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Hamburg Gegen Sport unter Hochspannung
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07:48 27.02.2012
Von Heike Stüben
Direkt am Sportplatz der Quickborner Schule ist eine 380.000-Volt-Trasse geplant - für Stefan Leutner geht das nur als Erdkabel oder in größerer Entfernung. Quelle: Foto Peter
Kiel/Quickborn

Bei Günter Hansen führen die 220.000-Volt-Leitungen direkt über den Garten. Ein Stückchen weiter laufen sie direkt am Sportplatz vorbei, nah an der Schule. „1000 Kinder und Jugendliche sitzen hier jeden Tag, bald auch Grundschüler. Und dann soll hier eine 380.000-Volt-Leitung laufen? Das geht gar nicht“, sagt Burkhard Jaeckel von der BürgerinitiativeQuickborn gegen Riesenmasten“. Die Siedlung im Süden der Stadt kämpft seit Jahren für das, was auch andere Schleswig-Holsteiner beim Netzausbau fordern: Höchstspannungsleitungen in sensiblen Bereichen – ab in die Erde.

 Nein, sie gehören nicht zu denen, die sagen: Energiewende und Netzausbau ja gerne, aber bitte nicht bei uns. „Wir wissen, dass der Ausbau notwendig ist, um den Windstrom zu den Verbrauchern zu transportieren, und wir wollen die Trassen auch nicht auf andere abwälzen“, betont Stefan Leutner von der Bürgerinitiative. Er wohnt mit Frau und zwei Söhnen 80 Meter von der Trasse entfernt. „Die Kinder sind meist in der Schule, die ebenfalls nur 80 Meter von der Trasse entfernt ist oder hier. Wenn die 220.000-Volt-Leitung jetzt durch eine mit 380.000 Volt ersetzt wird, vervierfacht sich die elektromagnetische Strahlung. Das ist für die Kinder und Jugendlichen hier nicht hinnehmbar.“ 1500 Meter Erdkabel wären notwendig, um die Gefährdung der Kinder abzuwenden – vorher und im Anschluss könnte die Trasse wieder überirdisch laufen.

 Geplant wird die neue Höchstspannungsleitung schon seit 2005. Die ersten Jahre, so erinnert sich Günter Hansen, bekamen die Bürger davon allerdings gar nichts mit. Die jetzige 220000-Volt-Leitung kam Anfang der 60er Jahre. 19,1 Meter entfernt von Hansens Haus. „Damals hat man sich nichts dabei gedacht. Von Elektrosmog wusste man ja nichts. Erst mit den Jahren kamen die Bedenken.“ Als ihm 2008 die Mitteilung ins Haus flatterte, auf die Trasse komme eine 380000-Volt-Leitung, holte er sich Rat bei seinem Nachbarn, dem promovierten Physiker Werner Schneider. Schnell war klar: Die anderen in der Siedlung waren nicht informiert. Man organisierte Informationsveranstaltungen, ging in Ausschüsse, kontaktierte den Netzbetreiber und gründet die BürgerinitiativeQuickborn unter Höchstspannung“.

 Später folgte die zweite Initiative, auch die Stadt wurde aktiv: Inzwischen hat sie ein Gutachten in Auftrag gegeben und will klagen, wenn das Planfeststellungsverfahren keine akzeptable Lösung bietet. Auch Bürger erwägen dann eine Klage. Damit stünde Quickborn nicht allein: Bundesweit sind bereits 80 Klagen gegen den Netzausbau anhängig.

 Nicht überall ist das notwendig. In Gnutz zum Beispiel oder auch in Moorrege und Kummerfeld hat man sich mit Netzbetreiber TenneT geeinigt. Die Trasse verläuft nun weiter entfernt von den Häusern als geplant. „Doch das ist nicht immer möglich, weil dann andere betroffen wären.“ Burkhard Jaeckel hält deshalb eine bundesweite Bewegung für notwendig, um die gesetzlichen Grundlagen für Erdkabel durchzusetzen. Dann ließen sich auch die Argumente gegen Erdkabel – zu teuer, technisch nicht machbar – widerlegen. „Kopenhagen, Madrid, London, Rotterdam und Mailand zeigen, dass das technisch machbar ist.“ Und Christian Müller von der Deutschen Energieagentur erklärt: „Der Ausbau mit Freileitungen verteuert die Kilowattstunde um 0,2 Cent, mit Erdkabel um 0,5 Cent.“