Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Hamburg Die Weihnachtsernte wird eingefahren
Nachrichten Hamburg Die Weihnachtsernte wird eingefahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:45 06.12.2014
Von Sorka Susann Eixmann
Weihnachtsbaumernte bedeutet auch auf Gut Augustenhof viel Handarbeit: Jurek fällt die Tannen mit der Motorsäge, Raffael zieht sie zum Abtransport auf den Weg. Quelle: Sven Janssen
Osdorf

Es ist dunkel, als die Mitarbeiter von Gut Augustenhof um 5 Uhr in die Schonungen ausrücken. Die Ernte der Nordmanntannen läuft auf Hochtouren, spätestens in 20 Tagen will jeder einen schön gewachsenen Baum zum Fest haben.

Dick vermummt, in Gummistiefeln und mit Handschuhen, so machen sich die polnischen Erntehelfer auf den Weg: bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und scharfem Ostwind. Ihre Tage sind lang. „In der Erntezeit sind wir bis 20 Uhr draußen“, sagt Werner Jaschinski, der seit 1997 auf dem Gut im Dänischen Wohld arbeitet. Er kennt die Schonungen genau, er kümmert sich während des gesamten Jahres um die Pflege und um die Kennzeichnung der Tannen.

Der 60-Jährige führt durch die Baumreihen, die direkt an den Augustenhofer Wald grenzen. „Die Bäume, die 1,50 Meter bis 1,75 Meter hoch sind, werden mit gelben Bändern gekennzeichnet. Blau bedeutet, die Bäume werden bis zu zwei Meter hoch. Und alle größeren bekommen rote Bänder.“

Weihnachtsbaumernte auf Gut Augustenhof: Fürs Palettieren der Weihnachtsbäume gibt es besonderes Gerät. Knapp 1000 Bäume werden erst eingewickelt und dann auf Paletten zusammengepresst.

Im Hintergrund jault die Motorsäge, Jurek kappt mit drei kurzen Bewegungen die Nordmanntannen, die mit einem lila Band versehen sind. „Das ist eine Bestellung, 1000 Tannen werden nach Niedersachsen in einen Gartenmarkt geliefert.“ Marius und Raffael ziehen die gefällten Tannen auf den Weg. Um sie einzunetzen und auf Paletten zu verladen, kommt später der Palettier-Trupp vorbei.

Noch ist der Trupp an der Palettiermaschine um Mateusz, Martin, Woitek und Mikoi auf dem Nachbarweg. Jede Tanne wird in Handarbeit in den Trichter gelegt, dann arbeitet die Maschine auf Knopfdruck: Die Zange packt den Stamm, der Baum wird eingezogen und eingenetzt, über das Förderband geht es auf die Palette – dann kommt die nächste Tanne. „Pro Palette können 100 Stück aufgeladen werden“, erklärt Jaschinski.

Inzwischen ist es hell, aber weiter bitterkalt. Die Männer sind immer in Bewegung. Bis auf Mateusz: Der Fahrer sitzt in der warmen Treckerkabine der Palettiermaschine, kann auf Mütze und Schal verzichten.

„Das Gros unserer Erntearbeit ist und bleibt Handarbeit“, weiß Wolf-Oliver Graf Baudissin, der seit vielen Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb auf Gut Augustenhof führt. Schweinemast, Tannenbäume, Ackerbau – „wir müssen uns breit aufstellen, um am Markt zu bestehen“, sagt er. Ein wichtiges Kriterium sei die Qualität: „Die schönsten Bäume gibt es hier auf dem Hof, denn sie sind unser Aushängeschild.“ Acht bis zehn Jahre alt sind die Tannen, die als Setzlinge kommen, inzwischen. „Nordmanntannen brauchen mildes Klima und leichte Böden, beides finden sie bei uns.“ Sie werden gehegt und gepflegt, bekommen im Frühjahr schon den ersten Formschnitt, damit sie am Ende für den Verkauf schlank und in Etagen gewachsen sind.

Die Palettiermaschine, für 70000 Euro angeschafft, spart viel Zeit. „Das Beladen eines Lkw dauert damit nur noch 30 Minuten. Auch ist es schonender für die Bäume, wenn sie vernetzt verladen werden.“ Dennoch bedeutet die Tannenbaumernte weiter viel Handarbeit: „Wir nehmen seit Jahren 18 Euro per Meter Tanne“, kündigt Baudissin an. „Trotz der Einführung des Mindestlohnes wird das so bleiben.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!