Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Hamburg Großstädte werden zu Corona-Hotspots: Infektionen steigen in Hamburg
Nachrichten Hamburg

Großstädte werden zu Corona-Hotspots: Infektionen steigen in Hamburg

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 09.10.2020
Nach Video-Konferenz mit der Bundeskanzlerin: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hält weitere Beschränkungen in Großstädten für unvermeidlich, wenn Zahlen nicht sinken. Quelle: Axel Schmidt/Reuters Pool/Kay Nietfeld/dpa
Anzeige
Hamburg/Berlin

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hält weitere Beschränkungen in Großstädten für unvermeidlich, falls der Anstieg der Corona-Zahlen nicht binnen zehn Tagen durch die bereits getroffenen Regelungen gestoppt werden kann. Es dürfe nicht das passieren, was europäische Nachbarländer derzeit erlebten, in denen es drastischere Einschnitte gebe, die einem Lockdown oder einem Teil-Lockdown nahe kämen, sagte er am Freitag in Berlin nach einer Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vertretern anderer Großstädte. Der 7-Tage-Inzidenzwert in Hamburg stieg unterdessen mit 145 Neuinfektionen zum zweiten Mal in Folge über 35. Damit dürften ab Montag bereits beschlossene Verschärfungen greifen.

Bei der Konferenz mit der Kanzlerin einigten sich die Oberbürgermeister und Bürgermeister der elf größten deutschen Städte darauf, im Falle eines weiteren Anstiegs der Zahlen gezielte Beschränkungen anzuordnen, um öffentliche Kontakte weiter zu reduzieren. Als Beispiele nannte Merkel Größenbeschränkungen für bestimmte Gruppen oder den Ausschluss von Zuschauern bei Fußballspielen. Es sei zu sehen, „dass die Zahl der Kontakte unmittelbar mit der Zahl der Infizierten zusammenhängt, wenn man eine bestimmte Schwelle von Infektionen erreicht hat“, sagte sie.

Anzeige
Der Newsletter der Chefredaktion

Montags bis freitags erhalten Sie aktuelle Nachrichten aus Schleswig-Holstein und Einblicke in den Newsroom in Ihr Postfach.

Starker Anstieg der Hamburger Zahlen am Freitag

Die Zahl der Corona-Infektionen stieg in Hamburg am Freitag so stark wie seit Anfang April nicht mehr. Die Hamburger Gesundheitsbehörde meldete 145 neue Fälle. Der der sogenannte Inzidenzwert, der die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern angibt, lag laut Berechnungen der Behörde bei 39,5.

Sollte er auch am Samstag den dann dritten Tag in Folge über 35 liegen, würden bereits beschlossene Verschärfungen zur Maskenpflicht in Kraft treten. Mund-Nase-Abdeckungen wären dann unabhängig vom Abstand für alle Menschen in gastronomischen Einrichtungen, dem Einzelhandel und bei allen sonstigen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen und in Gebäuden mit Publikumsverkehr sowie an besonderen öffentlichen Plätzen obligatorisch.

Sieben Bars und Clubs auf St. Pauli bleiben geschlossen

Sieben bereits in den vergangenen Wochen wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln vorübergehend geschlossene Bars und Clubs auf St. Pauli bleiben derweil auch die nächsten Wochen dicht. Ihre Schließung wurde bis zum 30. November verfügt, weil sie nicht überzeugend nachgewiesen hätten, „dass sie einen mit der Eindämmungsverordnung konformen Betrieb zukünftig gewährleisten können“, teilte das Bezirksamt Mitte mit.

Amtsleiter Falko Droßmann (SPD) appellierte eindringlich an Barbetreiber, sich an die Corona-Regeln zu halten. Ansonsten drohten mögliche neue Einschränkungen insbesondere auch für die Gastronomie. „Es kann deshalb einfach nicht sein, dass einzelne uneinsichtige Betreiber und Betreiberinnen die Bemühungen der großen Mehrheit der Clubs und Bars auf St. Pauli konterkarieren.“

Lesen Sie dazu: Merkel: Bundeswehr und RKI sollen Experten in Corona-Hotspots schicken

Neue Quarantäne-Regelung ab Montag

Ab Montag müssen Hamburger, die in die Schweiz reisen, muss dort erst einmal für zehn Tage in Quarantäne. Wegen der hohen Infektionszahlen setzte das Schweizer Bundesamt für Gesundheit die Länder Berlin und Hamburg auf die Liste der Risikogebiete. In der Schweiz entbindet auch ein negativer Corona-Test nicht von der Quarantäne-Pflicht.

In Hamburg haben sich seit Beginn der Pandemie laut Gesundheitsbehörde 8813 Menschen mit dem Virus infiziert. Etwa 7000 können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen als genesen angesehen werden. In Hamburger Krankenhäusern wurden 60 Covid-19-Patienten behandelt, einer mehr als am Vortag. Die Zahl der Patienten auf Intensivstationen blieb unverändert bei zwölf.

Lesen Sie außerdem: Welche Beschlüsse Merkel und die Großstadt-Bürgermeister gefasst haben

Gesundheitsbehörde lässt Verstorbene obduzieren

Bislang starben nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf 241 Menschen an Covid-19. Die Zahl blieb auch am Freitag unverändert. Das RKI nannte für Hamburg wie schon am Vortag 276 Tote.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde lässt alle gestorbenen Corona-Patienten obduzieren. Das Institut für Rechtsmedizin zählt auf dieser Grundlage dann sämtliche Fälle, bei denen jemand einer Covid-19-Erkrankung erlegen ist. Das RKI zählt alle Personen, die im Zusammenhang mit einer Sars-CoV-2-Infektion gestorben sind.

Von RND/lno