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Hamburg baut Leitungsnetz für grünen Wasserstoff

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21:21 08.12.2020
Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan (Grüne).
Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan (Grüne). Quelle: Christian Charisius/dpa/Archivbild
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Hamburg

Hamburg will bis 2030 die größten Industriebetriebe im Hafengebiet mit einem eigenen Netz für sogenannten grünen Wasserstoff versorgen. Dazu werde im ersten Schritt ein Leitungsnetz von zunächst 45 Kilometern Länge eingerichtet, sagte Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) am Dienstag. Im zweiten Schritt könnten dann auch bereits bestehende Erdgasleitungen umgenutzt werden. In das „Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz“ sollen laut Gasnetz Hamburg in den nächsten zehn Jahren knapp 90 Millionen Euro investiert werden.

In der ersten Ausbaustufe könnten Industrieunternehmen südlich der Elbe angeschlossen werden, die für rund ein Drittel des gesamten Hamburger Erdgasverbrauchs stünden. „Wenn große Hamburger Industriebetriebe ohne fossile Brennstoffe auskommen, kann unsere Stadt erhebliche Fortschritte beim Klimaschutz erzielen“, sagte Kerstan. Durch den Ersatz der Erdgas-Energiemenge von derzeit jährlich rund 6,4 Terawattstunden durch grünen Wasserstoff sinke Hamburgs gesamter CO2-Ausstoß rechnerisch um 1,2 Millionen Tonnen oder sieben Prozent.

Basis für Kraft- und Brennstoffe

Grüner Wasserstoff wird ausschließlich mit erneuerbarer Energie gewonnen. Er kann als Basis für Kraft- und Brennstoffe dienen, um etwa in Industrie und Verkehr die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas abzulösen.

Mit dem Hamburger Netz wird laut Kerstan zudem die Voraussetzung für eine 100 Megawatt starke Elektrolyseanlage im Hafen geschaffen. Auch ein Wasserstoff-Importterminal an der Elbe sei denkbar. „Mit dem Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur im Hamburger Süden stellen wir heute eine wichtige Weiche und senden ein Signal an den Bund und an die Wirtschaft, dass Hamburg sich ökologisch und ökonomisch richtungweisend aufstellt.“

Richtungsweisender Schritt zur Wasserstoffmetropole

Die Infrastruktur werde „genau dort entstehen, wo der Bedarf an Wasserstoff am größten und der Nutzen für den Klimaschutz am höchsten ist“, sagte Udo Bottlaender, technischer Geschäftsführer von Gasnetz Hamburg. Das Projekt reihe sich nahtlos in die Gesamtstrategie der Stadt für eine nachhaltige Energieversorgung ein, bemerkte der Energieexperte der SPD-Fraktion, Alexander Mohrenberg. „Das geplante Wasserstoff-Industrienetz macht eine fossilfreie Energieversorgung der Wirtschaft möglich, schafft neue Logistikketten und Arbeitsplätze.“

Die Handelskammer begrüßte die Planungen. „Das ist ein weiterer richtungsweisender Schritt auf dem Weg Hamburgs zur Wasserstoffmetropole“, sagte Hauptgeschäftsführer Malte Heyne. Wichtig sei, auch das überregionale Transportnetz auszubauen. „Wir müssen hier eng mit unseren norddeutschen Partnern zusammenarbeiten, um gemeinsam als Vorreiter-Region die Potenziale der Wasserstoffwirtschaft zu heben.“

Von RND/dpa