen möglicher Störer geübt wurde.

 Die Bundespolizei hält in Schleswig-Holstein eine Hubschrauberstaffel sowie auf Nord- und Ostsee sechs große Einsatzschiffe bereit. Außerdem gibt es bei jeder der drei See-Inspektionen der Bundespolizei je eine  Maritime Eingreifgruppe (MEG). Das sind Beamte, die notfalls aus Hubschraubern oder Schlauchbooten abgesetzt werden und Transportschiffe eskortieren können.

 Beim Thema Transportschiff tut sich etwas. In Rumänien wird der Frachter „Sigrid“ fertiggestellt. Die 100 Meter lange und 18,6 Meter breite Frachtfähre ist der zweite  Spezialfrachter für den Transport hochradioaktiver Güter. Auftrageber und Reeder ist die Svensk Kärnbränslehantering AB (SKB), die schwedische Kernkraftwerksgesellschaft. Die „Sigrid“ soll die bereits seit 1982 eingesetzte Frachtfähre „Sigyn“ ergänzen. Die „Sigyn“ ist  in Schleswig-Holstein durch Transporte von Brennstäben durch den Nord-Ostsee-Kanal sowie nach Lübeck bekannt.  Auch sie wird von der SKB betrieben. Schwedens Atomkraftwerke liegen allesamt an den Küsten. Das gilt auch für das Atommüll-Endlager in Forsmak an der Ostküste.

 Derzeit gehen schwimmende Transporte mit strahlender  Ladung auch regelmäßig via Nord-Ostsee-Kanal nach St. Petersburg oder von dort nach Hamburg, Bremerhaven, Rotterdam und Antwerpen. In Hamburg wurden 2012 insgesamt 117 Transporte mit nuklearen Gütern nach Nordamerika, Schweden oder Großbritannien geladen. Zwischen November 2012 und Februar 2013 wurden allein 19 Schiffstransporte in Hamburg gezählt. Meist in Containern mit normalen Frachtschiffen. Im Kanal ist im Schnitt alle zehn Tage ein Transprt mit radioaktivem Material unterwegs. „Diese Transporte laufen seit Jahren und werden von uns auch beobachtet und begleitet“, sagt Polizeisprecher Menge.

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Der Bund möchte alle weiteren Castor-Transporte ins Zwischenlager Brunsbüttel bringen. Das geht aus einem Schreiben von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Altmaier kommt darin zu dem Ergebnis, dass eine Unterbringung von bis zu 26 Castoren in Brunsbüttel „den Vorzug verdient“. Brunsbüttel könnte damit Gorleben als Zwischenlager ablösen.

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