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Hamburg Für die Flüchtlinge ist alles hergerichtet
Nachrichten Hamburg Für die Flüchtlinge ist alles hergerichtet
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10:20 01.04.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
„Es geht los“: Katja Ralfs, die Leiterin der Erstaufnahme für Flüchtlinge in der Boostedter Rantzau-Kaserne, zeigt die zur Kantine umgebaute Turnhalle, in der ab heute Flüchtlinge mit Mahlzeiten versorgt werden. Quelle: Karsten Leng
Boostedt

Innenminister Stefan Studt (SPD) sieht Schleswig-Holstein auf dem richtigen Weg zu einer Willkommenskultur. „Viele Beispiele großartiger ehrenamtlicher Hilfsinitiativen zeigen eindrucksvoll, dass immer mehr Menschen in unserem Land diese Einstellung verinnerlichen und praktisch umsetzen.“ Es sei Aufgabe der Gesellschaft, den Flüchtlingen einen Platz in ihrer Mitte zu bieten. „Ein erster wichtiger Baustein ist der Ausbau der Erstaufnahmekapazitäten“.

Hier gibt es einen ersten Erfolg. Die ersten Flüchtlinge und Asylbewerber sind am Mittwoch in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt bei Neumünster eingetroffen. Rund 30 Menschen seien um 8.30 Uhr mit Taxis und Kleinbussen von der überfüllten Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster ins knapp 15 Minuten entfernte Boostedt gefahren worden, sagte der Leiter Ulf Döhring.

Geplant sind mindestens zwei weitere Anlaufstellen, darunter eine in Kiel entweder auf dem Uni-Gelände (Bremerskamp) oder in einer alten Marineschule (Wik). Studt, der im Gespräch mit Stadt und Uni ist, will das Konzept bis zum 6. Mai vorlegen. An diesem Tag lädt die Regierung Kommunen, Wohnungsunternehmen und Sozialverbände zu einem Flüchtlingsgipfel nach Kiel ein.

Städte, Gemeinden und Bürger richten unterdessen Quartiere für die Flüchtlinge ein, die über die Anlaufstellen in ganz Schleswig-Holstein verteilt werden. Am Montag siedelten 16 Asylbewerber aus Kieler Hotels in die MFG5-Kaserne um. Nach Ostern sollen dort 100 Flüchtlinge – etwa aus Syrien und dem Iran – leben, bis Sommer insgesamt 300. Das Amt Dänischer Wohld baute in Gettorf einen früheren Supermarkt in eine Sammelunterkunft für 35 Flüchtlinge um. In Blumenthal (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat ein Ehepaar seine Ferienwohnung modernisiert, um heute erste Flüchtlinge aufzunehmen. Die Nachbarn haben Hilfe zugesagt. Offen ist, wie stark die Flüchtlingswelle ausfallen wird. Nach Angaben des Innenministeriums sind die Bewerberzahlen – 1087 im Januar und 1262 im Februar – im März leicht gesunken. Studt hält aber an der Jahresprognose (bis zu 20000 Flüchtlinge) fest. So oder so dürften 2015 mehr Asylbewerber nach Schleswig-Holstein kommen als im bisherigen Rekordjahr 1992 (12147 Flüchtlinge). Sie werden nach Einwohnerzahl auf Kreise und Städte verteilt. Die meisten Flüchtlinge (10,4 Prozent) erhält der Kreis Pinneberg, die wenigsten Neumünster (3,0 Prozent).

103 Betten stehen bereit

Am Mittwoch ziehen die ersten Flüchtlinge in die neue Erstaufnahmestelle für Asylsuchende des Landes in die Rantzau-Kaserne in Boostedt ein. Das DRK-Betreuungsteam ist vorbereitet. Die Polizeiwache ist besetzt, und die Zimmer in einem der fünf Kasernengebäude sind für die Aufnahme bezugsfertig eingerichtet. Ziel ist, die bisher einzige Aufnahmestelle in Neumünster zu entlasten.

„Endlich geht es los“, freut sich Katja Ralfs. Die Dezernatsleiterin des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten in Neumünster und Chefin der Boostedter Landesunterkunft hat dieser Tage viel zu tun. Heute werden die ersten 50 Flüchtlinge erwartet. Zu den Aufgaben von Ralfs gehört auch die Koordination der umfangreichen Umbaumaßnahmen an den Gebäuden. In einer Turnhalle, die als Kantine genutzt wird, sind Tische und Stühle aufgebaut. Mitarbeiter eines Catering-Unternehmens waren in den vergangenen Tagen damit beschäftigt, Tresen für die Essensausgabe zu installieren. „Die Bewohner werden hier täglich mit drei Mahlzeiten verpflegt werden“, berichtet Katja Ralfs. Vor der Halle sind Toilettencontainer aufgebaut.

 Im Verwaltungsgebäude herrscht hektische Betriebsamkeit. Die Büros der Mitarbeiter des Landesamtes sind eingerichtet. Im Erdgeschoss haben vier Polizeibeamte der Polizeidirektion Neumünster seit einer Woche die Arbeit in ihrer Wache aufgenommen. Als sichtbares Zeichen für die Präsenz der Ordnungshüter parkt ein Streifenwagen vor dem Gebäude.

 Ein Wohnblock ist bezugsfertig hergerichtet. Dort stehen in 28 Zimmern 103 Betten für die Bewohner bereit. Vom Zweibettzimmer mit zehn Quadratmetern bis zu größeren Räumen für Familien mit fünf Personen reicht das Raumangebot. Duschen und Toiletten sind am Ende der langen Flure für Männer und Frauen getrennt hergerichtet. In einem großen Aufenthaltsraum ist an einer Wand ein großer Flachbild-Fernseher montiert. „Hier können die Bewohner sich treffen, Fernsehen schauen und spielen“, sagt Ralfs.

 Gleich nebenan hat sich das Betreuungsteam des DRK-Kreisverbands Neumünster niedergelassen. „Wir gehen mit zehn Mitarbeitern an den Start“, berichtet Maria von Glischinski, Leiterin des Teams. Ihr stehen erfahrene Sozialberater, Freizeitbetreuer und Verfahrensberater zur Seite, die über eine entsprechende Berufsausbildung verfügen. „Wir haben keine Probleme, die Zahl der Mitarbeiter auf 18 bis 20 aufzustocken, wenn die geplante Maximalbelegung von 500 Bewohnern erreicht ist“, sagt der Chef des DRK-Kreisverbands, Sven Lorenz. Das wird noch eine Weile dauern. Mitte April werden rund 100 Bewohner in der Unterkunft leben. Mit der Fertigstellung zweier weiterer Wohnblöcke Anfang Mai wird die Kapazität zunächst auf 350 Flüchtlinge erweitert werden.

Von Ulf B. Christen und Karsten Leng

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