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Hamburg Die Weihnachtsmänner der Seefahrer
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07:59 20.12.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
 Pauline Frick (M. r.) und Alwy Kopischke (M. l.), Mitarbeiterinnen der Seemannsmission Brunsbüttel, überreichen in der Mannschaftskabine eines Stückgutfrachters philippinischen Seemännern Weihnachtsgeschenke. Quelle: dpa
Brunsbüttel

Leon Meier ist zwar Hafenseelsorger, aber zurzeit sind seine Probleme eher logistischer Natur. Rund 1200 Geschenke für Seeleute müssen verpackt und in der Zeit zwischen Nikolaus und Heiligabend verteilt werden. „Auch Schiffe, die Weihnachten in den Nord-Ostsee-Kanal reinfahren, gehen nicht leer aus“, verspricht der 43-Jährige. Zurückgreifen kann er dabei auch auf Hunderte Tüten mit selbst gebackenen Keksen. Ein Lotse und seine Frau haben sie gemacht. „Im Oktober fingen sie an, zwei bis drei Bleche pro Tag“, berichtet Meier.

Seit zwölf Jahren arbeitet er als evangelischer Diakon bei der Deutschen Seemannsmission in den „Brunsbüttel Ports“, zu denen der Elbehafen, der Ölhafen und der Hafen Ostermoor gehören. Mit Sicherheitshelm und neonfarbener Warnweste bewegt er sich zwischen Kränen und Kohlenbergen. Und klettert auf die Schiffe. „Unsere Mission ist es, zu den Menschen zu gehen“, sagt er.

„Auch die ausländischen Seeleute feiern mit uns unser traditionelles deutsches Weihnachten mit Gottesdienst und Bescherung am Heiligabend“, erzählt er. Meier serviert den Seeleuten dann in der Seemannsmission Raclette mit Glühwein und Kinderpunsch. „Indoor-Barbecue nennen die das.“ Wie viele Seeleute zur Weihnachtsfeier kommen, weiß Meier erst am 24. Dezember. Ihm reicht ein Blick auf die Anzahl der Schiffe im Hafen. Wenn der Käse ausgehe, werde notfalls privat Nachschub organisiert. „Das klappt immer“, sagt Meier.

Im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Kirchengemeinde hat die Seemannsmission keine festen Mitglieder. „Es ist eine Gemeinde, die um die Welt fährt. Eine Gemeinde, die jeden Tag wechselt“, erklärt der Seelsorger. Rund 1600 Gäste aus 54 Nationen zählte er 2013.

Auf den Schiffen könnten viele Seeleute nicht abschalten, berichtet Pauline Frick, die Meier in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr unterstützt. Unter anderem chauffiert sie die Seeleute zum kleinen Zentrum der Seemannsmission, das sich ein paar Kilometer außerhalb der „Brunsbüttel Ports“ befindet. Dort können sie bei Billard und Karaoke ausspannen. Zum Beispiel Eymard Dimamay. Er freue sich auf das Beisammensein in der Seemannsmission, sagt der 38-jährige Philippiner. Sein Freund Kim Bryap Jarabe will auch mit, um per Internet Kontakt zu seiner Familie aufzunehmen. Der dritte im Bunde, Al B. Paña, ist das erste Mal in Deutschland. „Es ist gut hier“, sagt er lachend. „Die Menschen sind alle so freundlich.“

Doch nicht immer besuchen Seeleute die Seemannsmission zum Vergnügen. Oft wollen sie sich auch Kummer und Sorgen von der Seele reden. „Manchmal können wir helfen, oder wir wissen, wo man Hilfe bekommen kann“, erklärt Meier. „Bei größeren Problemen — Problemen, die zum Beispiel eine ganze Besatzung betreffen, und die wir nicht während der kurzen Liegezeit in Brunsbüttel lösen können — geben wir das weiter an den nächsten Hafen, die nächste Seemannsmission“, erklärt der Diakon. „Wir sind ein weltweites Netzwerk.“ In Deutschland gibt es 16 Seemannsmissionen. Weitere 17 deutsche Seemannsmissionen im Ausland sind über die Kontinente verteilt.

Sehr oft muss sich Meiers Hilfe allerdings aufs Zuhören beschränken. Oder er stellt einen kleinen Andachtsraum zur Verfügung, wie beispielsweise nach dem TaifunHaiyan“, der im November auf den Philippinen viele Menschen getötet hatte. Christen, Muslime, Taoisten, Hindus, Sikhs, Buddhisten und Juden können dort zusammen beten.

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