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Hamburg Führerschein weg für säumige Väter?
Nachrichten Hamburg Führerschein weg für säumige Väter?
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00:17 07.03.2013
Von Heike Stüben
Ein Führerschein-Entzug könnte ein Druckmittel für säumige Väter sein. Quelle: dpa
Kiel

Ein säumiger Vater war aus der Landeshauptstadt in die USA gezogen. Die Stadt Kiel forderte über das DIJuF den von ihr gezahlten Unterhaltsvorschuss zurück. „Daraufhin zogen die US-Behörden den Führerschein des Mannes ein. Kurz darauf überwies er 10000 Euro“, sagt Eva Jordan, Abteilungsleiterin beim Kieler Amt für Familie und Soziales. Sie hält es für wünschenswert, dieses Instrument auch in Deutschland einsetzen zu können.

Sowohl Parkkralle als auch Führerscheinentzug sind rechtlich in Deutschland umstritten. Der Leiter des DIJuF, Thomas Meysen, hält beides für rechtlich zulässig und insgesamt mehr Kreativität im Umgang mit säumigen Unterhaltspflichtigen für angemessen. Deshalb hat er 250 Vertreter von Regierungen, Behörden sowie Juristen aus 50 Staaten zwecks Austausch und Vernetzung für heute nach Heidelberg eingeladen.

Wie hoch der Anteil der Unterhaltsverweigerer ist, wird in Deutschland bisher nicht erfasst. „Man geht davon aus, dass 50 Prozent Unterhalt zahlen, 25 nur teilweise und 25 gar nicht“, sagt Meysen.

Auch in Schleswig-Holstein weiß man nur, dass das Problem konstant groß ist: 2012 gaben Land und Bund insgesamt 34,4 Millionen Euro für Unterhaltsvorschuss aus. 20,8 Prozent konnte man zurückholen. Von den 18800 betroffenen Kindern leben die meisten in Kiel, Lübeck, den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Segeberg und Pinneberg.

Allein in Kiel gab die öffentliche Hand 4,2 Millionen Euro aus – und konnte nur 16 Prozent der Summe eintreiben. Im Kreis Plön wurden für 620 Kinder fast 1,2 Millionen Euro vorgestreckt. Etwa 35 Prozent holte man sich von den Schuldnern zurück. „Die häufigsten Mittel sind Lohn- und Kontopfändungen. Und wir greifen anstehende Steuererstattungen ab“, sagt Ina Walter vom Kreis Plön.

In Süddeutschland zieht man eher vor Gericht. Gerade wurde in Franken ein Vater zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Widerspruch gibt es dazu aus Kiel: „Wir setzen das Mittel ein, das dem Kind am ehesten hilft“, sagt Eva Jordan. Von einer Verurteilung habe das Kind noch kein Geld. Sie löse eher Schuldgefühle aus, unter denen die Kinder ohnehin oft litten

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