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Hamburg Maritimes Zentrum entwickelt sein Profil
Nachrichten Hamburg Maritimes Zentrum entwickelt sein Profil
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08:16 30.04.2018
Wolfgang Sichermann ist Geschäftsführer des Deutschen Maritimen Zentrums. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Hamburg

Seit einem Monat hat Wolfgang Sichermann einen neuen Job und ist der erste Geschäftsführer des Deutschen Maritimen Zentrums (DMZ). Noch ist der 42-jährige Schiffbauingenieur der einzige Beschäftigte des DMZ, doch das soll sich schon bald ändern. „Wir wollen in drei Monaten vollständig arbeitsfähig sein“, sagte Sichermann.

Im Mai sollen Büroräume in der Nähe des Hamburger Hafens bezogen und weitere Arbeitsverträge unterschrieben werden. Noch wichtiger: Die neue Institution auf der maritimen Bühne muss ihr Profil bestimmen.

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Deutsches Maritime Zentrum versteht sich als Denkfabrik

Das DMZ soll keine neue Behörde werden und auch kein Super-Verband, der für alle in der Branche sprechen könnte. Eher eine Art Denkfabrik, die sich die langfristigen Trends und Entwicklungen in der Schifffahrt, beim Schiffbau und in den Häfen ansieht und Herausforderungen benennt und analysiert.

„Ein Beispiel wäre das autonom fahrende Schiff ohne Besatzung“, sagte Sichermann. Ein großes Thema in der Branche. Die Werften schauen darauf unter dem Aspekt der technischen Entwicklung, die Reeder auf den laufenden Schiffsbetrieb und die Häfen auf die Sicherheit und Infrastruktur. „Wir werden versuchen, einen 360-Grad-Blick zu entwickeln“, meint der Geschäftsführer. Viele Dinge gehören in der Branche zusammen, werden aber oftmals einzeln gesehen.

Ein paar andere Beispiele: Welches ist der Schiffsantrieb der Zukunft? Die Umweltvorschriften für Schiffe werden weltweit immer schärfer, das Aus für die Schweröl-Motoren der Handelsschiffe ist über kurz oder lang unausweichlich. Ist das verflüssigte Erdgas (LNG) eine langfristige Alternative?

Oder nimmt die Entwicklung eine ganz andere Richtung? Welche Rolle wird China künftig spielen, nachdem die Regierung den Bau von anspruchsvollen Kreuzfahrtschiffen zu ihrem strategischen Ziel erklärt hat und den Weltmarkt erobern will? Wie wird die Digitalisierung die maritimen Branchen verändern?

Experten für DMZ gesucht

Um Antworten auf diese und andere Fragen zu finden, sucht Sichermann rund ein Dutzend Experten, aus der Praxis ebenso wie aus der universitären Forschung. Das sollen nicht unbedingt Ingenieure sein, sondern ebenso Wirtschaftswissenschaftler oder Vertreter anderer akademischer Disziplinen.

Sie sollen Lösungspfade und neue Chancen aufzeigen und so die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Branche stärken. „Wir wollen die Themen und die Akteure besser verknüpfen und den Austausch intensivieren“, sagt Sichermann. Er selbst hat in Emden, Hamburg und Kiel bei ThyssenKrupp Marine Systems als Entwicklungsingenieur anspruchsvolle Projekte betreut und ist bestens vernetzt.

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Manches bleibt noch unbestimmt, so lange das Zentrum seine Arbeit nicht aufgenommen hat. Den strategischen Rahmen wird der Geschäftsführer gemeinsam mit dem Vorstand noch präziser abstecken. Die Vereinssatzung lässt dafür Spielraum: „Zweck des Vereins ist es, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des gesamten deutschen maritimen Standortes zu erhöhen und das Know-how sowie die Berufsperspektiven in der maritimen Wirtschaft zu stärken“, heißt es darin. „Dazu gehört auch die Bearbeitung und Koordinierung von maritimen Querschnittsthemen, die eine branchenübergreifende Betrachtung erfordern.“

Über das Deutsche Maritime Zentrum

Das DMZ ist organisiert als ein Verein, in dem sich Wirtschaft und Politik zusammengefunden haben. Zu den Gründungsmitgliedern zählen der Bund und die Länder Hamburg und Niedersachsen, ebenso wie die Verbände der Boots- und Schiffbauer (DBSV, VSM), der Reeder (VDR), der Häfen (ZDS) und der Schiffsmakler (ZVDS).

Mittlerweile haben auch die übrigen Küstenländer ihre Aufnahme beantragt und der Verein bemüht sich um weitere Mitglieder. Finanziert wird das DMZ zunächst vom Bund mit neun Millionen Euro für drei Jahre. Dem Vorstand gehören Spitzenbeamte und Verbandsfunktionäre an.

Von dpa

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