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Hamburg Extrawurst für Polizeichef: Korruption?
Nachrichten Hamburg Extrawurst für Polizeichef: Korruption?
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00:17 03.02.2013
Von Bastian Modrow
Der ehemalige Geesthachter Polizei-Chef Henry H. mochte es offenkundig deftig. Er warb aktiv um Gratis-Wurstwaren für Skat-Turniere. Quelle: Jann
Kiel/Geesthacht

Was für den Normalmenschen amüsant klingt, belustigt die Juristen überhaupt nicht. Der Kieler Staatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer ermittelt gegen den ehemaligen leitenden Beamten Henry H.. Der heute 61-Jährige soll zwischen 2007 und 2010 nicht nur Sachspenden in Form von Fleisch- und Wurstwaren für Skat- und Doppelkopf-Turniere der Polizei Geesthacht angenommen haben. Mehr noch: Er soll sogar Kollegen insgesamt viermal dazu angestiftet haben, gezielt bei Metzgern um kostenlose Schinken, Leber- und Mettwürste zu werben.

Für den Kieler Ermittler sind dies Verdachtsfälle der Vorteilsnahme. Tatsächlich ist es der Polizei nämlich strengstens untersagt, Geschenke und Zuwendungen jedweder Form anzunehmen.

Die Staatsanwaltschaft hatte nun zunächst Anklage erhoben – wegen „Verleitung Untergebener zu Straftaten“. Ein Antrag, den das Ratzeburger Amtsgericht allerdings wegen „Geringfügigkeit“ abschmetterte. Das sorgte wiederum bei den Strafermittlern in der Landeshauptstadt für Missstimmung. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde beim Landgericht in Lübeck ein. Nun sind die Richter in der Hansestadt am Zuge. Sie müssen befinden, ob Henry H. vor den Kadi muss oder eine Extrawurst bekommt.

Pikant: 2009 gab es schon einmal Wirbel um den Polizei-Chef. Damals war bekannt geworden, dass der Hauptkommissar regelmäßig mit dem Streifenwagen von Geesthacht zum Kreistag nach Ratzeburg gefahren sein soll. Dort saß H. als Abgeordneter der CDU. Im Fahrtenbuch des Dienstwagens soll der Beamte die privaten Touren als „Streifenfahrt“ oder „Kurierfahrt“ vermerkt haben. Im Prozess sprach der Beschuldigte von einer „Eselei“, schrieb die „Hamburger Morgenpost“. Der Richter sprach von Betrug, verurteilte den ehemaligen Polizisten zu einer Gelstrafe von 7150 Euro auf Bewährung. Zusätzlich habe der Geesthachter 3000 Euro an die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ zahlen müssen.

Sollte im Wurst-Verfahren nun das Landgericht der Anklage der Staatsanwaltschaft folgen, könnte es entsprechend haarig werden. Das Strafgesetzbuch sieht im Fall einer Verurteilung Geldstrafen und bis zu drei Jahre Gefängnis vor.