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Hamburg Erster Coronavirus-Fall in SH: Kinderarzt aus dem Kreis Segeberg infiziert
Nachrichten Hamburg Erster Coronavirus-Fall in SH: Kinderarzt aus dem Kreis Segeberg infiziert
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13:09 28.02.2020
Erstmals ist in Hamburg eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Es handele sich um einen Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Quelle: Georg Wendt/dpa
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Hamburg

Das neuartige Corona-Virus ist im Norden angekommen. Ein Kinderarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat sich infiziert. Es ist die erste nachgewiesene Infektion mit Sars-CoV-2 in Hamburg, wie die Klinik und die Behörde für Gesundheit mitteilten.

Der Mann stammt aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg), etwa eine halbe Stunde nördlich von Hamburg. Der UKE-Mitarbeiter war den Informationen des Krankenhauses und der Behörde zufolge in Italien im Trentino im Urlaub gewesen und am Sonntag an seinen Wohnort in Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Der Mann befindet sich dort in häuslicher Isolation, wie das Gesundheitsministerium in Kiel mitteilte.

Krankheitssymptome nach Italien-Urlaub aufgetreten

Am Montag habe er noch am UKE gearbeitet – und dann am Dienstag während der Arbeit Krankheitssymptome entwickelt. Daraufhin habe er den Dienst abgebrochen, hieß es weiter.

Alle Kinder und Eltern, die engen Kontakt mit dem Mitarbeiter hatten, gehen demnach nun 14 Tage in Quarantäne - je nach Gesundheitszustand im UKE oder zu Hause. Auch andere Mitarbeiter gehen nun in eine häusliche Isolation. Auf der betroffenen Station sollen vorerst keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden.

Umfeld des Patienten wird getestet

Die Kontaktpersonen des Erkrankten sollten informiert und getestet werden. Das Trentino sei nicht als Risikogebiet für das neuartige Coronavirus definiert gewesen, hieß es. Nach Angaben der Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) Senatorin wurden etwa 50 Kontaktpersonen des Erkrankten aus Henstedt-Ulzburg identifiziert.

„Alle bisher vorliegenden Ergebnisse sind negativ“, sagte die Senatorin. Es gehe aber nicht nur darum, die betroffenen Kontaktpersonen zu testen, sondern auch zu isolieren. Entweder Patienten und Patientinnen im UKE gemeinsam mit ihren Eltern oder aber - wenn ihre Situation das zulasse - zuhause. „Das sind Maßnahmen, die das Gesundheitsamt verhängt und auch überwacht“, sagte die Senatorin. Nach Angaben des Leiters des zuständigen Fachstabs, Martin Dirksen-Fischer, waren von den rund 50 Betroffenen 27 Patienten, die auf der Station im UKE isoliert worden sind.

Über die weiteren Vorkehrungen am Wohnort des Patienten in Henstedt-Ulzburg wollten die Behörden in Schleswig-Holstein am Freitagnachmittag informieren. Neben Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) wollte auch der Segeberger Landrat Jan Peter Schröder über Maßnahmen in dem Kreis berichten.

Keine Einschränkungen in Henstedt-Ulzburg

Nach Angaben der Stadt Henstedt-Ulzburg hat der Fall bisher keine Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Folge. So gebe es auch keine Straßensperrungen oder ähnliches, sagte Bürgermeister Stefan Bauer (parteilos) am Freitag. „Wir reden über einen Einzelfall.“

Es gebe derzeit keinerlei Hinweise, dass die Stadt in den Katastrophenschutzmodus gehen müsse. Sollten Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen in Henstedt-Ulzburg betroffen sein, ändere sich die Lage. „Dann gilt es zu überlegen, wie wir reagieren“, sagt Bauer.

Er rief die Bewohner der Gemeinde im Kreis Segeberg auf, besonnen und ruhig zu bleiben und die Verhaltensregeln des Robert-Koch-Instituts zu befolgen. „Hierzu zählen die Einhaltung der Husten- und Nies-Etikette sowie eine gute Händehygiene.“

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Krankenhäuser in SH bereiten sich vor

Auch in Schleswig-Holstein bereiten sich die Gesundheitsbehörden und Krankenhäuser auf mögliche Fälle einer Covid-19-Erkrankung vor. Ein interner Führungsstab im Gesundheitsministerium Ministerium befinde sich in engem Austausch mit den Ämtern und Kliniken, hatte ein Sprecher am Donnerstag gesagt.

Am Freitag will auch der Krisenstab der Bundesregierung über weitere Vorkehrungen beraten. Thema soll nach Angaben von Gesundheits- und Innenministerium unter anderem der Umgang mit Großveranstaltungen wie Messen sein. So geht es um Auswirkungen auf die Internationale Tourismusbörse (ITB), die am 4. März in Berlin beginnen soll.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion forderte unterdessen eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses in der nächsten Woche. Fraktionschef André Trepoll erklärte: „Uns erreichen immer mehr besorgte Anfragen von verunsicherten Menschen in Hamburg.“ Sie berichteten von nicht ausreichend informierten Arztpraxen und Kliniken. Auch Schulen, Kitas, Lehrer und Erzieher hätten keine ausreichende Kenntnis, wie sie mit diesen Herausforderungen in und nach den Hamburger Märzferien umgehen sollen.

WHO warnt: Erreger hat „pandemisches Potenzial“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am Donnerstag, der neue Erreger habe „pandemisches Potenzial“ und könnte ohne die richtigen Maßnahmen „außer Kontrolle geraten“. Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome.

15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, sagte der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI). Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Sars-CoV-2-Infizierten, was höher als bei der Grippe ist.

Insgesamt stieg die Zahl der bestätigten Infektionen in Deutschland innerhalb eines Tages um mehr als das Dreifache auf über 30. Allein in Nordrhein-Westfalen sollen zudem geschätzt rund 1000 Menschen in Quarantäne sein.

Von RND/dpa

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