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Hamburg Mann will Prozess verzögern und verletzt sich im Gericht selbst
Nachrichten Hamburg Mann will Prozess verzögern und verletzt sich im Gericht selbst
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15:44 29.10.2019
Ein Justizbeamter steht vor einem Gerichtssaal im Strafjustizgebäude. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Hamburg

Um einer Gerichtsverhandlung zu entgehen, hat sich ein ehemaliger Rechtsanwalt in Hamburg mit einem Messer mutmaßlich selbst verletzt. Es sei möglich, dass der 56 Jahre alte Mann damit ein Berufungsverfahren gegen ihn hinaus zögern wollte, sagte ein Sprecher des Landgerichts am Dienstag in Hamburg.

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Polizei vermutet zunächst flüchtigen Täter

Der Mann war demzufolge am Morgen im Eingangsbereich des Landgerichts zusammengebrochen, nachdem er durch ein Messer verwundet worden war. Weil die Polizei zunächst von einem flüchtigen Täter ausgegangen war, hatte sie eine Großfahndung inklusive Hubschraubereinsatz gestartet. Im Zuge dieser Suche konnten die Hamburger U- und S-Bahnen zwischenzeitlich mehrere Haltestellen nicht anfahren und fuhren ohne Halt an der mutmaßlichen Gefahrenzone vorbei.

Im Laufe des Vormittags zeigten die Ermittlungen jedoch, dass der Mann sich die Verletzungen auch selbst zugefügt haben könnte, um seiner Gerichtsverhandlung zu entgehen. Dafür spreche die Vorgeschichte des Mannes, wie der Gerichtssprecher dazu sagte.

Angeklagter ist ehemaliger Rechtsanwalt

Demnach handelt es sich bei dem Opfer um einen ehemaligen Rechtsanwalt, der Anfang des Jahres vom Amtsgericht Hamburg wegen Veruntreuung von Mandantengeldern zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden war. Der ehemalige Verteidiger hatte zwei Mandanten nur einen Teil der insgesamt 500 000 Euro aus Nachlassverfahren ausgezahlt, einen Großteil aber für sich behalten.

Gegen das Urteil hatte der 56-Jährige Berufung eingelegt - das Verfahren sollte am Dienstagmorgen beginnen. Da der Angeklagte allerdings schon zuvor die amtsgerichtlichen Verhandlungen durch wiederholte Krankmeldung verzögert habe, sei an diesem Morgen ein Arzt im Gerichtsgebäude gewesen. Dieser habe dann den Verletzten identifizieren können.

Schwer verletzt ins Krankenhaus

Die Verhandlung war zunächst auf den Nachmittag verschoben worden. Zudem sollte geklärt werden, ob sich der Mann tatsächlich selbst verletzt hatte. In diesem Fall würde die Berufung gestoppt und das Urteil des Amtsgerichtes für rechtskräftig erklärt werden, wie der Gerichtssprecher sagte.

Es waren umfangreiche Fahndungsmaßnahmen eingeleitet worden, der Polizeihubschrauber Libelle war im Einsatz und auch der Bahnverkehr in der Umgebung war durch den Polizeieinsatz vorübergehend beeinträchtigt. Der Mann war mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden.

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Von dpa

29.10.2019
28.10.2019