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Hamburg Schleswig-Holstein hofft und hilft
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11:15 12.11.2013
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Erste Hilfe kommt vorerst aus der Luft: Hubschrauber flogen am Montag Säcke mit dringend benötigten Gütern in die Nähe der vom Taifun „Haiyan“ zerstörten Stadt Tacloban auf den Philippinen. Quelle: dpa
Kiel

Der Norden hilft und hofft: Der Taifun „Haiyan“ hat Regionen der westpazifischen Philippinen vollständig verwüstet. Auch aus der Landeshauptstadt Kiel gibt es zahlreiche persönliche und organisatorische Verbindungen zu den Philippinen. In der Deutsch-Philippinischen Gesellschaft in Kiel macht man sich große Sorgen: Kassenwartin Sabina Freese wohnt in Kiel und stammt von den betroffenen Inseln. Sie versucht noch, den Kontakt zu ihrer Cousine in Tacloban aufzubauen. „Da ist ein Telefon, das klingelt. Aber niemand hebt ab“, sagt sie besorgt. Ihre Cousine aus Kalifornien habe ihr berichtet, alles sei kaputt. „Das ist schlimm. Das ist eine Katastrophe“, meint Freese.

 Die Vorsitzende der Deutsch-Philippinischen Gesellschaft, Eleanor Hennighausen, wurde von Mitgliedern über die verheerenden Auswirkungen in den verwüsteten Regionen informiert. „Was sonst 20 Euro kostet, kostet jetzt 60“, beschreibt sie die Folgen der Nahrungsmittelknappheit. Der Erlös der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Gesellschaft Anfang November wird daher komplett in die Hilfe vor Ort gehen. Doch Hennighausen weiß: „Zu vielen Regionen, die abgeschnitten sind, kommt man noch gar nicht hin.“ Und Kassenwartin Freese ergänzt: „Man weiß nicht, ob das Geld ankommt.“

 Damit Spenden die Taifun-Opfer auf den Philippinen möglichst schnell erreichen, sollte der Verwendungszweck daher möglichst breit gefasst sein. „Die Organisationen müssen sich vor Ort erst ein Bild verschaffen, was genau benötigt wird“, erklärt Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat. Eine Zweckangabe wie „Lebensmittel für die Philippinen“ statt einfach nur „Philippinen“ oder „Taifun“ schränke die Helfer unnötig ein. Felser rät außerdem zu Geld- anstatt Sachspenden: „Zum jetzigen Zeitpunkt geht es ums nackte Überleben.“

 Flexibel einsetzbares Geld sei deshalb sinnvoller als beispielsweise Kuscheltiere oder Fahrräder. Ignorieren sollten Verbraucher dagegen Spendenaufrufe, die scheinbar von Privatpersonen per E-Mail oder über soziale Netzwerke verschickt werden. „Ketten-E-Mails sind fast immer unseriös“, warnt Rainer Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen.

 Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein hat in Rendsburg zu Spenden für die Taifun-Opfer aufgerufen. „Die vielen verzweifelten Menschen brauchen unsere Hilfe“, sagt Landespastorin Petra Thobaben. Die Diakonie-Katastrophenhilfe arbeite seit Jahren mit Partnerorganisationen in der Region zusammen, die erfahren sind und effektiv Hilfe leisten können. Die Nordkirche hat für Soforthilfemaßnahmen bereits 20000 Euro zur Verfügung gestellt. Helfen will auch das Rostocker Kreuzfahrtunternehmen Aida Cruises, denn etwa 800 Mitarbeiter an Bord der Kreuzfahrerflotte, deren Schiffe auch den Kieler Hafen anlaufen, kommen aus den am schwersten betroffenen Regionen. Als Soforthilfe sollen 100000 Dollar zur Verfügung gestellt werden, verspricht Cruises-Präsident Michael Ungerer.

 Nonie Olmedo ist Ansprechpartner der philippinischen Seeleute in der Seemannsmission Duckdalben Hamburg-Harburg: Die meisten Arbeiter, die dort unterkommen, stammen von der pazifischen Inselgruppe. Dennoch hat Olmedo erst von einem Philippiner gehört, dessen Schwester unmittelbar von „Haiyan“ betroffen ist: „Er hat ganz schnell Geld überwiesen.“ Die meisten könnten ihre Angehörigen per Handy erreichen, beschreibt Olmedo. Wie die Mission mit der Situation umgehe? Olmedo: „Wir haben heute eine Teamsitzung, in der wir alles besprechen.“

 Hier ein Auswahl von Spendenkonten: Diakonie Katastrophenhilfe: Kennwort „Philippinen“, Konto 502502, Evangelische Darlehensgenossenschaft Kiel, BLZ 210 602 37, Caritas international: Kennwort „Nothilfe Taifun“, Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00, DRK: Kennwort „Wirbelsturm“, Konto 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ 370 205 00, Ärzte ohne Grenzen: Kennwort „Philippinen und andere“, Konto 97 097, Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ 370 205 00.

 Von Niklas Wieczorek und Jan v. Schmidt-Phiseldeck

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